VIRUS: Bescheide für Lobau-Bohrungen überarbeitungsbedürftig

Wien (OTS) - Dringenden Handlungsbedarf sieht die
Umweltorganisation VIRUS bei den Genehmigungen für die Probebohrungen im Nationalpark für "Lobauautobahn". "Den Bescheiden fehlt die Realitätsnähe, eine Überarbeitung ist dringend erforderlich. Wir fordern die zuständige Stadträtin Sima auf, entsprechende Schritte zu setzen" so Wolfgang Rehm, Sprecher der Organisation.

Wesentlicher Kritikpunkt von VIRUS ist die Dauer der Bohrungen. Hier klaffen Theorie und Praxis deutlich auseinander. So geht das dem Naturschutzbescheid der MA22 zugrundeliegende Gutachten davon aus, dass die Bohrgeräte pro Bohrloch 6 bis höchstens 7 Tage zum Einsatz kommen. Wie die außerhalb des Nationalparks bereits durchgeführten Bohrungen zeigen, kann aber de facto die Bohrdauer mehr als 4 Wochen betragen. Nachdem die Abschätzung der Eingriffsintensität auf diesen Annahmen basiert, ist eine Neubewertung erforderlich. Auch die angegebenen Tageszeiten stimmen nicht. Wolfgang Rehm ironisch: "Wenn die MA 22 Schwierigkeiten hat, Sonnenauf- bzw. -untergang richtig zu ermitteln, so soll sie zur Unterstützung Astronomen beiziehen. Der Lärmschutzgutachter führt aus, dass die sensiblere Abend und Nachtzeit vermieden wird. Wenn aber Arbeiten bis 19:00 Uhr genehmigt sind obwohl es bereits im November zwei Stunden vorher dunkel wird, dann ist das eine Pflanzerei." Rehm weiter: "Nicht nur die Tageszeit, auch die jahreszeitliche Beschränkung liegt daneben. Es ist davon auszugehen dass die Amphibienwanderungen bei vielen Arten schon im März oder sogar Ende Februar beginnen".

Auch beim Wasserechtsbescheid sieht VIRUS Nachbesserungsbedarf. Hier hat die MA58 die Auflage erteilt, dass die Bohrungen so vorzunehmen sind "dass eine Abdichtung zwischen dem quartären Grundwasserkorizont und darunterliegenden Horizonten garantiert werden kann". Angaben, in welcher Form dies überprüft wird, fehlen. "In der Praxis erfolgen Abdichtversuche am Ende der Bohrungen, was durch die verlängerte Bohrdauer dazu führt, dass diese Trennung eben nicht garantiert wird", so Rehm. Handlungsanweisungen für den Fall, dass im Bereich der nicht genau abgrenzbaren Ölaltlast ein Bohrgerät tatsächlich auf ölkontaminierte Grundwässer stösst, würden in den Auflagen ebenfalls fehlen.

Die Genehmigungen gehen davon aus, dass mit vier Bohrgeräten gleichzeitig gearbeitet wird. "Daraus ergibt sich für eine vorsichtige Abschätzung eine Gesamt-Bohrdauer von 18 Wochen, das heisst die Arbeiten müssten jetzt bereits beginnen, um eine rechtzeitige Fertigstellung zu gewährleisten. Die ASFINAG braucht daher nicht so zu tun, als könnte sie sich ewig Zeit lassen, in Wahrheit beginnt sie ihr bereits davonzulaufen," rechnet Rehm vor. VIRUS fordert über eine Revision der Bescheide hinaus die Stadt Wien und die ASFINAG auf, Farbe zu bekennen, das bereits begonnene Abrücken vom Projekt einer Lobauquerung konsequenter fortzusetzen und damit den Weg für eine Wende in der Verkehrspolitik freizumachen.

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Wolfgang Rehm
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