"Vorarlberger Nachrichten" Wirtschaftskommentar: "Verkühlt" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 01.12.2006

Wien (OTS) - Kein Schnee bis hoch ins Gebirge? Macht nichts, dann werden die Touristen eben in Thermen gelockt und dort kräftig abkassiert. Das war jahrelang die Strategie innerösterreichischer Fremdenverkehrsregionen. Länder und Gemeinden haben kräftig mitfinanziert, weil sie sich zusätzliche Arbeitsplätze und in der Folge Steuereinnahmen erhofft haben.
Jetzt bekommen sie die Rechnung präsentiert. Der Thermenboom wird zum Bumerang, die öffentliche Subvention zur massiven Wettbewerbsverzerrung. Der Rogner-Therme in der Steiermark droht der Konkurs, wenn das Land nicht zusätzlich zu einer Förderung von 15,4 Millionen Euro einen Schuldenerlass über weitere 4,8 Millionen gewährt.
"Hunderte Arbeitsplätze sind in Gefahr", lautet das übliche Killer-Argument, mit dem solche Finanzspritzen gerechtfertigt werden. Die Betreiber der anderen Thermen sehen das kritischer: Wenn ein Unternehmen massiv gefördert wird, kommen die übrigen in Schwierigkeiten, weil sie sich ihre Brötchen ohne Hilfe des Steuerzahlers selber verdienen müssen. Also verlangen sie gleichermaßen Subventionen.
Die Probleme beschränken sich keineswegs auf die Steiermark und erinnern fatal an den Bäderboom vergangener Jahrzehnte. Jede Gemeinde, die halbwegs etwas auf sich hielt, baute mit Landeshilfe Frei- und Hallenbäder, um Gemeindebürgern und Touristen "etwas bieten zu können". Die meisten übersahen die beträchtlichen Folgekosten, die mangels entsprechender Einnahmen bald die Budgets sprengten.
Egal, ob Thermen, Schwimmbäder, Eishallen oder sonstige Freizeiteinrichtungen: Staatliche Subventionen in Form von Bauzuschüssen oder direkten Subventionen verzerren den Wettbewerb. Dasselbe gilt für Förderungen an Einzelunternehmen. Nur in den allerseltensten Fällen werden dadurch Arbeitsplätze nachhaltig gerettet, meist verzögern die Zuschüsse nur das unvermeidliche Ende und schaden noch dazu den tüchtigeren Mitbewerbern.
Die steirischen Thermen sind ein Lehrbeispiel, wie es nicht geht. Glücklich all jene Länder und Gemeinden, die solchen Versuchungen bisher nicht erlegen sind. Sie ersparen sich die finanzielle Verkühlung, wenn Thermen, Bäder, Eislaufplätze, Sport- und Veranstaltungshallen, Produktions- oder Dienstleistungsbetriebe trotz staatlicher Förderung später in Schwierigkeiten kommen.

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