Lungenkrebs - der verdrängte Krebs

Österreichs erste Selbsthilfegruppe für Lungenkrebs-PatientInnen gegründet - prominente Unterstützung durch Georg Danzer

Wien (OTS) - Bei einer Pressekonferenz am 23. November in Wien präsentierte das "Lungenkrebsforum Austria", Österreichs erste Selbsthilfegruppe für LungenkrebspatientInnnen, ihre Anliegen. Prominente Unterstützung erhielt das Forum dabei vom Autor und Komponisten Georg Danzer, der vor kurzem selbst mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert worden ist. Die ExpertInnen des medizinischen Boards des Lungenkrebsforum Austria informierten über die Möglichkeiten der modernen Diagnostik und Therapie.

Die Gefahr, an Lungenkrebs zu erkranken, wird unterschätzt und verdrängt

Dabei tritt Lungenkrebs ähnlich häufig auf wie Brustkrebs. Der Onkologe Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hilbe von der Medizinischen Universitätsklinik Innsbruck: "Weltweit erkranken jährlich eine Million Menschen an Lungenkrebs. 85 bis 90% der Erkrankten versterben an diesem Tumor. Damit ist Lungenkrebs die häufigste zum Tode führende Krebserkrankung bei Männern, bei Frauen liegt er an der dritten Stelle. In Österreich sind jährlich ca. 3.500 Menschen betroffen. Die Häufigkeit hat seit den 80er Jahren bei Männern um 30% abgenommen, bei Frauen jedoch um 20% zugenommen." Lungenkrebs ist weltweit weiter im Ansteigen begriffen, vor allem bei Frauen.

Die Vererbung spielt bei Lungenkrebs eine untergeordnete Rolle. 85% der Lungenkarzinome sind auf das Rauchen zurückzuführen, 3-5% auf Passivrauchen, 2-3% auf Luftschadstoffbelastungen.

Lungenkrebs wird in 70% der Fälle erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt

Dr. Andrea Mohn-Staudner, Oberärztin an der II. Internen Lungenabteilung, SMZ Baumgartner Höhe - Otto Wagner Spital in Wien:
"Lungenkrebs ist die einzige Krebserkrankung, bei welcher die Rate an Neuerkrankungen nahezu mit jener an Sterbefällen identisch ist. Wenn man alle Fälle zusammennimmt, wird mit den derzeitigen Behandlungsmethoden eine 5-Jahres-Überlebensrate von lediglich 15% erreicht. Die zumeist schlechte Prognose resultiert in erster Linie daraus, dass über zwei Drittel aller Fälle erst in einem lokal oder systemisch (d.h. mit Fernmetastasen) fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden."

Bei jenen Fällen, die in einem Frühstadium entdeckt werden, handelt es sich im Allgemeinen um Zufallsbefunde.

Die Gründe, warum Lungekrebs meist erst so spät entdeckt wird: ein über lange Zeit symptomloser Verlauf der Erkrankung und das Fehlen von effizienten Screening-Methoden zur Früherkennung.

Neue Therapien geben Hoffnung

Die Therapie des Bronchialkarzinoms hat in den letzten Jahren eine bedeutende Entwicklung erfahren. Heute steht eine Vielzahl von wirksamen Behandlungsoptionen zur Verfügung. Dadurch können Lebenserwartung und Lebensqualität deutlich verbessert werden.

Univ.-Prof. Dr. Robert Pirker, Programmdirektor und Leiter der Spezialambulanz Bronchialkarzinom, Universitätsklinik für Innere Medizin I, AKH Wien: "Durch die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte in Bezug auf die Chemotherapie können heute mehr Patienten geheilt werden und mehr Patienten leben länger und besser. Durch die neuen Therapien bzw. die Kombination verschiedener Therapien treten weniger tumorbedingte Symptome und weniger therapiebedingte Nebenwirkungen auf. Es muss deshalb auch sichergestellt werden, dass alle PatientInnen Zutritt zu diesen modernen Therapien haben. Dies ist auch eines der Ziele, zu dem die nun gegründete Selbsthilfegruppe z.B. durch Information beitragen möchte."

Die MedizinerInnen unisono: Um die Sterblichkeit an Lungenkrebs zu verringern, gibt es im Wesentlichen folgende Strategien:

1) Tabakprävention und Raucherentwöhnung 2) Definition von Risikogruppen zur Früherkennung 3) individuelle Therapieempfehlungen durch ein interdisziplinäres Team 4) Behandlungsstrategien basierend auf nationalen und internationalen Studien 5) breite Umsetzung der Behandlungsmöglichkeiten Das Lungenkrebsforum Austria - Österreichs erste Selbsthilfegruppe für LungenkrebspatientInnen

In ganz Europa gibt es nur vereinzelt Selbsthilfegruppen für Lungenkrebs-PatientInnen. Die meist relativ kurze verbleibende Lebensspanne und der oft stark beeinträchtigte Allgemeinzustand der PatientInnen sowie das häufige Bestehen von Begleiterkrankungen dürften die Gründe dafür sein, dass der Aufbau einer Lungenkrebs-Selbsthilfegruppe nur schwer möglich ist.

Der Schuldirektor Franz Buchberger, dem im Mai 2002 die Diagnose Lungenkrebs gestellt wurde, gilt heute als geheilt. Seine Erfahrungen und sein Wunsch nach Austausch mit Leidensgenossen während der Krankheit, veranlassten ihn dazu, das Lungenkrebsforum Austria zu gründen. Im September 2006 wurde der gemeinnützige Verein gegründet und nun im Rahmen der Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Buchberger: "Wir wollen für Betroffene und ihre Angehörigen da sein, wann immer sie Rat oder Hilfe brauchen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie hilfreich Gespräche und Erfahrungsaustausch sein können. Unsere geplanten regelmäßigen Treffen sollen dazu dienen, uns auszutauschen, Probleme zu besprechen oder gemeinsam etwas zu unternehmen. Nur so können wir uns gegenseitig helfen. Gemeinsam sind wir stark! Gemeinsam können wir die täglichen Probleme leichter bewältigen! Gemeinsam können wir unser Leben - trotz Krankheit -besser und schöner gestalten!"

Das "Lungenkrebsforum Austria" plant auch laufend Vorträge und Seminare von ExpertInnen, bei denen Betroffene und Angehörige ausführliche Informationen zu neuen medizinischen Entwicklungen und anderen wichtigen Themen erhalten. Auch schriftliche Informationen sind geplant, z.B. in Form von Broschüren sowie auf der Homepage www.lungenkrebsforum-austria.at

Buchberger: "Wir sehen eine wesentliche Aufgabe unserer Selbsthilfegruppe auch darin, die Interessen aller Betroffenen zu vertreten! Wir pflegen den Kontakt zu ÄrztInnen und ExpertInnen anderer Bereiche, aber auch zu relevanten öffentlichen Stellen. Wir bemühen uns um ein besseres allgemeines Verständnis für unsere Situation als schwerkranke PatientInnen."

Die Nicht-Raucherin Gabriele Bittner lebt seit März 2005 mit der Diagnose Lungenkrebs. Sie ist Gründungsmitglied des "Lungenkrebsforum Austria": "In der ganzen Zeit, von der Erstellung der Diagnose bis heute, hatte und habe ich Angst, verlor aber nie meinen Humor und meine Zuversicht und lebe trotzdem ein sehr schönes Leben. Das Leben hat sich ein wenig geändert, es wurde etwas langsamer, intensiver und es haben sich die Wertigkeiten verschoben. Ich habe mir vom Krebs mein Lachen nicht nehmen lassen und genieße mein derzeitiges Leben in vollen Zügen, denn das Leben ist doch schön. Da es mir zur Zeit sehr gut geht, ist es mir ein Anliegen, Menschen in einer ähnlichen Situation, denen es nicht so gut geht, Mut zu machen und zu helfen."

Georg Danzer, der vor kurzem mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert wurde, unterstützt die Selbsthilfegruppe: "Wenn man eine Erkrankung hat, die ohnehin schon mit einer Stigmatisierung einhergeht, wie das bei Lungenkrebs zum Teil der Fall ist, merkt man sehr deutlich, wie einsam man sein kann. Ich bin als Künstler eher zum Einzelgänger prädestiniert, aber im Falle meiner Erkrankung bin ich doch froh, mich mit anderen Betroffenen austauschen zu können.

Dieser Umstand und auch der Wunsch, Lungenkrebs als Krankheit zu enttabuisieren, haben mich dazu veranlasst, mich der Selbsthilfegruppe anzuschließen."

Das erste Treffen der Selbsthilfegruppe Lungenkrebsforum Austria findet am 27. November um 17.00 Uhr in der Cantina e l’arte, Dr.-Karl-Lueger-Ring 14, 1010 Wien, statt.

Anmeldung und Information unter: 0680/211 35 38, info@lungenkrebsforum-austria.at

Texte der Pressemappe (doc), Präsentationen (ppt) sowie Biografien und Fotos der ReferentInnen (doc) zum Download unter www.lungenkrebsforum-austria.at
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