Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Unis in Not

Wien (OTS) - Österreichs Universitätslehrer erbringen absolute Spitzenleistungen. Zusammen mit den Bauern und den damit die eigene Existenz absichernden Verwaltern der angeblich ständig steigenden Armut liegen sie unangefochten an der Spitze der heimischen Champions-League: Niemand kann lauter, öfter und mit mehr Echo rufen:
"Geld her!"

So weit, so alt. Wenig überraschend ist auch, dass die Studenten bei solchen Professoren eines perfekt lernen: den Eindruck zu erwecken, dass Studiengebühren (die in Wahrheit nur einen kleinen Teil der Studienkosten decken) den Untergang des Abendlandes bedeuten.

Das alles ist achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen. Dies heißt aber nicht, dass es um die Unis gut bestellt wäre. Nur werden die wirklichen Defizite leider kaum diskutiert - obwohl sich die Fehler der jüngsten Uni-Reform immer deutlicher zeigen. Die Hohen Schulen sind zwar erfreulicherweise dem direkten politischen Zugriff entzogen worden (der seit den 70er und 80er Jahren manche Disziplinen so eingefärbt hat, wie es das Wiener Rathaus ist). Viele andere Mängel werden aber ignoriert:

- klare, öffentlich diskutierte und am gesellschaftlichen Bedürfnissen orientierte Ziel-Vorgaben durch den Staat, die es ermöglichen, die wirkliche Leistung in Lehre wie Forschung zu messen und dann zu belohnen oder bestrafen;

- der Zwang zur internationalen Ausschreibung jeder Professur (worauf etwa die Wiener Medizin-Universität neuerdings gerne vergisst);

- ein Ende der unheilvollen Gremienvielfalt (so hat jeder Rektor nicht nur einen, sondern zwei Aufsichtsräte: Senat und Uni-Rat);

- externes Management-Personal im Rektorat (lediglich die WU steht diesbezüglich halbwegs gut da);

- das Verbot interner Haus-Besetzungen (also von Karrieren, die nie aus der eigenen Universität hinausführen): "Wir bleiben schön unter uns";

- das Verbot von Nebeneinkünften für Professoren, die sie nicht mit der Uni teilen müssen;

- stärkere Anreize für die Unis, mit Forschungsergebnissen gewinnorientierte Firmen zu gründen;

- die Möglichkeit für alle Studienrichtungen, den Studentennachwuchs zu testen und zu limitieren.

Der Blick ins Ausland lehrt, was nötig wäre. Der Blick ins Inland zeigt, was nicht passieren wird.

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