Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen: Offener Brief an Gusenbauer

ÖH: "Rot-Schwarzer Kompromiss keine Alternative zur ersatzlosen Abschaffung der Gebühren"

Wien (OTS) - Nach der Wiederaufnahme der Verhandlungen schickt die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) Verhandlungsführer Alfred Gusenbauer folgenden offenen Brief, um ihn an seine Wahlversprechen zu erinnern. Der Brief wird außerdem auf www.oeh.ac.at veröffentlicht, wo Studierende die Möglichkeit haben, den Brief virtuell zu unterschreiben und per Mail an SP-Chef Gusenbauer zu schicken.
Der Brief im Wortlaut:

Werter Dr. Gusenbauer,
es ist schon eine Weile her, dass die Wahlen geschlagen wurden und die Themen des Wahlkampfs sind in Verhandlungstaktierereien untergegangen.
Sie haben nicht nur in diesem Wahlkampf mehrmals beteuert, dass sie Studiengebühren abschaffen wollen. Leider haben sie seit ihrem Wahlsieg am 1. Oktober kein Wort mehr darüber verloren, im Gegenteil:
Sie haben ihr Wahlkampfversprechen unter dem Motto "Alles ist verhandelbar" in den Koalitionsverhandlungen aufgeweicht. Wie auch immer die nächste Regierung aussehen wird, eines muss feststehen:
Studiengebühren müssen ersatzlos abgeschafft werden.

Sie selbst sind - das wissen sie besser als wir - das beste Beispiel dafür. Ohne die Öffnung der Universitäten durch Hertha Firnberg Mitte der 70er Jahre wäre Alfred Gusenbauer jetzt nicht Doktor der Philosophie, sondern Arbeiter in Ybbs.
Trotzdem scheinen die Argumente gegen Studiengebühren und die Wichtigkeit der Universitätspolitik im Allgemeinen innerhalb der SPÖ unter den Verhandlungstisch zu fallen. Es hat uns verwundert, dass in den über die Medien kolportierten MinisterInnenlisten keinE ExpertIn für Fragen der Hochschulpolitik aufscheint. Erschwerend hinzu kommt, dass die ÖVP in ihr Bildungsverhandlungsteam nicht gerade die veränderungsfreudigsten Menschen gesetzt hat. Diese Anzeichen lassen uns befürchten, dass die SPÖ zu Gunsten des Koalitionsfriedens von ihrem Wahlversprechen abrückt.
Die Beibehaltung der Studiengebühren für ausländische Studierende etwa, eine Beibehaltung der Studiengebühren "abgefedert" durch eine leichte Erhöhung des Stipendiums oder ein ähnlicher rot-schwarze Kompromiss würde dem Wahlversprechen nicht gerecht werden und stellt keine Alternative zur Abschaffung der Studiengebühren dar.

Obwohl Studiengebühren seit mittlerweile elf Semestern eingehoben werden, gibt es noch immer keinen Grund, der für Studiengebühren spricht. Gleich nach Einführung der Studiengebühren mussten fast 50.000 Menschen ihr Studium abbrechen. Erst mit diesem Semester nähert sich die Studierendenzahl wieder an das Niveau von 2000 an. Studiengebühren in Kombination mit einem schlecht greifenden Stipendienwesen haben in den letzten sechs Jahren zu einem enormen Anstieg von werktätigen Studierenden geführt. Es gibt fast niemanden mehr, der neben dem Studium nicht arbeiten muss. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Wer viel arbeitet, kann weniger studieren, verliert die Beihilfen, zahlt länger Studiengebühren, braucht mehr Geld, muss mehr arbeiten. Nicht zuletzt deshalb entsteht die, von der OECD Studie "Education at a Glance 2006" zurecht kritisierten, enorme Drop-Out-Quote von 35%.
Es liegt auf der Hand, dass Studiengebühren nicht das einzige Problem der Universitätslandschaft ist. Gleichzeitig ist die Abschaffung der Studiengebühren nicht nur eine enorme Erleichterung für uns Studierende, sondern auch ein Zeichen an alle universitären Gruppen für einen positiven Neuanfang.

Von Seiten der Studierenden können wir ihnen volle Unterstützung bei der Abschaffung der Studiengebühren anbieten und hoffen, dass sie so schnell wie möglich im Parlament die Initiativen zur Erfüllung ihrer Wahlversprechen setzen.

mit freundlichen Grüßen

Barbara Blaha e.h.
Lina Anna Spielbauer e.h.
(ÖH Vorsitzteam)

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH)
Yussi Pick, Presse
Tel.: 01/310-88-80/59, Mobil: 0676 888 52 211
yussi.pick@oeh.ac.at
http://www.oeh.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NHO0001