ARBÖ: "Winterreifen"-Moral heuer besonders niedrig

Erst knapp 71 Prozent der Autofahrer sind mit Winterreifen unterwegs

Wien (OTS) - "Leise rieselt der Schnee" kann österreichweit zwar noch nicht gesungen werden. Trotzdem dürften viele Autolenker darauf warten, um erst dann die Sommer- gegen die Winterreifen zu tauschen. Was jedoch, sobald die ersten Schneeflocken auf die letzten Sommerreifen treffen, wie "alle Jahre wieder" Serienunfälle zur Folge haben wird. Der ARBÖ hat festgestellt, dass erst 71 Prozent der Autofahrer Winterpneus montiert haben. Das ist weniger, als im Vorjahr um diese Zeit - damals hatten 73 Prozent umgesteckt, und noch weniger als 2004, als Ende November bereits 77 Prozent mit Winterreifen unterwegs waren.

"Das ungewöhnlich schöne Wetter bis in den November hinein mag zur niedrigen Winterreifenmoral beigetragen haben", schlussfolgert Thomas Woitsch vom ARBÖ.

Die höchste Winterreifen-Moral herrscht im Burgenland, wo 94 Prozent umgesteckt haben. Die Burgenländer wappnen sich in der Regel rechtzeitig auf die insbesondere im Winter sehr wechselhafte Wetterlage in ihrem Bundesland. Auf Platz 2 folgt Salzburg mit 91 Prozent, die Steiermark mit 88 Prozent, Tirol mit 80 Prozent, Vorarlberg mit 79 Prozent und Oberösterreich mit 75 Prozent. "In diesen grenznahen Bundesländer hat sich die Winterreifenpflicht in Deutschland schon ausgewirkt", stellt Woitsch fest. In Wien sind schon 70 Prozent mit Winterpatschen unterwegs. Die Schlusslichter in der ARBÖ-Erhebung bildet Niederösterreich mit 41 Prozent und Kärnten mit 20 Prozent.

Die wichtigsten ARBÖ-Reifentipps:

Von "O" bis "O" - von "Oktober" bis "Ostern" - sollte in Österreich nur mit Winterreifen gefahren werden. Denn schon ab einer Außentemperatur von 7 Grad greifen Winterpneus aufgrund der Gummimischung viel besser als Sommerreifen.

1. Nachschauen, welche Höchstgeschwindigkeit erlaubt ist: Auf jedem Reifenumfang gibt es eine Zahlenreihe, die wichtige Informationen enthält, auch über die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Die Zahlenfolge 195/50 R 15 82 P muss wie folgt interpretiert werden:
Reifenbreite =195, Reifenhöhe = 50 Prozent der Reifenbreite, R = Radial, 15 Zoll für den Felgen-Durchmesser, 82 bedeutet, dass die Tragfähigkeit 475 Kilo beträgt und P bedeutet eine mögliche Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. M&S Hinweis auf Wintertauglichkeit für Winter- und Ganzjahresreifen.

Alle Geschwindigkeitssymbole im Überblick:

M = 130 km/h, N = 140 km/h, P = 150 km/h, Q = 160 km/h, R = 170 km/h, S = 180 km/h, T = 190 km/h, U = 200 km/h, H = 210 km/h, W = 270 km/h sowie Y = 300 km/h

2. Nachschauen, wie "alt" die neuen Reifen sind: Je älter der Reifen, desto härter wird die Lauffläche. Dadurch verschlechtert sich die Bodenhaftung. Weiters können durch Anfahren an Bordsteine oder Überfahren von Schlaglöchern Reifenschäden entstehen. Und hier ein spezieller ARBÖ-Tipp, um das wahre Herstellungs-Alter der neu gekauften Reifen festzustellen: auf jedem Reifen gibt es auf der Seitenwand ein erhabenes Oval, auf dem eine vierstellige Nummer draufsteht, "3205" bedeutet beispielsweise, dass der Reifen in der 32 Woche im Jahr 2005 produziert wurde.

3. Winterreifen müssen eine Profiltiefe von mindestens fünf Millimeter bei Reifen in Diagonalbauart oder mindestens vier Millimeter bei Reifen in Radialbauart (Gürtelreifen) aufweisen. "Abgefahrene" Winterreifen mit einer geringeren Profiltiefe dürfen weiter verwendet werden, gelten dann jedoch als Sommerreifen.

4. Winterreifen müssen auf allen vier Rädern montiert sein, an Anhängern nur dann, wenn auch am Zugfahrzeug Winterreifen montiert sind. Sind allerdings am Zugfahrzeug Spikereifen montiert, muss auch der Anhänger Spikereifen haben.

5. Luftdruck sollte gegenüber den Sommerreifen um 0,2 bar erhöht werden, damit das Lamellenprofil richtig greifen kann.

6. Neue Reifen müssen 300 km eingefahren werden: Sie haben produktionsbedingt anfangs eine geringere Bodenhaftung - besonders auf nasser Fahrbahn. Deshalb erst nach zirka 300 km den Hafteigenschaften der neuen Pneus vertrauen.

7. Wechseln auf Winterreifen bringt auch versicherungsmäßig Vorteile:
Es gibt in Österreich keine allgemeine Winterreifenpflicht. Trotzdem sollten die Reifen gewechselt werden. Kraftfahrer, die bei winterlichen Fahrverhältnissen mit Sommerreifen fahren, begehen daher keine Verwaltungsübertretung. Kommt es allerdings zu einem Unfall, wird sich die eigene Kaskoversicherung leistungsfrei erklären, da eine grob fahrlässige Herbeiführung eines Versicherungsfalles gemäß § 61 Versicherungs-Vertrags-Gesetz vorliegt. "Grobe Fahrlässigkeit" bedeutet in diesem Fall, dass durch die nicht den Fahrverhältnissen entsprechende Bereifung "der Eintritt eines Schadens nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich ist".

8. Spikes können seit 1. Oktober 2006 schon montiert sein und man darf bis einschließlich 31. Mai 2007 damit fahren. Wer Spikes verwendet, muss mit einem sichtbar am Fahrzeug angebrachten Aufkleber darauf hinweisen.

9. Mit Spikereifen gilt ein Tempolimit von maximal 100 km/h auf Autobahnen und von 80 km/h auf Freilandstraßen.

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