Festakt im Parlament anlässlich des 60-jährigen Bestehens der UNESCO Prammer: UNESCO hat in vielen Bereichen Vorreiterrolle eingenommen

Wien (PK) - Unter dem Motto "60 Weeks of Celebration 60" feiert die UNESCO seit einem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen. Am 16. November 1945 von 37 Staaten ins Leben gerufen, trat die Verfassung der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation am 16. November 1946 in Kraft. Seither versucht die UNESCO durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur einen Beitrag zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit zu leisten.

In Österreich wurde das 60-jährige Bestehen der UNESCO, der mittlerweile 191 Staaten angehören, mit einem Festakt im Parlament gewürdigt, zu dem Nationalratspräsidentin Barbara Prammer eingeladen hatte. Prammer hob in ihren Begrüßungsworten den Beitrag der größten Unterorganisation der UNO zur Völkerverständigung hervor und betonte, die UNESCO stehe seit 60 Jahren im Dienste von Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die bisher geleistete Arbeit sieht sie als große Herausforderung für die Zukunft.

Die UNESCO habe, so Prammer, in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle eingenommen. Zudem habe sie von Anfang an die Zivilgesellschaft in ihre Arbeit eingebunden. Zum Teil seien die Aufgaben der UNESCO immer noch die gleichen wie vor 60 Jahren, sagte Prammer, etwa was die Bekämpfung des Analphabetismus und die Frage des Zugangs zu Wissen betrifft, wobei heute die Überwindung der "digitalen Kluft" eine besondere Rolle spiele. Was Österreich betrifft, bedauerte die Nationalratspräsidentin, dass die UNESCO-Konvention von 1960 gegen die Diskriminierung im Unterrichtswesen wegen eines Passus im Minderheiten-Schulgesetz für Kärnten noch immer nicht ratifiziert worden sei.

Johann Marte, Präsident der österreichischen UNESCO-Kommission, verwies auf das breite Aufgabenfeld der UNESCO, das, wie er auflistete, beispielsweise vom interkulturellen Dialog über die Erziehung zur Nachhaltigkeit bis hin zu den "Dauerbrennern" Frauenarmut und Menschenrechten reiche. Ein aktuelles Thema sei, so Marte, das Problem des "Digital Divide", also das drohende Entstehen einer Zweiklassengesellschaft zwischen jenen, die Zugang zur Informationsgesellschaft haben, und jenen, denen dieser Zugang fehle.

Generell unterstrich Marte, die UNESCO suche stets die Kooperation mit der Zivilgesellschaft, mittlerweile gebe es bereits 54 UNESCO-Schulen in Österreich. Kritisch merkte er an, vielleicht sei die Machtlosigkeit der UNESCO der Grund für ihre international gute Reputation.

Staatssekretär Hans Winkler wertete die Tätigkeit der UNESCO in den letzten 60 Jahren als Beweis dafür, dass es weltweit eine Bereitschaft für Dialog und Friedenssicherung gebe. Österreich sei der UNESCO einige Jahre vor der UNO beigetreten, skizzierte er, und seither ein "treues und aktives Mitglied". Auch in Bezug auf den Dialog der Kulturen habe Österreich eine lange Tradition.

Winkler bekräftigte, der Dialog zwischen den Völkern und Kulturen müsse ständig geführt und vertieft werden. Ohne gegenseitige Wertschätzung könne man im Kampf gegen Rassismus nicht bestehen und Konflikte nicht verhindern, sagte er, Toleranz allein sei zu wenig. Seiner Ansicht nach ist es in der Geschichte der UNESCO niemals wichtiger gewesen als heute, in all ihren Tätigkeitsbereichen Strategien zu entwickeln und umzusetzen.

Die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz unterstrich in ihrer Festansprache die grundsätzliche Bedeutung kultureller Vielfalt und illustrierte diese anhand des konkreten Beispiels der heimischen Balltradition. Würde das österreichische Ballwesen kommerziellen Verwertungsregelungen unterworfen werden, bekäme die "Trademark" Ball quasi ein Copyright, sodass Bälle nur noch im Lizenzwege und unter Beachtung allfälliger Zugangsbeschränkungen abgehalten werden könnten, wäre das Kulturgut Ball in seiner Substanz verändert. Das Format wäre fix, es gäbe keine Möglichkeit der Veränderung mehr, kein eigener, neuer Gedanke könnte mehr einfließen, keinerlei Kreativität hätte mehr Raum. Dergestalt festgeschrieben in eine vorgefertigte Form schlösse sich jede Entwicklung aus, was zu Leblosigkeit und Starre führte.

Dieses Beispiel zeige, dass Kulturgut nicht unter kaufmännischen Gesichtspunkten gesehen werden dürfe, sonst gebe es keine Kultur als solche mehr, denn Kultur, die unter die Globalisierung falle, höre auf, Kultur zu sein. Daher müsse den Plänen, Kultur in das allgemeine Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen integrieren zu wollen, eine deutliche Absage erteilt werden. Erst, wenn Kultur geschützt sei, werde sie auch lebbar. Streeruwitz votierte daher für eine adäquate Unterstützung von Literatur und Kunst, denn diese sei unabdingbar für eine Weiterentwicklung. Dies gelte insbesondere für die Kulturschaffenden, denn jemand, der aus ökonomischen Gründen nur zeitweise Kunst schaffen könne, könne nicht all seine Talente entfalten. Streeruwitz würdigte das Engagement der UNESCO zum Schutz und zur Förderung der kulturellen Vielfalt und hielt fest, dass allen Kulturen die gleiche Achtung und Würde zustehe.

Heribert Steinbauer, Verleger und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit, würdigte seinerseits die Erfolge der UNESCO und äußerte dabei vor allem seinen besonderen Respekt gegenüber den Gründern der Organisation, die in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts gegen die damals herrschende Welt von Rassismus und Krieg eine Gegenwelt aus Frieden und Toleranz konstruiert hatten. Der UNESCO sei es in den 60 Jahren ihrer Geschichte auch gelungen, einen Weg der Vielfalt zu gehen und sich damit gegen die Verfechter einer globalen Einheitskultur durchzusetzen, hob Steinbauer anerkennend hervor.

Als zentrale Aufgabe hinter der ursprünglichen Aufgabe der UNESCO sieht Steinbauer die unbedingte Notwendigkeit, sich die Wirklichkeit, so wie sie sich in den armen Ländern der Welt darstellt, in den Kopf, in die Augen und ins Gespür zu holen. Bei den großen Leistungen der UNESCO bestehe nämlich die Gefahr, dass man es zwar 1 Prozent weiterbringt, dabei aber die lange Strecke des noch zu bewältigenden Weges etwas aus den Augen verliert. In diesem Sinne richtete Steinbauer an die 60 Jahre alte UNESCO die Bitte, wieder jung zu werden wie die Gründer und neu anzufangen, auch wenn man glaube, man habe alles schon hinter sich.

Zu den von Schülerinnen an UNESCO-Schulen im Rahmen des Festakts an die UNESCO gerichteten Wünsche gehörten die Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen in Schule, im Beruf, bessere Bildungsmöglichkeiten in ärmeren Ländern, die Stilllegung möglichst vieler Atomkraftwerke und die Einrichtung eines gemeinsamen Diskussionsforums für sämtliche Schülerinnen und Schüler der UNESCO-Schulen, um den interkulturellen Austausch zu fördern.

Musikalisch begleitet wurde der Festakt von Ruzsa Nikolic-Lakatos & The Gipsy Family sowie von Keba Cissokho. (Schluss)

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