Reichsrat "reloaded" Historische Parlamentsdebatten online

Wien (PK) - Schon seit geraumer Zeit bemüht sich die Österreichische Nationalbibliothek in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, darunter an prominenter Stelle die Parlamentsbibliothek, darum, historische Texte zu digitalisieren. Was mit dem Projekt "anno" (AustriaN Newspapers Online) begann, findet derzeit mit dem Projekt "alex" (Historische Rechts- und Gesetzestexte online) seine Fortsetzung.

In beiden Fällen werden historische Quellen ins Internet gestellt und sind somit online zur Verfügung. Von besonderem Interesse bei "alex" ist der neue Punkt "Parlamentaria", in dem die Parlamentarischen Materialien des ehemaligen Reichsrates, also von Abgeordneten- und Herrenhaus, aus den Jahren 1861 bis 1918 zur Verfügung stehen. Die Dokumente der beiden Kammern sind sorgsam nach Sessionen geordnet und benützerfreundlich untergliedert, um die Erschließung der einzelnen Unterkapitel entsprechend zu erleichtern. So kann man über Personen-und Sachregister Zugang zu diversen Themen erhalten, die dann über die stenographischen Protokolle im Volltext zur Verfügung stehen. Der Index hält dabei die jeweilige Seite im Protokoll fest, die sodann über die Suchmaske direkt angesteuert werden kann. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass man das gewünschte Dokument gleich auf mehreren Wegen finden kann: entweder man sucht über die Art des Dokuments (Rede, Antrag, Petition, Anfrage) oder über den Urheber des Dokuments (Abgeordneter, Minister, Mitglied des Herrenhauses) oder aber über das Sachthema (Finanzen, Außenpolitik, Verteidigung). Selbst die Zusammensetzung von Ausschüssen, die Übersicht über Schriftführer, Ordner und weitere Positionen innerhalb der beiden Kammern ist so auf einfache Art zu erschließen.

Ganze historische Diskussionen sind so aus der Distanz eines Jahrhunderts Punkt für Punkt nachvollziehbar, politische Debatten werden so lebendig, als fänden sie just eben statt. Eine echte Bereicherung des Zugangs zu historischen Quellen, von der Wissenschaftler ebenso profitieren wie historisch und politisch interessierte Laien.

Laut Elisabeth Dietrich-Schulz, Leiterin der Parlamentsbibliothek, ist dies gleichwohl nur ein erster Schritt. Als nächstes Ziel soll auch die Erste Republik auf diese Weise zugänglich gemacht werden, und nicht weniger als die vollständige digitale Erschließung aller Texte und Quellen vom Jahre 1848 bis in unsere Zeit ist das überaus ambitonierte Endziel der Bemühungen von ÖNB und Parlamentsbibliothek.

Parallel zu "alex" gibt es eben auch "anno", wo 72 Zeitungen und Zeitschriften für die journalistische Begleitung der politischen Entscheidungsfindungen Sorge tragen. Die Bandbreite erstreckt sich dabei über das gesamte Spektrum von unabhängigen konservativen Blättern bis zur christlichsozialen Parteipresse. Auch hier soll, wie es heißt, das Angebot laufend erweitert werden.

Wünschenswert wäre an dieser Stelle etwa die Aufnahme - ganz im Sinne des von Dietrich-Schulz postulierten Völker verbindenden Charakter des Projekts - eine Ausweitung auf tschechische, ungarische, slowenische oder polnische Periodika (derzeit gibt es lediglich einige griechische Magazine neben sonst ausschließlich deutschsprachigem Angebot) sowie die Ergänzung der bisherigen Titel um Publikationen anderer weltanschaulicher Richtungen, etwa des Liberalismus oder der Sozialdemokratie.

Ein wichtiger Schritt ist dessen ungeachtet fraglos gesetzt, mit "alex" und "anno" kann der Interessierte in die "Welt von gestern" eintauchen und die großen Debatten der damaligen Zeit gleichsam hautnah miterleben. Eine spannende Zeitreise per Mausklick. (Schluss)

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