IV fordert und fördert Dialog von Kirchen und Wirtschaft

Wirtschaft und Kirchen als wesentliche Gestalter der gesellschaftlichen Zukunft - Diskussion zum Thema "Gewinn und Gerechtigkeit"

Wien (OTS) - Wien (PdI) - "Wir haben eine gut funktionierende Wirtschaft und eine weitgehend solidarische Gesellschaft. Für den Erhalt und den Ausbau dieser Balance braucht es die Kooperation aller relevanten Kräfte", betont der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) Mag. Markus Beyrer. Kirchen und Wirtschaft seien solche Zukunftskräfte, den Dialog zwischen ihnen gelte es zu vertiefen. Die IV sei gerne bereit, in diesen Zukunftsdialog einzutreten. "Herausforderungen und Themen gibt es reichlich, Europa ist ein wichtiges, ebenso Migration und Integration aber auch der weite Komplex von Bildung" so Beyrer.

Zu den Themen Grundsicherung und Grundeinkommen bekräftigte Beyrer, dass das gesellschaftliche und soziale System in Österreich grundsätzlich gut funktioniere, es jedoch gelte "Schritt für Schritt die sozialen Lücken zu schließen." Das Modell des Grundeinkommens sei für die IV nicht vorstellbar, weil es Transferleistungen von der Arbeitsleistung abkopple. Auch sei ein solch grundlegender Paradigmenwechsel nicht notwendig. Eine Weiterentwicklung und Vereinheitlichung des jetzigen Systems könne sich die IV gut vorstellen. Auch die Prinzipien einer manchmal geforderten Grundsicherung existierten bereits.

Beyrer betonte die Wichtigkeit von sozialer Kompetenz in Unternehmen und die hohe ethische Verantwortung, die Führungskräften zukommt. "Die österreichische Industrie steht zur Vision der Nachhaltigen Entwicklung und legt Wert auf die Balance von Ökonomie, Ökologie und Sozialem", so der IV-Generalsekretär. Dabei hat sich das europäische Konzept der Sozialen Marktwirtschaft als das geeignetste Modell erwiesen. "Es geht darum, erfolgreich zu wirtschaften und dabei die gesellschaftlichen Interessen nicht aus den Augen zu verlieren." Von den Kirchen erwartet sich die Industrie in diesem Zusammenhang einen weiteren Blick. "Die soziale Dimension ist wichtig, aber es geht nicht nur um sie. Auch Christen dürfen rechnen."

Die Katholische Sozialakademie Österreichs (KSÖ) vertritt seit 20 Jahren das "Modell des bedingungslosen Grundeinkommens", das sie aber, so Dr. Markus Schlagnitweit, Direktor der KSÖ, "in erster Linie als politische Richtungsforderung für eine konkrete realpolitische Umsetzung verstanden haben will."

Konstruktive Kritik sei ein Wesenskern von Christen, argumentierte Schlagnitweit, gerade im Blick auf die gesellschaftliche Zukunft gehe es um die Frage "Ist das was ist, schon das was sein soll?" Er betont, dass auch seitens der Kirche die Notwendigkeit bestehe, sich vermehrt mit Vertretern der Wirtschaft an einen Tisch zu setzen, sieht aber als Grundbedingung für Dialog "nicht dem anderen seine Meinung aufdrücken zu wollen, sondern seine Seite verstehen zu versuchen."

Veit Schmid-Schmidsfelden, Geschäftsführer der Rupert Fertinger GmbH und Vorsitzender des Unternehmer-Think-Tanks "Höldrichsmühle", sieht die Frage der Teilzeitjobs in der Diskussion um Sozialpolitik und Grundeinkommen schwer zu lösen: "Wie stellt man sicher, dass jemand, der 20 Stunden arbeitet und dafür 800 Euro verdient, nicht darauf verzichtet und die Grundsicherung wählt?" Für Schmid-Schmidsfelden ist es wesentlich, dass die Wirtschaft den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Den Menschen aus der Wirtschaft herauszunehmen sei jedoch eine große Gefahr, da dieser schnell den Anschluss an die Gesellschaft verlieren würde. Handlungsbedarf sieht der Unternehmer in der Frage, "wie der quartäre Sektor, jene Arbeit, die nicht Erwerbstätigkeit ist, in Österreich bewertet wird".

Univ.-Prof. Dr. Ingeborg Gerda Gabriel, Professorin an der Katholisch Theologischen Fakultät der Universität Wien ortet in Österreich viel Zufriedenheit und hohes Lebensniveau, konstatiert aber eine zunehmende Armut an den Rändern. "Diese Tendenz gilt international noch viel stärker. Die Reichen gewinnen, der Mittelstand teilweise, die Armen verlieren. Was es zur Lösung braucht, ist eine globale Soziale Marktwirtschaft." Die Kirche hat für die Sozialethikerin drei Funktionen: Werte stärken, zu gesellschaftlichem Engagement anregen, aber auch kritisch sein.

Im Rahmen der Veranstaltung am vergangenen Freitag wurden zum fünften Mal die "Preise für die Förderung des Dialogs von Wirtschaft, Ethik und Religion" verliehen. Der "WER-Preis" ist eine Initiative der Industriellenvereinigung und wird in Kooperation mit der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz vergeben. Er fördert wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Verhältnis der Wirtschaft zu Ethik, Theologie, Religion oder Kirchen befassen. Der Preis ist eng mit der Person von Pater Johannes Schasching SJ und seiner Forderung verbunden, "sachgerecht, menschengerecht und gesellschaftsgerecht zu wirtschaften".

Die Preisträgerinnen und Preisträger und ihre Arbeiten:
Wilhelm Guggenberger "Die List der Dinge"
Daniela Theresia Huemer "Führung und Ethik in Organisationen" Wolfgang Zarl "Devisentransaktionssteuer"
Endre Bárdossy "Agonistik in der Wirtschaft"
Michael Litschka "The Stakeholder - Human Capital"

Rückfragen & Kontakt:

IV-Newsroom, Mag. Christiane Böck
Tel.: (++43-1) 711 35-2306
Fax: (++43-1) 711 35-2313
c.böck@iv-net.at
http://www.iv-net.at/medien, www.wirtschaft-und-gesellschaft.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPI0001