Hauptbücherei: Danile Odija mit "Sägewerk" zu Gast

Wien (OTS) - Wenn kommenden Mittwoch (29.11.) der noch junge Schriftsteller Daniel Odija aus seinem neuen Roman "Das Sägewerk" in einer Übersetzung von Martin Pollak lesen wird, besteht ein guter Anlass über die Realität Europas nachzudenken. Fern ab vom munteren Reden über das Europa der Zukunft lenkt Odijas "Sägewerk" die Aufmerksamkeit auf einen Landstrich dieses Europas, in welchem das fröhliche Reden über die Zukunft niemals stattgefunden hat. Positioniert in Nordpolen erzählt der Roman in trockener, präzise gehaltener Art vom hoffnungslosen Leben einer Landbevölkerung nach Wegfall ehemaliger kommunistischer Versorgungsrealitäten. Alkohol und Leere, Pornographie anstelle von Liebesbemühungen, Gewalt anstelle von Zuversicht: Die Geschichte, die Odija rund um den charakterlich verwerflich geschilderten Möchtegern-Unternehmer Jozef Mysliwiski und seiner längst apathisch gewordenen Frau Maria entwirft, erzählt ohne Abschweifungen die Realität einer längst raubtierähnlich gewordenen "Dorf"-Gemeinschaft nach, die im laufenden Modernisierungsprozess Polens gleichsam als Abschreibeposten dient. Im Zentrum steht der Sägewerk-Besitzer Mysliwiski, der nach Strich und Faden seine Umgebung für seine Interessen einsetzt, sie sich gefügig hält, bis zuletzt auch er "geschluckt" wird.

Für Martin Pollak, Schriftsteller und Übersetzer und ehemaliger Spiegel-Redakteur, steht Odija für eine neue, im Westen noch zu entdeckende jüngere polnische Schriftsteller-Generation - dazu zählen etwa noch Miroslav Nahacz oder Dorota Maslowska, - deren Nüchternheit und lakonischer Stil so manchem "West-Europäer" einige zähe PR-Flausen aus dem Kopf treiben könnte.

Ausgerufene "Mitteleuropa"-Kompetenz mit Inhalt füllen

Während die Hauptstadt Warschau einen ungeahnten wirtschaftlichen Boom erlebt, seine Innenstadt in die Höhe hin ausbaut und über eine aktuelle Arbeitslosigkeitsrate von "lächerlichen" 2 Prozent verfügt, leidet die Peripherie, die Landbevölkerung unter Abwanderung und schweren sozialen Verwerfungen:
Was Andrzej Stasiuk in seinem im Jahr 2000 ins Deutsche übersetzten Roman "Die Welt hinter Dukla" bzw. in seinen 2002 erschienenen "Galizische Geschichten" bereits angestimmt hat - handlungsarme Schilderungen in Verbindung mit beeindruckenden Natur-Schilderungen -findet sich in den neuen Erzählungen der jüngeren Schriftsteller im härteren Ton wieder. Ob diese literarischen "Warnhinweise" über europäische Wirklichkeiten auch im Westen, oder in Mitteleuropa entsprechend ankommen, darüber gibt sich Pollak im Gespräch mit der "rathaus korrespondenz" skeptisch. Insbesondere für Österreich notiert er kulturell eine zu große Zurückhaltung gegenüber dem "Osten". Während heimische Banken und Energieversorger in Osteuropa erfolgreich unterwegs sind, fällt Pollaks Befund im Literaturbereich deutlich skeptischer aus: Von der europaweit oftmals kommunizierten spezifisch österreichischen "Ost/Mitteleuropa-Kompetenz" würde sich in realiter viel wenig zu Buche schlagen. Insbesondere müssten die literarischen Bemühungen der Verlage, aber auch entsprechende kulturpolitische Impulse, zur Beförderung dieses "sprachübergreifenden" Gespräches hierzulande erhöht werden. Im Gegenzug verweist Pollak, der jüngst mit "Von Minsk nach Manhatten" (2006, Zsyolnay Verlag)) an die niveauvolle polnische Reportage-Kultur erinnert hat, auf die nachhaltigen Bemühungen etwa Berlins mit Einrichtung des "Literarischen Colloqium Berlin", welches konsequent seinen Radar in Richtung Osteuropa ausrichtet. Deren Reise, so Pollack, sei auch entsprechend schon weiter gediehen:
"Während wir über Polen reden, wird dort die weissrussische und ukrainische Schriftsteller-Generation bereits heftig umworben."

o Daniel Odija "Das Sägewerk" (Zsolnay Verlag, 2006) Moderation und Übersetzung: Martin Pollak Ort: Hauptbücherei (7., Urban-Loritz-Platz 2a) Termin: Mittwoch, der 29. November Beginn: 19.00 Uhr Der Eintritt ist frei.

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