"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wenn Kinder zu Spielbällen der Erwachsenen werden" (Von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 20.11.2006

Graz (OTS) - Den Sonntagsreden über Kinderrechte am heutigen Welttag der Kinderrechte sollten Taten folgen". Ein Aufruf, der sich jedes Jahr auch in Österreich am 20. November wiederholt. Trotz Wiederholung ist bis heute nicht einmal die UN-Kinderrechtskonvention des Jahres 1989, die 1992 von Österreich ratifiziert wurde, in der Verfassung verankert.

Warum sie bis heute nicht verankert ist? Weil es in Österreich hervorragend geht im Vergleich zu Ländern wie Indien, wo allein 44 Millionen Kinder gezwungen sind zu arbeiten, oder afrikanischen Ländern, in denen alle fünf Sekunden ein Kind an den Folgen der Unterernährung stirbt? Oder weil in Österreich jedes Kind eine Schule besucht? Gründe, warum die Konvention mit dem Recht auf Schulbildung, dem Recht auf Schutz vor Ausbeutung und Gewalt keine Priorität genießt, können all diese Vergleiche nicht sein.

Denn auch in Österreich wird das Recht von Kindern auf Schutz vor Gewalt mit Füßen getreten. Österreich hat zwar den Grundsatz zur gewaltfreien Erziehung festgeschrieben und die "g'sunde Watschn" verboten. Es geht aber nicht nur um die Ächtung der ungesunden Watschen oder um jene dramatischen Formen von Gewalt gegen Kinder, die sich in den Schlagzeilen wiederfinden. Die UN-Konvention spricht von "jeglicher Form" von Gewalt, somit auch von jener, denen Kinder auch in Österreich tagtäglich ausgesetzt sind. Eine Gewalt, die keine blauen Flecken hinterlässt. Dazu zählt die "Isolationsfolter", wie Kinderpsychiater die emotionale Gewalt in Familien nennen, wenn Kinder bei schlechtem Schulerfolg oder anderen Problemen Zärtlichkeit und Kommunikation verweigern. Eine Form von Gewalt, die selbst von Eltern oft nicht als solche erkannt wird.

Die Bewusstseinsbildung hinter welchen Erziehungsmethoden Gewalt - ob emotionale, soziale, intellektuelle - versteckt ist, befindet sich auch in Österreich noch immer in den Kinderschuhen. Immer noch werden Kinder zu oft als Objekte gesehen und nicht als Subjekt mit eigenen Rechtsansprüchen. Kinder sind, klagt der Kinderpsychiater Max Friedrich, immer noch zu oft Spielbälle der Mächtigen, der Erwachsenen.

Zweifelsohne wird eine Verankerung der Kinderrechtskonvention in der Verfassung nicht schlagartig Bewusstsein und Verhalten verändern. Aber es spricht Bände über unsere Einstellung zum Recht der Kinder auf ihr Recht, dass eine Verankerung dieser Rechte seit 14 Jahren in der politisch-öffentlichen Diskussion kein Thema ist. ****

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