Kunststoffverarbeitende Industrie hofft auf qualifizierten Nachwuchs

Positive wirtschaftliche Entwicklung trotz hoher Rohstoffpreise - Innovationskraft als entscheidender Faktor für den Wirtschaftsstandort Österreich

Wien (PWK751) - "Innovationen und Qualität - dies sind die Faktoren, die die österreichische kunststoffverarbeitende Industrie im internationalen Wettbewerb erfolgreich machen. Doch es gibt zwei Tendenzen: Während die wirtschaftliche Entwicklung positiv verläuft, wird es für die Unternehmen der Branche immer schwieriger, qualifiziertes Fachpersonal zu bekommen", fasste Thomas Rhomberg, Obmann der Berufsgruppe Kunststoff verarbeitende Industrie im Fachverband der chemischen Industrie Österreichs (FCIO), heute, Donnerstag, die Lage der Branche auf einer Pressekonferenz zusammen.

Mit über 600 Betrieben und mehr als 25.000 Mitarbeitern ist die Kunststofferzeugung und -verarbeitung eine wichtige Branche in Österreich. Sie ist stark mittelständisch geprägt: Mehr als 90 Prozent der Unternehmen haben weniger als 100 Mitarbeiter. Der jährliche Gesamt-Umsatz der Branche beläuft sich auf rund fünf Mrd. Euro, rund fünf Prozent der Sachgütererzeugung. Dazu kommen noch 750 Mio. Euro Umsatz aus der Kunststoff-Maschinenindustrie, 350 Mio. Euro aus der Schiindustrie und mehr als 100 Mio. Euro aus der Additivproduktion. Der Industriezweig gehört in vielen Bereichen der Bauprodukte zu den Technologieführern und hält zum Beispiel bei Werkzeugen für den Kunststoff-Fensterbau 60 Prozent Weltmarktanteil.

Nach einer Umsatzsteigerung von knapp drei Prozent im Jahr 2005, was im Vergleich zu anderen Industriesparten unterdurchschnittlich war, startete die kunststoffverarbeitende Industrie in das Jahr 2006 mit wesentlich mehr Dynamik. Zum Halbjahr betrug der umsatzmäßige Zuwachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 10,9 Prozent und erreicht mit 1,9 Mrd. Euro ein neues Hoch. Besonders technische Teile entwickelten sich sehr erfreulich mit einem Plus von 17 Prozent. Vor allem die Nachfrage aus der Automobil-Industrie führte zu diesem Anstieg. Aber auch Halbzeug, darunter sind Platten, Folien, Profile etc. zu verstehen, kann ein Plus von 12,1 Prozent ausweisen, hier bedingt vor allem durch Zuwächse im Schaumstoffsektor.

Zur positiven wirtschaftlichen Stimmung trug vor allem der Außenhandel bei. Die Exporte stiegen in den ersten sechs Monaten des Jahres um 8,5 Prozent. Wachstumsmärkte sind osteuropäische Länder wie Polen (+16 Prozent), Rumänien (+20 Prozent), Russland (+14 Prozent) oder die Ukraine (+52 Prozent).

Die größte wirtschaftliche Herausforderung stellen nach wie vor die hohen Rohstoffpreise dar. Die Preise für Standardkunststoffe sind seit Juli des Vorjahres um rund 80 Prozent gestiegen. Das macht die Kalkulation vor allem für Firmen mit langfristigen Lieferverträgen mit Preisbindung äußerst schwierig.

"Die Branche steuert auf ein gutes Jahr 2006 zu. Wir rechnen insgesamt mit einem zweistelligen Wachstum", erklärte Rhomberg. So unterstreichen aktuelle Konjunkturerhebungen unter den Mitgliedsunternehmen den positiven Trend: Die Nachfrage sowohl aus dem Inland wie auch aus dem Ausland ist hoch, auch die Kapazitätsauslastung in den Betrieben sowie die Verkaufspreiserwartungen liegen im Schnitt deutlich über den Erwartungen der vergangenen Jahre.

Derzeit besitzt die Kunststoffwirtschaft eine Forschungsquote von 1,3 Prozent, drei Prozent lautet das Ziel der Regierung. Aus diesem Grund hat die Branche mit der Forschungsförderungsgesellschaft eine Initiative gestartet, die die Forschungsquote dauerhaft anheben soll.

Das wichtigste Kapital der Unternehmen sind qualifizierte Mitarbeiter. Diese muss jeder Betrieb jedoch größtenteils selbst ausbilden, da sich am Markt kaum ausgebildete Kunststoffverarbeiter finden. "Lehrlinge zu finden, ist für unsere Branche nicht das Kernproblem. Österreich hat hier insbesondere mit der Berufsschule in Steyr eine gute Ausbildung. Die Industrie aber benötigt im Rahmen einer höheren Qualifizierung verstärkt Spezialisten. Dies wird in den Lehrplänen zu wenig berücksichtigt. Wenn die Kunststoffbranche eine Zukunftsbranche bleiben soll, muss in diesem Bereich dringend etwas getan werden", forderte Rhomberg.

"Neben der Sicherung der Innovationskraft und einer guten Ausbildung der Mitarbeiter sind die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen eine weitere bedeutende Komponente für die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen", sagte William Kraguljac, Mitglied des Berufsgruppenausschusses der kunststoffverarbeitenden Industrie.

Kraguljac wirft einen Blick auf die Abschlüsse der Metallindustrie: "Die Ergebnisse sind ein Schritt in die richtige Richtung, weil die Einmalzahlung von einem positiven Betriebserfolg abhängig gemacht wurde. Daran sollte auch unsere Branche anknüpfen". Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf die Arbeitszeitflexibilisierung gelegt werden. Viele Betriebe unterliegen saisonalen oder auftragsbezogenen Schwankungen. "Aus diesem Grund ist es uns ein Anliegen, die Arbeitszeit zu flexibilisieren. Daraus erwachsen dem Unternehmen neue Wachstumsmöglichkeiten, höhere Flexibilität und damit auch zusätzliche Investitionsanreize und neue attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten", so Kraguljac abschließend. (hp)

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