Neue Studie: Immer mehr österreichische Jugendliche fühlen sich nicht gesund

8. Österreichische Präventionstagung zum Thema "Gesunde Jugend, gesundes Altern"

Wien (OTS) - Erste, bisher unveröffentlichte Ergebnisse einer großen internationalen Studie zeigen, dass österreichische Jugendliche ihren Gesundheitszustand zunehmend als schlechter beurteilen. Bei der Tagung "Gesunde Jugend, gesundes Altern" des Fonds Gesundes Österreich in Wien wurde anhand von Modellprojekten gezeigt, wie dieser Entwicklung entgegengesteuert werden kann. Gleichzeitig kritisierten Fachleute, dass es insgesamt noch zu wenig derartige umfassende Initiativen gebe.

"Der Gesundheitszustand der österreichischen Jugendlichen hat sich laut ersten Ergebnissen der internationalen HBSC-Studie seit 1990 langsam, aber stetig verschlechtert", sagte Dr. Wolfgang Dür vom Wiener Ludwig Boltzmann-Institut für Medizin- und Gesundheitssoziologie bei der 8. Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich in Wien. Konkret sei der Prozentsatz der 15-jährigen, die ihre Gesundheit subjektiv auf einer 5-stufigen Skala als "ausgezeichnet" bezeichnen, von 43 Prozent im Jahr 1990 auf 30 Prozent im Jahr 2006 abgesunken, so der Medizinsoziologe.

Außerdem zeige die aktuelle HBSC-Studie auch, dass psychische Beeinträchtigungen bei den österreichischen Jugendlichen weiter zunähmen. Rund ein Drittel der Jugendlichen gebe an, regelmäßig an Kopfschmerzen, Gereiztheit, Nervosität, Schlafstörungen und Müdigkeit oder Erschöpfung zu leiden, sagte Dr. Dür, der die österreichischen Erhebungen der internationalen HBSC-Studie (Health Behaviour of School Children) leitet. Diese Forschungsarbeit wird seit 1990 in Vierjahresabständen in fast allen europäischen Ländern sowie in den USA und Kanada durchgeführt und von der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgewertet. Die Endergebnisse der vom Gesundheitsministerium finanzierten Erhebungen in Österreich, für die heuer rund 4.500 Jugendliche zwischen elf und 15 Jahren befragt wurden, werden 2007 vorliegen.

Weniger jugendliche Raucher - aber auch zu wenig umfassende Projekte

Bei der Tagung in Wien wurde auch ein erstes positives Detailergebnis det Studie präsentierte: Der Prozentsatz der 15-Jährigen, die täglich rauchen, ist laut aktuellen Erkenntnissen erstmals seit 1990 rückläufig und zwar bei den Mädchen deutlich und bei den Burschen zumindest geringfügig. "Dass das darf aber nicht davon ablenken, dass in Zukunft noch viel für eine umfassende Gesundheitsförderung für Jugendliche getan werden muss.", betonte Mag. Christoph Hörhan, Leiter des Fonds Gesundes Österreich. Es gebe zwar schon etliche Einzelmaßnahmen, etwa für gesündere Ernährung oder Bewegungsaktivitäten, aber noch viel zu wenige Gesamtkonzepte: "Es geht darum, im schulischen ebenso wie im außerschulischen Bereich gesundheitsförderliche Initiativen zu setzen, die die soziale Kompetenz der Jugendlichen erhöhen. Am besten wirken Projekte bei denen Teenager von Beginn an aktiv mitgestalten können." ergänzt Mag. Hörhan.

Keine Lobby für Jugendliche

"Den Jugendlichen fehlt es oft an einer Lobby, die sich für ihre Belange einsetzt. Gesunde Lebenswelten und Lebensweisen für diese Zielgruppe zu schaffen, aber ebenso auch maßgeschneiderte Strategien für ältere Menschen umzusetzen, ist deshalb ein für die Gesundheitsförderung wichtiges Anliegen", betonte Mag. Christoph Hörhan, Bereichsleiter für den Fonds Gesundes Österreich bei der Gesundheit Österreich GmbH während der 8. Präventionstagung in Wien, die sich dem Thema "Gesunde Jugend, gesundes Altern" widmet.

Gesunde Landjugend

Wie die Gesundheit von Jugendlichen in der Praxis in einer umfassenden Form gefördert werden kann, zeigten die operative Projektleiterin Mag. Eva Deutsch von der steirischen Gesundheitsförderungsinstitution Styria vitalis und der Projektevaluator, der Gesundheitssoziologe und Organisationsentwickler Dr. Christian Scharinger, anhand von Beispielen aus der Initiative "Jugendgesundheitsförderung auf dem Lande". Dieses vom Fonds Gesundes Österreich initiierte und finanzierte Modellprojekt wurde von Jänner 2003 bis Dezember 2005 durchgeführt. Die Trägervereine waren Styria vitalis und die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus.

52 Einzelprojekte

Im Rahmen des Modellprojektes wurden 52 einzelne Jugendprojekte finanziell und ideell gefördert: Von gemeinsamen Freizeitaktivitäten bis zur inhaltlichen Planung eines Jugendtreffs, von kulturellen bis zu sportlichen und gemeinschaftsorientierten Aktivitäten. Den Erfolg des Projektes belegte die abschließende Evaluation, also die wissenschaftliche Bewertung der während des Projektzeitraums bei den Jugendlichen erzielten Veränderungen. Dafür wurden im Oktober 2003 und im Oktober 2005 rund 500 Jugendliche in den beteiligten Modellgemeinden befragt.

"Während des Projekts konnten nicht nur die Lebensqualität und Lebenszufriedenheit der Jugendlichen signifikant erhöht, sondern auch körperliche Beschwerden gesenkt werden. Ebenso haben die Maßnahmen das Selbstvertrauen und den Zukunftsoptimismus der Jugendlichen gestärkt, was wesentlich auf die Gesundheitsentwicklung von jungen Menschen Einfluss nimmt", betonte Dr. Scharinger. Im Detail konnte beispielsweise die Lebenszufriedenheit der Jugendlichen in den Projektgemeinden erhöht werden. Verbesserungen gab es auch im Bezug auf das Gefühl der Jugendlichen, in Entscheidungen in ihrer Gemeinde miteinbezogen zu werden und mitgestalten zu können. 2003 gaben nur 36 Prozent an, an der Festlegung von Regeln in der Gemeinde beteiligt zu sein, 2005 waren es bereits 46 Prozent.

Selbstsicherheit stärken und Konflikte bearbeiten

"Gehsteig", ein weiteres Modellprojekt des Fonds Gesundes Österreich mit Klagenfurter Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren, das im Oktober 2002 begonnen wurde, wurde von der Projektleiterin Dr. Susanna Mills von pro mente Jugend und dem Evaluator Dr. Ralph Reimann vorgestellt. Während dieser Initiative wurden insgesamt 24 jeweils ein halbes Jahr dauernde Workshops durchgeführt. Deren Inhalte waren unter anderem Selbstsicherheit, Konfliktbearbeitung, Umgang mit Risikoverhalten, Liebe und Sexualität sowie Gewalt.

"Party Time" ohne Alkohol

In den von erfahrenen Pädagogen und Psychologen geleiteten Workshops wurde auf originelle Zugänge und Methoden gesetzt. So wurde etwa in dem Arbeitskreis "It’s Party Time" gemeinsam mit den Teenagern erarbeitet, wie Feste ohne Alkohol gestaltete werden können - zum Beispiel in Form einer Fackelwanderung, als Grill- oder Spieleabend.

Im Rahmen von "Gehsteig" ergriffen die Jugendlichen aber auch selbst die Initiative für eine Reihe von sozialen Projekten und gestalteten etwa einen Theater- und Unterhaltungsnachmittag für Kinder im Krankenhaus oder buken Kekse für die BewohnerInnen eines Altersheims. Außerdem gaben "Gehsteig"-Teilnehmer/innen ihr gesammeltes Wissen auch in verschiedenen so genannten "Peer-to-Peer-Initiativen" an andere Jugendliche weiter und konnten so selbst Beratungskompetenz entwickeln und erproben. Nicht zuletzt wurde im Rahmen des Projekts auch eine eigene Radiosendung gestaltet.

Ein Leben lang gesund bleiben

Dr. Ralph Reimann vom Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie & Evaluation an der Universität Wien hob bei der 8. Präventionstagung ebenfalls die Bedeutung, die Maßnahmen für Jugendliche für die Gesundheitsförderung insgesamt hätten, hervor. "Das Jugendalter ist besonders wichtig für die Gesundheitsförderung, da hier entscheidende Grundlagen für das Wohlbefinden im Erwachsenenalter gelegt werden können. Programme, die sich zum Ziel gesetzt haben, die bereits vorhandenen gesundheitlichen Ressourcen von Jugendlichen zu stärken, verfolgen diese zentrale Idee", so Dr. Reimann.

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