OeNB - Deutliche Anstiege bei Zinssätzen für Wohnbaukredite

Die Entwicklung der Kundenzinssätze in Österreich und im Euroraum im 3. Quartal 2006

Wien (OTS) - In Folge der vierten Leitzinserhöhung der EZB innerhalb von 9 Monaten (um 0,25 %-Punkte im August 2006 -Mittlerweile gab es eine weitere Leitzinsanhebung im Oktober um erneut 0,25 %-Punkte auf 3,25 %) gab es im dritten Quartal 2006 insbesondere bei neu vereinbarten Wohnbaukrediten in Euro deutlich höhere Zinssätze (gegenüber Juni stieg der Zinssatz um 0,45 %-Punkte auf 4,09 % im September). Die Weitergabe der vier Leitzinserhöhungen der EZB erfolgte bei Wohnbaukrediten in Österreich dennoch in geringerem Ausmaß als bei anderen Kreditkategorien (+0,62 %-Punkte gegenüber September 2005). Hingegen nahezu vollständig erfolgte die Weitergabe bei Großkrediten (über 1 Million Euro) an Unternehmen, die im September im Schnitt mit 3,78 % verzinst wurden (0,96 %-Punkte über dem Vorjahreswert) und damit - wie auch die Wohnbaukreditzinssätze - unter dem Vergleichswert des Euroraums (4,07 %) lagen. Über das gesamte aushaftende Kreditvolumen führte der höhere Anteil an variabel verzinsten Krediten in Österreich dazu, dass die Leitzinsanhebungen sich in den Konditionen österreichischer Kunden stärker als im Euroschnitt widerspiegelten und der relative Zinsvorteil zum Euroraum weiter schmolz.

Bei Einlagenzinssätzen gab es im dritten Quartal im Neugeschäft weiter Zuwächse zu verzeichnen. Bei kurzen Laufzeiten (bis zu 1 Jahr bzw. 1-2 Jahren) wurden die vier Leitzinserhöhungen der EZB bereits vollständig an die Kunden weitergegeben, bei längeren Laufzeiten (über 2 Jahren) lag der Zinssatz in Österreich mit 3,43 % am deutlichsten über dem Durchschnittszinssatz des Euroraums (2,66 %).

In Folge der vierten Leitzinserhöhung der EZB innerhalb von 9 Monaten (um 0,25 %-Punkte im August 2006- Mittlerweile gab es eine weitere Leitzinsanhebung im Oktober um erneut 0,25 %-Punkte auf 3,25 %) gab es im dritten Quartal 2006 insbesondere bei neu vereinbarten Wohnbaukrediten in Euro deutlich höhere Zinssätze. Ausgehend von Juni stieg der Durchschnittszinssatz bis September um 0,45 %-Punkte auf 4,09 %, was dem höchsten Wert seit Jänner 2004 entsprach. Der starke Anstieg bei den Wohnbaukrediten - bei denen die Zinssätze im Laufe der letzten Monate wettbewerbsbedingt eher niedrig geblieben waren -ist auf zwei Faktoren zurückzuführen. Einerseits gab es bei den Konditionen für Zwischenfinanzierungen von Bausparkassen erstmals seit längerer Zeit stärkere Zinsanhebungen. Andererseits kam es im Wohnbaukreditbereich zu einem relativ hohen Volumen von Konvertierungen von CHF- in EUR-Kredite (offenbar wurde der durch die Abwertung des CHF günstige Zeitpunkt zum Umstieg in den EUR genutzt), womit ein höheres Neugeschäftsvolumen an höher verzinsten variablen Zinssätzen zu verzeichnen war. Mit 4,09 % lag der Zinssatz aber nach wie vor unter dem Euroraum-Durchschnitt (4,39 %). Dennoch wurden die vier Leitzinserhöhungen der EZB (um insgesamt 1 Prozentpunkt) in Österreich bei Wohnbaukrediten bislang schwächer als in anderen Kreditkategorien an die Kunden weitergegeben, der Vergleichswert des Vorjahres wurde lediglich um 0,62 %-Punkte überschritten.

Auch bei Unternehmenskrediten gab es im dritten Quartal markante Anstiege bei den Neugeschäftszinssätzen, bei Volumen von bis zu 1 Million Euro stieg der Zinssatz gegenüber Juni um 0,30 %-Punkte auf 4,31 %, bei Volumen von über 1 Million Euro war ein Anstieg von 0,26 %-Punkte auf 3,78 % zu verzeichnen. Die Leitzinserhöhungen wurden in beiden Kategorien weitgehend an die Kunden weitergegeben, die Vorjahreswerte wurden um 0,90 (bis 1 Million Euro) bzw. 0,96 %-Punkte (über 1 Million Euro) überschritten. Damit gab es bei Unternehmenskrediten die höchsten Zinssätze seit April bzw. Februar 2003 zu verzeichnen, nach wie vor blieben die Zinssätze aber günstiger als im Euroraum.

Über das gesamte aushaftende Kreditvolumen führte der höhere Anteil an variabel verzinsten Krediten in Österreich dazu, dass die Leitzinsanhebungen sich in den Konditionen österreichischer Kunden stärker als im Euroschnitt widerspiegelten und der relative Zinsvorteil zum Euroraum weiter schmolz. So lag der durchschnittliche Zinssatz für langfristige Wohnbaukredite (über 5 Jahre Laufzeit) mit 4,53 % lediglich 0,09 %-Punkte unter dem Euroraum-Durchschnitt. Bei Krediten für Konsum und sonstige Zwecke an private Haushalte (ebenfalls mit Laufzeit von über 5 Jahren) betrug der Zinsvorteil im September 2006 zwar noch 0,66 %-Punkte (5,20 % in Österreich gegenüber 5,86 % im Euroraum), ein Jahr zuvor waren die vergleichbaren Zinssätze in Österreich mit 4,56 % aber noch 1,11 %-Punkte niedriger als im Euroraum-Durchschnitt gelegen.

Im Fremdwährungskreditbereich gab es in der vom Neugeschäftsvolumen her derzeit einzigen relevanten Währung - dem Schweizer Franken (CHF) - parallel zur Leitzinserhöhung der Schweizer Notenbank bei neu vereinbarten Krediten einen kräftigen Anstieg (um 0,23 %-Punkte auf 2,84 %) zu verzeichnen. Aufgrund des starken Anstiegs des Zinssatzes für EUR-Wohnbaukredite stieg der relative Zinsvorteil des CHF-Kredites zum wichtigsten Konkurrenzprodukt zwar auf 1,25 %-Punkte, lag damit aber deutlich unter dem Vergleichswert von September 2005 als der Zinsabstand zwischen CHF-Krediten und EUR-Wohnbaukrediten noch 1,56 %-Punkte betragen hatte.

Bei Einlagenzinssätzen gab es im dritten Quartal im Neugeschäft weiter Erhöhungen zu verzeichnen. Besonders bei längerfristiger Bindung (über 2 Jahre) blieben sie aber etwas hinter denen der letzten Quartale zurück. Gegenüber Juni gab es einen Zinsanstieg um 0,13 %-Punkte auf 3,43 %, was heißt, dass die vier Leitzinserhöhungen noch nicht vollständig weitergegeben wurden (+0,89 %-Punkte gegenüber September 2005). Dennoch gab es auch hier für Österreichs Kunden einen deutlichen Zinsvorteil gegenüber dem Euroraum-Durchschnitt (2,66 %). Bei kurzen Laufzeiten (bis zu 1 Jahr bzw. 1-2 Jahren) wurden die vier Leitzinserhöhungen der EZB bereits vollständig an die Kunden weitergegeben, die Vergleichswerte des Vorjahres wurden mit 2,95 % bzw. 3,08 % immerhin um 1,03 bzw. 1,12 %-Punkte überschritten. Bei täglich fälligen Einlagen von privaten Haushalten ging die kontinuierliche Aufwärtsentwicklung im dritten Quartal ebenfalls weiter, im September 2006 konnte bereits ein Durchschnittszinssatz von 1,34 % beobachtet werden, ein Jahr zuvor war der Vergleichszinssatz noch bei 0,96 % gelegen.

Weitere statistische Informationen unter
dieaktuellezahl.oenb.at bzw.
www.oenb.at im Bereich "Statistik und Melderservice"

Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (+43-1) 40420 DW 6666

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Statistik Hotline
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 5555
statistik.hotline@oenb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB0001