"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: " Olympia-Touristen" (Von Peter NINDLER)

Ausgabe vom 24. November 2006

Innsbruck (OTS) - Salzburg ist im Begriff zum zweiten Mal nach
2003 Olympia zu vergeigen. Wer seine zentralen Hausaufgaben wie das Budget nicht sorgfältig vorbereitet, hat beim größten Wintersportereignis der Welt ohnehin nichts verloren: außer Dampfplaudern wird olympisch.

Ein halbes Jahr vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 eine Budgetdiskussion mit vielen Unbekannten vom Zaun zu brechen, ist grob fahrlässig. Natürlich werden die Salzburger ihre Bewerbung nicht zurückziehen, wird nächste Woche in der Mozartstadt wieder alles olympisch sein. Doch das Image Österreichs im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), das es seit den Vorfällen von Turin eigentlich aufzubauen gilt, dürfte erneut leiden. Die Salzburger Überheblichkeit wird lediglich von der Selbstherrlichkeit der Altvorderen im ÖOC übertroffen - von Präsident Leo Wallner und Generalsekretär Heinz Jungwirth.

Beide stehen Pate für die unprofessionelle Vorgangsweise der Salzburger Olympioniken. Der Geschäftsführer wechselte nach nur wenigen Monaten, dann das Millionen-Loch im Budget. Wie viel in neue Sportstätten investiert werden muss, daraus wird beinahe ein Staatsgeheimnis gemacht. Eigentlich hätte schon bei der nationalen Ausscheidung im Jänner 2005 alles klar sein müssen. Aber da ging es bekanntlich nicht um Konzepte, sondern einzig und allein darum, Innsbruck als Olympiabewerber zu verhindern.

Wallner und Co. haben ausgedient, müssten längst einer neuen Generation an der rot-weiß-roten Olympiaspitze Platz machen. Bleibt die Hoffnung, dass Österreich 2014 trotzdem das olympische Feuer entzünden kann. Denn die Chancen Salzburgs standen diesmal gut, sich gegenüber Sotschi (Russland) und Pyeongchang (Südkorea) durchzusetzen. Doch Turin bedeutete schon einen Dämpfer, Salzburger Dilettantismus ist jetzt nur noch ärgerlich.

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