"10 Minuten für meine Gesundheit"

Die österreichweiten Ergebnisse sind da!

Wien (OTS) -

  • 68.000 Personen beim Gesundheits-Check in den Apotheken
  • Größte Risiko-Studie Europas zum Herz-Kreislaufrisiko
  • Hohes Cholesterin im Westen, Diabetes im Osten
  • Jeder zweite unter 20 und über 50 ist fettleibig
  • 1.500 neu erkannte Diabetiker
  • Millionen-Einsparungen im Gesundheitsbereich möglich

Die österreichweite Apotheken-Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit" hat alle Erwartungen übertroffen. 68.000 Österreicherinnen und Österreicher haben von 10. bis 14. Oktober in den österreichischen Apotheken die fünf Gesundheitswerte Blutdruck, Cholesterin, Bauchumfang, Blutzucker und Gewicht messen lassen. Die Apothekerschaft hat diesen Service kostenlos und unbürokratisch im Rahmen des Tages der Apotheke angeboten. Alle gemessenen Werte wurden einheitlich und anonym erfasst. 1500 Apothekerinnen und Apotheker wurden im Vorfeld gezielt für diese Screening-Aktion ausgebildet. "Dank der Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit" haben wir seit 20 Jahren das erste Mal repräsentative Daten zum Herz-Kreislaufrisiko der Österreicherinnen und Österreicher", freuen sich die beiden wissenschaftlichen Begleiter der Aktion, Univ.Prof. Dr. Helmut Sinzinger und Univ.Doz. Dr. Harald Kritz.

Das eingelangte Datenvolumen und die Qualität der gemessenen Daten haben es den beiden Wissenschafter ermöglicht, detaillierte Auswertungen vorzunehmen und neue Mess-Standards für Österreich zu setzen. Die Ergebnisse enthüllen schonungslos: 46 Prozent der 68.000 untersuchten Personen sind fettleibig. Über 30.000 Personen erhielten im Zuge der Aktion eine konkrete Empfehlung, aufgrund schlechter Werte einen Arzt aufzusuchen. Es ist hoch an der Zeit, der Epidemie zu Leibe zu rücken.

Größte Risikostudie Europas

Auf Grund des großen Ansturms in den Apotheken und des unerwartet hohen Interesses der Österreicherinnen und Österreicher, in einer Apotheke Gesundheitswerte zu messen, liegt uns nun die größte Risikostudie dieser Art in Europa vor. "Die Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit" war für jede Altersgruppe interessant", so Mag. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, "wir hatten 1018 Teilnehmer unter 20 Jahre und sogar 300 Teilnehmer, die älter als 90 Jahre waren. Wir freuen uns natürlich, dass sich jung und alt gerne in der Apotheke einem Gesundheits-Check unterziehen". Von den 68.000 Personen, die gemessen wurden, sind 43 Prozent jünger als 60 Jahre, also im Berufsleben stehend. Insgesamt haben sich 20.000 Männer untersuchen lassen, das entspricht fast einem Drittel der Teilnehmer.

So krank sind die Österreicherinnen und Österreicher

Die Ergebnisse der Screening-Aktion sind alarmierend:

  • 53 Prozent der Österreicher haben erhöhte Cholesterinwerte
  • 46 Prozent der Österreicher sind fettleibig (gemessen nach Bauchumfang)
  • 17 Prozent sind adipös und 36 Prozent übergewichtig (gemessen nach BMI)
  • 46 Prozent der Österreicher haben einen erhöhten Blutdruck
  • 5 Prozent der Österreicher sind Diabetiker
  • 15 Prozent der Österreicher sind stark Diabetesgefährdet
  • 33 Prozent der unter 45-jährigen sind Raucher

Kugelrund ist ungesund

Die Bauchumfangwerte unserer Landsleute sind alarmierend. Jeder zweite Österreicher unter 20 und über 50 ist fettleibig. Insgesamt weisen 46 Prozent der Österreicher eine krankhaft viszerale Fettleibigkeit auf. Nur 17 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben Idealwerte beim Bauchumfang. Jeder vierte Jugendliche in Österreich hat bereits ein Gewichtsproblem und 60 Prozent der 50 bis 70-Jährigen haben Übergewicht. Bei den 40 bis 59-jährigen wurde bewiesen, dass Fettleibigkeit zu einer dreimal höheren Diabetesprävalenz führt. Die große repräsentative Datenmenge ermöglicht es uns, in Kürze neue altersbezogene und geschlechtsbezogene Bauchumfang-Normwerte für die österreichische Bevölkerung herauszugeben.

Erstmals Cholesterinwerte für ganz Österreich

Erschreckend hoch sind die Cholesterinwerte der Österreicher, die nun erstmals umfassend vorliegen. Demzufolge haben 53 Prozent einen erhöhten Cholesterinwert, davon befinden sich 17 Prozent im Hochrisikobereich. Zwei Drittel aller 50 bis 60-Jährigen weisen deutlich erhöhte Cholesterinwerte auf. Sie sind damit die Altersgruppe mit der größten Gefährdung. Aber auch bei 10 Prozent der Jugendlichen wurden erhöhte Cholesterinwerte festgestellt.

Hohe Blutdruckwerte

Auch die Hypertonierate ist wesentlich höher als bisher angenommen wurde. 46 Prozent haben erhöhte systolische und 33 Prozent erhöhte diastolische Werte. Unter 60 Jahren sind vor allem die Männer betroffen (30 Prozent). Ab 60 Jahren haben etwa 60 Prozent der Bevölkerung erhöhte systolische Blutdruckwerte. Erschreckend ist die hohe Dunkelziffer, die bei den Älteren 38 Prozent beträgt und bei den jüngeren Erwachsenen auf 48 Prozent ansteigt.

1.500 neu erkannte Diabetiker

Die Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit" hat erstmals auch eine österreichweite Erhebung der Diabetes-Situation gebracht. Die bisherigen Annahmen liegen bei 2 Prozent für die Gesamtbevölkerung. Die tatsächliche Häufigkeit liegt bei mehr als doppelt so hoch (5.3 Prozent). Weitere 15 Prozent sind diabetesgefährdet. 1500 Diabetiker wurden durch die Mess-Aktion neu entdeckt und weitere 9000 Personen gelten als diabetesgefährdet. Die Dunkelziffer liegt sehr hoch.

Hohes Cholesterin im Westen, Diabetes im Osten

Sowohl in Ost- als auch in Westösterreich wird zu viel und zu fett gegessen. Die Regionalanalyse zeigt allerdings, dass die Burgenländer, gefolgt von den Wienern und Niederösterreichern, die größten Bäuche haben. Demzufolge sind 53 Prozent der Burgenländerinnen und Burgenländer fettleibig (laut gemessenem Bauchumfang), in Wien und Niederösterreich jeweils 51 Prozent. Die Tirolerinnen und Tiroler haben hingegen 4 Prozent weniger Bauchumfang und sind auch im Durchschnitt um 6 Kilogramm leichter als ihre Kollegen im Burgenland. Nur 39 Prozent der Tiroler sind fettleibig, das ist der beste Wert im gesamten Bundesgebiet.

Die meisten Diabetiker gibt es in Wien, gefolgt von Burgenland, Niederösterreich und Kärnten. Spitzenreiter bei hohen Cholesterinwerten sind hingegen die westlichen Bundesländer Vorarlberg, Salzburg und Oberösterreich.

Bei der Hypertonie belegen die Burgenländer vor Oberösterreich und Niederösterreich die Spitzenplätze, während die Tiroler um 10 Prozent weniger Hypertoniker haben.

Die Fettleibigkeit schlägt sich auch auf die Sterblichkeit nieder. Jährlich erliegen von 100.000 Einwohnern in Wien 509 Männer und 319 Frauen einer Herz-Kreislauferkrankung, während in Tirol "nur" 358 Männer und 227 Frauen daran sterben. Leider verblasst auch der Tiroler Spitzenwert im internationalen Vergleich. Im Durchschnitt sterben in den EU-15 Ländern lediglich 358 Männer und 227 Frauen pro 100.000 Einwohnern an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Warum Screening in der Apotheke so wichtig ist

Viele Leute gehen nicht zur Vorsorgeuntersuchung zum Arzt. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: weil sie sich nicht krank fühlen, weil sie Angst vor möglichen Krankheiten haben oder weil sie sich einfach keine Zeit dafür nehmen. Ein niederschwelliges Angebot zum kurzfristigen Gesundheits-Check füllt offenbar eine Marktlücke am Vorsorge-Markt. Viele Menschen haben bei uns in den Apotheken zum ersten Mal ihre Gesundheitswerte messen lassen. Mehr als die Hälfte wurden auf Grund schlechter Werte unmittelbar zu einem Arzt geschickt. "Je früher Krankheiten erkannt werden, umso besser und wirkungsvoller können sie vom Arzt behandelt werden. Mit einer Aktion wie unserer können Menschenleben gerettet werden", sagt Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.

Durch Früherkennung können viele schwere Erkrankungen vermieden werden. "Aktive Gesundheitsvorsorge ist mir ein besonderes Anliegen, denn dadurch können persönliche Gesundheitsrisiken frühzeitig erkannt und Krankheiten rechtzeitig vermieden werden", sagt Maria Rauch-Kallat, Bundesministerin für Gesundheit und Frauen und Schirmherrin der Aktion. "Der schnelle Check in den Apotheken ist ein wichtiger Schritt, um Menschen jeden Alters für gesundheitliche Risikofaktoren und die regelmäßige Vorsorge zu sensibilisieren. Gerade "Zivilisationskrankheiten" wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen müssen rechtzeitig erkannt und behandelt werden, um eine dauerhafte Einschränkung der Lebensqualität zu verhindern."

100 Millionen Euro Einsparungen im Spitalsbereich

"10 Minuten für meine Gesundheit" hat auch einen gesundheitspolitischen und volkswirtschaftlichen Aspekt. "Man weiß nicht, wie krank dieses Land wirklich ist" so Kritz. Dank der umfangreichen Screening-Aktion lässt sich ableiten, von welchen Krankheiten und Risikowerten die österreichische Bevölkerung konkret geplagt wird. Das vorliegende Datenmaterial ist für das österreichische Gesundheitssystem von hohem Wert. Es gibt Aufschluss darüber, woran die Österreicher in den nächsten 20 bis 30 Jahren sterben werden, wofür die Krankenkassen gezielt ihr Geld ausgeben sollten und wo die Pharmawirtschaft ihre Forschungen ansetzen sollte. Würden pro Jahr 4 Millionen Menschen in Österreich ihre fünf Gesundheitswerte in der Apotheke überprüfen lassen, dann könnten durch die Früherkennung rund 1 Million Krankheiten vermieden werden. Dadurch könnten zumindest 1 Million Spitalstage eingespart werden. Allein im Spitalsbereich würde ein gezieltes Apothekenscreening 100 Millionen Euro einsparen.

Wie geht’s weiter mit "10 Minuten für meine Gesundheit"?

"Wir haben bereits vor fünf Jahren erfolgreich mit den Ärzten begonnen, diese Gesundheitswerte in den Apotheken zu messen. Das wollen wir auch in Zukunft tun", so Apothekerkammer-Präsident Burggasser. Aber eines ist klar. Die Apothekerschaft hat die Kosten der groß angelegten Screening-Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit" zur Gänze alleine getragen. Es wird in Zukunft nicht mehr möglich sein, dass wir zigtausende Kunden kostenlos untersuchen und das verwendete Material selbst bezahlen. "Für uns gibt es nur zwei Möglichkeiten:. Entweder bekommen die Apotheker diese qualitativ hochwertige Leistung vom Gesundheitssystem refundiert oder die Kunden müssen die Kosten für das Screening in Zukunft selbst tragen", so Burggasser.

Österreichs Apotheken auf einen Blick

In Österreich gibt es 1.200 öffentliche Apotheken. Über 4.800 Apotheker beraten die Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Insgesamt arbeiten in Österreichs Apotheken zirka 13.000 Personen, 90 Prozent davon sind Frauen. Mehr als die Hälfte der öffentlichen Apotheken befindet sich am Land und in Kleinstädten, womit die Apotheken eine wichtige Rolle als Gesundheits-Nahversorger erfüllen.

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