Berliner Hauptbahnhof: Architekten begrüßen Urheberrechts-Sieg

Architektenkammer-Präsident Gobiet: "Die Einheitlichkeit des architektonischen Entwurfs ist unantastbar"

Wien (OTS) - Als "großen Erfolg für das Urheberrecht des Architekten" wertete heute, Freitag, unisono der Präsident der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland, Andreas Gobiet, so wie Georg Driendl, Vorsitzender der Sektion Architekten, das Urteil des Berliner Landgerichts. Demnach muss die Deutsche Bahn AG jenes Flachdach im Berliner Hauptbahnhof zurück bauen, das sie ohne Einverständnis des ausführenden Architekten Meinhard von Gerkan nachträglich einziehen ließ, und wurde folglich von ihm geklagt.

Der ursprüngliche architektonische Entwurf des Büros Gerkan, Marg und Partner, der auch als Planung genehmigt worden war, sah im Untergeschoss des neuen Prestige-Bauwerks eine speziell leuchtende Wölbkonstruktion vor. Aus vorgeblich ökonomischen Gründen beauftragte die Deutsche Bahn AG jedoch ein anders Büro mit dem Einzug des Flachdaches, ohne von Gerkan zu informieren. Man habe eine kostengünstigere Variante realisieren lassen, wie es nach eigenen Angaben hieß.

Dies wertete jetzt der Vorsitzende Richter Peter Scholz in der Verhandlung als "erhebliche Entstellung", und das Berliner Landgericht erkannte in einem Aufsehen erregenden Urteil zu Recht, dass ein derartiger Eingriff die Urheberrechte der Architekten Gerkan, Marg und Partner verletzt. Damit wurde nicht nur der Hauptbahnhof Berlin als Werk der Baukunst eingestuft, sondern letztlich ist damit das öffentliche Interesse an umfassenden Qualitätskriterien in der Architektur festgestellt.

Einen Bahnhof nennen Bauherren gern auch "Zweckbau", was impliziert, sie hätten besonders effizient, wirtschaftlich, und zweckdienlich gebaut, und damit im besten öffentlichen Interesse gehandelt. Ein öffentlicher "Zweckbau" ist aber nicht Selbstzweck, denn er dient vielen Nutzungen, und nicht zuletzt der Repräsentation der kulturellen Standards des Gemeinwesens.

Nicht zufällig wurde der Planungsauftrag öffentlich ausgeschrieben und an den Gewinner eines Qualitätswettbewerbes erteilt. Wenn öffentliche Bauherrn glauben, sich einerseits mit baukünstlerischen Spitzenleistungen schmücken zu können, sich andererseits aber zutrauen, gegen prämierte Konzepte nach Belieben, dann werden sie ihrer baukulturellen Verantwortung nicht gerecht.

Die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten versteht das Urteil als willkommene Unterstützung für ihre ständige Forderung nach qualitätssichernden Verfahren bei der Vergabe von Planungsleistungen von Architekten und Ingenieuren. Gobiet: "Die Einheit des architektonischen Entwurfs ist unantastbar".

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