Sparte Handel der Wirtschaftskammer NÖ präsentiert Ergebnisse der Kaufkraftstromanalyse 2006:

Niederösterreich gewinnt an Attraktivität!

St. Pölten (OTS) - Die Kaufkraftstromanalyse 2006 wurde im Auftrag der Sparte Handel NÖ mit finanzieller Unterstützung des Landes NÖ von der Firma CIMA durchgeführt. Sie analysiert die Bereiche Kaufkraft und Kaufkraftverflechtungen und die Struktur des Einzelhandelsangebotes. Die Studie basiert auf 16.000 Haushaltsinterviews und umfangreichen Vor-Ort-Erhebungen.

Bereits 1988 und 1997 wurden im Auftrag der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) Kaufkraftstromanalysen für Niederösterreich erstellt. Der Strukturwandel im NÖ Handel und nicht zuletzt die EU-Erweiterung haben eine Neufassung der Kaufkraftstromanalyse notwendig gemacht. "Der wirtschaftliche Motor erhöht ständig die Drehzahl", meint Sonja Zwazl, die Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, "und der Konsument mit seinen Einkaufsgewohnheiten ist der Antrieb für die strukturellen Veränderungen. Deshalb ist es so wichtig, die aktuellen Entwicklungen im Rahmen einer Studie zu durchleuchten."

"Die genaue Kenntnis des Kundenverhaltens und der Motive der Konsumenten für ihre Kaufentscheidungen sind für das Land eine wichtige Entscheidungsbasis für die gezielte Förderung des Handels", betont Wirtschaftslandesrat LH-Stv. Ernest Gabmann.

"Die vorliegende Untersuchung ist die bisher umfassendste Studie zum Thema "Einkaufen in Niederösterreich’", ist Spartenobmann KommR Ing. Josef Schirak stolz. Die Firma CIMA hat die Kaufkraftströme für Niederösterreich völlig neu berechnet und sie mit den Daten aus 1997 verglichen. Durch gleichzeitige Erhebungen in Tschechien und der Slowakei sowie die Durchführung der Kaufkraftstromanalyse in Wien bietet sich nun erstmals ein umfassendes Bild über die Kaufkraftströme in der ganzen Region.

Vier von fünf blau-gelben Euro bleiben im Land

Aktuell verfügt die ortsansässige Bevölkerung in Niederösterreich über ein einzelhandelsrelevantes Kaufkraftvolumen (die gesamte Kaufkraft aller Haushalte) in Höhe von 7,1 Milliarden Euro. 82 Prozent der heimischen Kaufkraft bleiben demnach im Land. Das bedeutet eine Steigerung um 7 Prozentpunkte im Vergleich zu 1997. "Von fünf blau-gelben Euro, die im Einzelhandel ausgegeben werden, bleiben vier in Niederösterreich", freut sich Präsidentin Zwazl.

Einer von fünf Euro wandert über die Landesgrenzen hinaus: 837 Millionen Euro nach Wien, 97 Millionen Euro nach Oberösterreich, mehr als 70 Millionen Euro nach Tschechien und Ungarn und 27 Millionen in die Slowakei.

Auch bei den Kaufkraft-Zuflüssen nach Niederösterreich spielt Wien die Hauptrolle. Rund Euro 1.120 Mio. fließen aus der Bundeshauptstadt überwiegend in die südlich und nördlich von Wien gelegenen Fachmarkt-und Einkaufszentren. Weitere bemerkenswerte Kaufkraft-Zuflüsse stammen aus Ungarn (151 Mio. Euro), dem Burgenland (95 Mio. Euro), der Slowakei (72 Mio. Euro), aus Oberösterreich (65 Mio. Euro) und aus Tschechien (46 Mio. Euro).

Einen positiven Saldo der Kaufkraftzu- und -abflüsse erreicht Niederösterreich demnach mit Wien (283 Mio. Euro), dem Burgenland (87 Mio. Euro), Ungarn (78 Mio. Euro), der Slowakei (45 Mio. Euro) und der Steiermark (9 Mio. Euro), einen negativen hingegen mit Tschechien (-26 Mio. Euro) und Oberösterreich (-32 Mio. Euro).

Was kaufen die Niederösterreicher ein?

Der tatsächliche Einzelhandelsumsatz (wirksame Kaufkraft ohne KFZ, Tabak- und Arzneiwaren) beträgt 7,7 Milliarden Euro für ganz Niederösterreich. 48 Prozent dieser Summe geben die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher für Güter des kurzfristigen Bedarfs wie Nahrungsmittel, Drogerie und Parfümeriewaren aus. 21 Prozent wandern für Bücher, Schreibwaren, Spielwaren, Bekleidung und Sportartikel über den Ladentisch. 31 Prozent werden in Güter des langfristigen Bedarfs wie Elektrogeräte, Schmuck, Uhren und Möbel investiert.

Vor allem die ländlich geprägten Bezirke weisen deutlich höhere Anteile der wirksamen Kaufkraft bei den Waren des täglichen Gebrauchs auf. Jeweils über 60 Prozent der Umsätze in den Bezirken Lilienfeld, Gänserndorf, Bruck/Leitha, Wien-Umgebung, Melk und Neunkirchen werden mit diesen Gütern erwirtschaftet.

Erstmals positiver Kaufkraftsaldo

Im Gegensatz dazu stehen jene Bezirke, in welchen größere Städte bzw. Einkaufs- und Fachmarktzentren situiert sind. Mehr als 35 Prozent Umsatzanteil sind in den Bezirken Amstetten, Krems, Wr. Neustadt, Mödling und Horn dem langfristigen Bedarfsbereich (Elektrogeräte, Schmuck, Uhren und Möbel) zuzuordnen, gewaltige 32 Prozent im Bezirk Mödling (insbesondere durch die SCS) dem mittelfristigen Bedarfsbereich (Bücher, Schreibwaren, Spielwaren, Bekleidung und Sportartikel).

Im Städte-Vergleich liegt Wr. Neustadt mit einer wirksamen Kaufkraft von rund 565 Mio. Euro knapp vor St. Pölten (545 Mio. Euro). Mit deutlichem Abstand folgen Amstetten (323 Mio. Euro) und Krems (316 Mio. Euro).

War der Wert für die landesweite Einzelhandelszentralität 1997 noch bei 95, so wird er in der aktuellen Studie mit 108 berechnet. Das bedeutet im Klartext: Erstmals übersteigen die Kaufkraftzuflüsse nach Niederösterreich die Kaufkraftabflüsse! "Unser Einzelhandel in Niederösterreich
macht demnach mehr Umsatz als die heimische Bevölkerung an Kaufkraft besitzt!", freut sich Sonja Zwazl.

Im gesamten Bundesland Niederösterreich gibt es aktuell rund 2,76 Millionen Quadratmeter Einzelhandelsverkaufsfläche, das ist eine Fläche von über 400 Fußballfeldern. Die regionale Verteilung des landesweiten Verkaufsflächenangebots variiert dabei stark: Die Region "Niederösterreich Süd" hat eine gesamte Einzelhandelsverkaufsfläche von über einer Million Quadratmetern. Mehr als ein Drittel davon entfallen auf die Einkaufszentren im Ballungsraum Vösendorf/Brunn. Mit rund 300.000 Quadratmetern die geringste Verkaufsflächenausstattung weist das Mostviertel auf.

Bringt Raumordnung Trendwende?

In vielen Innenstädten sei ein Anstieg bei den leerstehenden Geschäftslokalen, insbesondere in weniger attraktiven Lagen, zu beobachten, so Josef Schirak. "Der Trend geht in Richtung großflächiger Geschäftslokale. Das macht es immer schwieriger, die kleinflächigen Innenstadtlokale zu vermieten. Bereits 78 Prozent der gesamten Verkaufsfläche befinden sich außerhalb der Innenstädte in Streu- und Peripherielagen. Erst mit dem neuen Raumordnungsgesetz konnte dieser Trend gestoppt werden!", sieht Schirak Licht am Horizont.

Wirtschaftslandesrat LH-Stv. Ernest Gabmann: "Das Land Niederösterreich hat in Partnerschaft mit der WKNÖ eine Vielzahl von Maßnahmen und Initiativen gestartet, um eine kompakte Nahversorgung in Niederösterreich sicher zu stellen und den Handel in unseren Zentren bestmöglich zu unterstützen. Die gesetzten Maßnahmen zeigen Erfolge, trotzdem sind weitere Schritte unerlässlich. Derzeit wird intensiv an einer weiteren Optimierung der Nahversorgungsförderung gearbeitet."

Auf die Frage, was die Attraktivität der Fachmarkt- und Einkaufszentren ausmache, geben die befragten Konsumenten an, sie wegen der großen Angebotsvielfalt zu nutzen. Außerdem schätzen sie die ausreichende Parkplatzanzahl und das Veranstaltungsprogramm. Im niederösterreichischen Einzelhandel dominiert nach wie vor das "Fachgeschäft": 79 Prozent der Betriebe, also vier von fünf, sind diesem Betriebstyp zuzuordnen. Stark im Vormarsch befinden sich "Fachmärkte" und "Diskonter". Sie machen bereits 17 Prozent aller Geschäfte aus und belegen fast die Hälfte der Verkaufsfläche.

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Mag. Karl Ungersbäck
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