Stiglitz über "Chancen der Globalisierung"

Wirtschaftsnobelpreisträger präsentierte neuestes Buch - Für Stiglitz auch politische Globalisierung notwendig

Wien (SK) - "Wir müssen die durch die Globalisierung hervorgerufenen Probleme systematisch und nachhaltig lösen anstatt sie bis zur nächsten Krise aufzuschieben. Ich hoffe, mein Buch kann etwas dazu beitragen" - Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz präsentierte bei einer Veranstaltung des Renner-Instituts am Freitag sein neuestes Buch "Die Chancen der Globalisierung". Zentrale Themen des Werkes sind globaler Handel, Eigentum, natürliche Ressourcen und der Finanzmarkt. Es geht insbesondere um eine Perspektive für Dritte-Welt-Länder. Er sei oft kritisiert worden, zu optimistisch gegenüber Chancen einer Veränderung der Globalisierung zu sein, doch sieht Stiglitz zunehmende Eigeninitiative der Bürger, die Probleme konkret zu lösen. "Der Markt nutzt seine große Macht nicht, um sozial produktiv zu sein", kritisierte der Wirtschaftswissenschafter. So produziere die Marktwirtschaft zu viele Abgase und dafür zu wenig Medikamente für Arme. ****

Stiglitz betonte, dass er in seinem Buch Reformen dargelegt habe, welche Maßnahmen die Trennung zwischen Entwicklungs- und entwickelten Ländern reduzieren könnten. Bildung sei zum Beispiel solch ein trennendes Element, wohingegen der Besitz von Ressourcen keine Rolle spielen würde.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger nannte das Kyoto-Protokoll einen "Schritt vorwärts", um aber im gleichen Atemzug zu kritisieren, dass "75 Prozent der Emissionen, nämliche jene der USA und von Schwellenländern, nicht betroffen sind". Stiglitz machte sich in diesem Kontext auch für eine Besteuerung fossiler Brennstoffe stark:
"Es ist besser, Abgase als Arbeit zu besteuern".

Ein zentrales Problem der armen Länder, so Stiglitz, sei auch die Korruption. Er kritisierte die "Vereinfachung der Korruption durch geheime Bankkonten". Dies würde auch den Terrorismus erleichtern. "Viele Firmen arbeiten nicht transparent", beklagte er eine weitere Ursache für Schattenwirtschaft. "Für die G8 wäre es kein Problem, das zu ändern", machte Stiglitz deutlich, denn "auch wir können unseren Teil zur Reduktion der Korruption beitragen". Er setzte sich zudem für eine globale Reform der Finanzmärkte ein.

Was die Entwicklung der US-Wirtschaft betrifft, so ist Stiglitz "wegen der verfehlten Politik der letzten sieben Jahre" nicht sehr optimistisch. Der wachsende Konsum müsse mit zunehmender Produktion einhergehen.

Der Wirtschaftswissenschafter sieht dringenden Bedarf nach einer weltweiten Forschung zum Thema Globalisierung. Eines steht für ihn allerdings fest: "Es ist neben der wirtschaftlichen auch eine politische Globalisierung notwendig; die Entwicklungsländer müssen mehr integriert werden". (Schluss) re

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