Lemler: "Handel auf dem langsamen Weg zum Erfolg"

Geringfügige Verbesserung der Ertragskraft - 10 Prozent der Unternehmen betriebswirtschaftlich top, Situation bei 23 Prozent schlecht - Handel investitionsfreudig

Wien (PWK754) - Die gute Nachricht zuerst: Die Ertragskraft im österreichischen Handel ist seit dem Bilanzjahr 2001/02 kontinuierlich wenn auch bescheiden gestiegen, das zeigt ein Zeitvergleich. Ausgangspunkt war allerdings ein äußerst bescheidenes Niveau. Die Umsatzrentabilität im Handel liegt bei 1,9 Prozent. "Das Niveau der gesamten marktorientierten Wirtschaft mit einer Umsatzrentabilität von rund 2,4 Prozent wird damit jedoch im Handel nicht erreicht", bedauert Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel der WKÖ. Gemeinsam mit Peter Voithofer, dem stellvertretenden Direktor der KMU Forschung Austria, präsentierte er heute, Donnerstag, aktuelle betriebswirtschaftliche Kennzahlen des heimischen Handels Die Erhebungsergebnisse zeigen neben der geringfügigen Verbesserung der Ertragskraft eine weitere Polarisierung hinsichtlich der betriebswirtschaftlichen Position. Der Auswertung liegen rund 21.000 Jahresabschlüsse des Bilanzjahres 2004/2005 aus dem Bereich Handel durch die KMU Forschung Austria zu Grunde.

Demnach erzielten 54 Prozent der österreichischen Handelsunternehmen im Bilanzjahr 2004/05 ein positives Betriebsergebnis, 46 Prozent befinden sich in der Verlustzone. Der Anteil der erfolgreichen Unternehmen steigt mit der Unternehmensgröße: Während mehr als die Hälfte der Kleinstunternehmen rote Zahlen ausweist, ist es bei den mittleren Unternehmen rund ein Drittel.

Eine Zusammenschau der Parameter Umsatzrentabilität und Eigenkapitalquote bzw. Verschuldung ergibt folgendes Bild: 10 Prozent zählen zu den Top-Unternehmen. 28 Prozent haben vor allem Ertragsprobleme; sie verfügen zwar über mehr als 10 Prozent Eigenkapital, machen mit 0 bis 2,5 Prozent der Betriebsleistung aber zu wenig Gewinn bzw. arbeiten sogar mit Verlust. 12 Prozent erwirtschaften zwar ausreichende Gewinne, haben aber zu wenig Eigenkapital oder das Betriebsvermögen sogar zur Gänze mit Fremdkapital finanziert.17 Prozent haben sowohl Finanzierungs- als auch Ertragsprobleme. 23 Prozent der Unternehmen befinden sich in einer betriebswirtschaftlich katastrophalen Situation: sie sind überschuldet und können die Kosten nicht decken. In dieser Position sind in der Regel weitreichende Sanierungsmaßnahmen (Zuführung von Eigenkapital, Reduzierung der Fixkosten, strategische Neuausrichtung des Unternehmens etc.) erforderlich.

"Damit ist knapp ein Viertel der Unternehmen im nachhaltigen Bestand gefährdet", erläutert Handelsforscher Voithofer: "Bei den Einzelhandelsunternehmen beträgt der Anteil dieser Unternehmen 29 Prozent, die Kfz-Handelsunternehmen liegen um 2 Prozentpunkte über dem Handelsdurchschnitt von 23 Prozent. Der Großhandel hebt sich positiv ab: Rund 14 Prozent zählen zu den überschuldeten Unternehmen in der Verlustzone.

Im sektoralen Vergleich ist wie auch in den vergangenen Jahren die Ertragskraft der Großhandelsbetriebe mit rund 2,2 Prozent am stärksten, während der Einzelhandel mit rund 1,5 und der Kfz-Handel mit cirka 1,4 Prozent unter dem Gesamtdurchschnitt des Handels liegen. Im Branchenvergleich des Einzelhandels wies der Fotohandel im Durchschnitt mit 4,4 Prozent die höchste Umsatzrentabilität auf. Am unteren Ende der Rangliste befindet sich der Papier-, Büro- und Schreibwarenhandel, der im Durchschnitt einen Verlust in der Höhe von 3,5 Prozent der Betriebsleistung hinnehmen muste; zurückzuführen war das insbesondere auf einen relativen Anstieg der sonstigen Kosten. Rote Zahlen schreiben im Bilanzjahr 2004/05 weiters der Spielwaren-sowie der Uhren- und Schmuckhandel.

Betrachtet man die Eigenkapitalquote, wird im Durchschnitt der österreichischen Handelsunternehmen der betriebswirtschaftliche (Mindest-) Richtwert von 20 Prozent mit 20,3 Prozent nur knapp überschritten. Während der Einzelhandel mit rund 16 und der Kfz-Handel mit 15 Prozent darunter liegen, übertreffen die Großhandelsunternehmen mit rund 23 Prozent diesen Wert. Zwar steigt die Eigenkapitalausstattung mit zunehmender Unternehmensgröße: Den Sollwert überschreiten nur im Großhandel bereits die Kleinunternehmen, im Einzelhandel die mittleren Unternehmen und im Kfz-Handel erst die Großunternehmen. Die Eigenkapitalquote der gesamten marktorientierten Wirtschaft ist um rund 2,6 Prozentpunkte höher als der Wert des Handels. Über kein Eigenkapital verfügen rund 38 aller Handelsunternehmen d.h., bei ihnen übersteigt das Fremdkapital das vorhandene Betriebsvermögen. Von einer buchmäßigen Überschuldung sind rund 45 Prozent der Einzelhandelsunternehmen, rund 40 Prozent der Kfz-Handelsunternehmen bzw. rund 27 Prozent der Großhandelsunternehmen betroffen. Mit zunehmender Unternehmensgröße sinkt der Anteil der Unternehmen ohne Eigenkapital.

Der Cash Flow im Handel, der zur Schuldentilgung sowie für Investitionen zur Verfügung steht, liegt im Handel bei 4,2 Prozent. "Die Investitionen von Handelsunternehmen haben zugenommen", weiß Voithofer zu berichten. "Die Handelsunternehmen sind bemüht, für die Konsumenten noch attraktiver zu werden", so Handelsobmann Lemler dazu. Investitionsbedingt kam es jedoch zu keinem Wachstum bei der Eigenkapitalquote, erläutert Peter Voithofer.

Einmal mehr erweise sich, so Lemler abschließend erfreut, "der Handel in Österreich mit Preissteigerungen im Ausmaß von nur 0,5 Prozent als Preisstabilisator." Weiters sei der Handel bekanntermaßen ein sehr wettbewerbsintensiver Wirtschaftsbereich, "was sich für die Konsumenten aber positiv auswirkt", schließt der Handelsobmann. (JR)

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