Wehsely: "Wienerinnen erteilen Thesen von Eva Herman klare Absage"

Wehsely präsentiert IFES-Frauenbarometer 2006

Wien (OTS) - "Teilzeitarbeit ist weiblich und stellt Frauen vor viele Probleme". In diesem Befund sieht sich Frauenstadträtin Sonja Wehsely durch das "Frauenbarometer 2006" bestätigt. Teilzeitarbeit, so Wehsely, ist hauptverantwortlich für die weit auseinander klaffende Einkommensschere zwischen Frauen und Männern in Österreich. Laut der neuen Studie sind 54 % der berufstätigen Frauen in Wien Vollzeit erwerbstätig. Im bundesweiten Schnitt sind es unter 40 Prozent. In erster Linie wird die Kinderbetreuung als Grund für Teilzeitbeschäftigung genannt. Nur 40 % der Wienerinnen können gut von ihrem Einkommen leben. Vor allem atypisch und Teilzeit Beschäftigte fühlen sich hinsichtlich ihrer Altersversorgung in einer prekären Situation. Wehsely präsentierte die neue IFES-Studie am Donnerstag in einer gemeinsamen Medienkonferenz mit Imma Palme (IFES). Die Studie wurde im Auftrag der Frauenstadträtin und der Wiener Frauenabteilung zwischen 10. August und 4. Oktober 2006 durchgeführt und bietet ein aktuelles und umfassendes Bild über die Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie über Einstellungen und Wünsche der Wienerinnen. Die gesamte Studie ist im Internet unter
https://www.wien.gv.at/ma57/forms/download.htm zu finden. ****

"Volle Erwerbstätigkeit ist der wirksamste Schutz vor Armut", unterstrich Wehsely bei der Präsentation der Studie. Mit einer Teilzeitbeschäftigung lasse sich nur in den seltensten Fällen ein Existenz sicherndes Einkommen verdienen. Teilzeitarbeit könne in einer bestimmten Lebensphase zwar eine willkommene Arbeitsform sein -"auf Dauer führt sie jedoch zu Einkommensverlusten, die sich bis in die Pension fortsetzen und zur Armutsfalle werden", so Wehsely. Für 2007 - dem EU-Jahr der Chancengleichheit - kündigte die Frauenstadträtin eine umfassende Studie zum Thema Einkommensgerechtigkeit an.

Durch die geschlechtsspezifische Teilung des Arbeitsmarktes -Vollzeit für Männer und Teilzeit für Frauen - werde außerdem das klassische Rollenmodell konserviert: Hausarbeit und Kindererziehung bleiben damit in Frauenhand, während der Mann das finanzielle Leben der Familie sichert - "ein Modell, das den Wienerinnen offensichtlich nur sehr wenig behagt", so Wehsely. Die IFES-Studie bescheinigt den Wienerinnen nämlich überaus moderne Einstellungen: "Einen Beruf zu haben, ist das beste Mittel für eine Frau, um unabhängig zu sein" -diesem Satz stimmen 91 % der Wienerinnen zu. 67 % verneinen den Satz:
"Einen Beruf zu haben ist ja ganz schön, aber das was die meisten Frauen wirklich wollen, sind ein Heim und Kinder". "Die Wienerinnen erteilen damit den rückwärtsgewandten Thesen von Eva Herman eine klare Absage", so Wehsely.

Ein wesentlicher Faktor für die Einkommenssituation ist das Ausmaß der Arbeitszeit. Mehr als die Hälfte (54 %) der berufstätigen Wienerinnen sind Vollzeit beschäftigt. Im Schnitt verdienen Vollzeit beschäftigte Wienerinnen netto um 400 Euro mehr als Teilzeit Beschäftigte. Der Arbeitsort ist für die meisten Befragten Wien (92 %), nur 7 % pendeln. Diesbezüglich gibt es keine Unterschiede zwischen einkommensschwachen und -starken Haushalten.

Weniger als 1.000 Euro für Vollzeit-Beschäftigung

18 % der Vollzeit beschäftigten Wienerinnen haben ein persönliches Netto-Einkommen von unter 1.000 Euro und sind damit in einer besonders prekären Lage. Im Durchschnitt ist das persönliche Netto-Einkommen in der öffentlichen Verwaltung, Interessenvertretungen sowie im Unterrichtswesen am höchsten, am niedrigsten sind die Gehälter im Tourismus und im Gastgewerbe. "Ein alarmierender Befund", so Wehsely, "und ein klarer Auftrag sowohl an die SozialpartnerInnen als auch an die nächste Bundesregierung ".

Mütter arbeiten Teilzeit

Besonders hoch ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten bei Frauen in Partnerschaft mit Kind/ern. Alleinerzieherinnen sind hingegen häufiger in einer Vollzeitbeschäftigung. Jene Wienerinnen, die weniger als 36 Stunden beschäftigt sind, wurden nach den Gründen für ihre Teilzeittätigkeit befragt. Rund 50 % der Befragten nannten als Grund die Kinderbetreuung.

Einen Wechsel in Vollzeit können sich 4 von 10 in Teilzeit arbeitende Wienerinnen vorstellen: 12 % würden am liebsten sofort in eine Vollzeitbeschäftigung wechseln; 3 von 10 Wienerinnen würden zwar gerne wechseln, aber erst wenn ihre Lebenssituation es zulässt. Die Mehrheit aber (52 %) kann sich zur Zeit keinen Wechsel vorstellen. Die Bereitschaft, in Vollzeit zu wechseln, sinkt mit zunehmendem Alter. Während 65 % der unter 29-Jährigen einen Wechsel erwägen, sind es bei den 45 bis 60-Jährigen nur 20 %. Besonders hoch ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten im Handel. Vollzeitbeschäftigung gibt es in erster Linie im Geld-, Kredit- und Versicherungswesen.

Berufliche Unterbrechungen: 2 bis 6 Jahre für die Kinder

73 % der berufstätigen Wienerinnen haben ihre Tätigkeit ein-oder mehrmals unterbrochen. Die am häufigsten genannten Gründe sind die Mutterschaftskarenz bzw. die Kinderbetreuung. Insbesondere im Alter ab 30 Jahren spielt dies eine Rolle. Arbeitslosigkeit wird von 14 % der Wienerinnen genannt. Die Dauer der Unterbrechung ist abhängig vom Grund der Unterbrechung: Während Frauen, die wegen Arbeitslosigkeit oder Krankheit pausieren mussten, überwiegend bis zu einem Jahr zu Hause waren, ist die Unterbrechung bei jenen, die das wegen den Kindern oder einer Aus- bzw. Weiterbildung taten, im Schnitt länger und bewegt sich im Zeitrahmen von 2 bis 6 Jahren.

Altersversorgung: Ein Viertel lebt in Sorge

Rund ein Viertel der Wienerinnen befürchtet, dass die Altersversorgung, die ihnen aus der beruflichen Tätigkeit zustehen wird, nicht ausreichen wird. Die Hälfte vermutet, dass die Altersversorgung gerade ausreichen wird. Nur ein geringer Anteil ist zuversichtlich, dass die zu erwartende Altersversorgung auch ausreicht. Besonders prekär empfinden diese Situation atypisch Beschäftigte und Teilzeitbeschäftigte. "Das zeigt, dass Frauen die Nachteile der Teilzeit durchaus kennen", so Wehsely.

Die Einstellungen der Wienerinnen: modern und aufgeschlossen

Zur Berufstätigkeit von Frauen haben die Wienerinnen überwiegend eine moderne und aufgeschlossene Einstellung, und zwar unabhängig von Alter und Bildung. 79 % der Befragten sind der Ansicht, dass sich eine Frau ebenso wie ein Mann im Beruf selbst verwirklichen kann. Für die Unabhängigkeit der Frau erachten ganze 91 Prozent der Wienerinnen die Berufstätigkeit als wichtig. Die Intensität der Mutter-Kind-Beziehung wird durch die Berufstätigkeit der Mutter nicht beeinflusst, so die Ansicht der Mehrheit der Wienerinnen.

Dementsprechend wird auch das Statement "Einen Beruf zu haben ist ja ganz schön, aber das, was die meisten Frauen wirklich wollen, sind Heim und Kinder" sowie die Aussage "Vollhausfrau zu sein, ist genauso erfüllend, wie gegen Bezahlung zu arbeiten" mehrheitlich nicht befürwortet. Je höher der formale Bildungsgrad, desto mehr Gegenstimmen erzeugen diese Sätze.

Gleichberechtigung in allen Lebenslagen

Die klassische Rollenverteilung wird von den befragten Wienerinnen abgelehnt. Die Mehrheit - und zwar unabhängig von Bildung, Einkommen und Alter - ist für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Belangen. Insgesamt 93 % der Wienerinnen sind der Ansicht, dass beide - Frau und Mann - zum Haushaltseinkommen beitragen sollten. Tendenziell sind es eher die älteren Wienerinnen und jene mit einer geringeren formalen Bildung, die diese Ansicht stark vertreten. Rund 8 von 10 Befragten wünschen sich, dass die Männer sich mehr in die Kindererziehung und in die Hausarbeit einbringen. Eine höhere Beteiligung von Männern bei der Kindererziehung fordern alle Wienerinnen - unabhängig von Alter und Bildung - in gleichem Maße. Der Wunsch nach einer stärkeren Unterstützung durch die Männer bei der Hausarbeit ist bei den Frauen aller Altersstufen gleich, Wienerinnen mit höherer formaler Bildung fordern jedoch eine stärkere Beteiligung der Männer in noch höherem Maße.

Wienerinnen erfreuen sich hoher Lebensqualität

Ein Grund für die hohe Lebensqualität in Wien ist aus Sicht der Befragten, dass es hier zahlreiche frauenspezifische Beratungsangebote gibt: Insgesamt 8 von 10 Frauen stimmen dem zu. Die meisten abgefragten Einrichtungen sind den Wienerinnen mehrheitlich bekannt. Auch die freie Wahl des Lebensstils ist aus Sicht der Befragten für Frauen in Wien gegeben. Die Wienerinnen sind aber der Ansicht - stärker noch als 2005 -, dass Frauen gegenüber Männern benachteiligt sind. Zu dieser Überzeugung gelangen eher ältere Frauen - und somit auch mehr nicht Berufstätige als Berufstätige. (Schluss) lac

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