"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Rückkehr der Ökologie und das unternehmerische Kalkül" (Von Helena Wallner)

Ausgabe vom 16.11.2006

Graz (OTS) - Jahrzehntelang haben Klimaexperten vor den
Auswirkungen eines aufgeheizten Planeten gewarnt - und nicht einmal ein mildes Lächeln geerntet. Nun stellt sich der ehemalige Chefvolkswirt der Weltbank im Auftrag der britischen Regierung hin, wiederholt die schon länger bekannten Botschaften von bald verdorrten Landstrichen, überfluteten Küsten, ausgestorbenen Tier- und Pflanzenarten - und alle Welt horcht auf.

Der durchschlagende Erfolg von Sir Nicholas Stern hängt wohl weniger damit zusammen, dass der vergangene trockene Sommer den Briten den Klimawandel in Form eines Gießverbotes für ihren geliebten Rasen erstmals empfindlich nahe gebracht hat.

Vielmehr hatte der Ökonom die Treibhausbedrohung in eine Einheit umgemünzt, mit der alle Welt umgehen kann: Geld. Und seine Signale waren klar: Wir kommen nicht umhin, uns auf das Unvermeidbare einzustellen und alle, wirklich alle Ressourcen - Erfindersinn und Gründergeist nicht ausgenommen - um uns bei einem erträglichen Maß der Klimaerwärmung einzupendeln. Da blieb selbst notorischen Zweiflern die heiße Luft weg. Zudem muss im Gegensatz zu den achtziger und neunziger Jahren die Bedrohung nicht mehr größer geredet werden.

Bei einer Umfrage unter Spitzenmanagern nach den wichtigsten Risiken der Weltwirtschaft landete die Erderwärmung unter den ersten zehn der Bedrohungen.

Das Klima wandelt sich, seine Protagonisten auch. Energiekonzerne sponsern Klima-veranstaltungen oder spendieren Sondervorführungen von Al Gores aufrüttelndem Film. Und Ölmultis beeilen sich, rechtzeitig den grünen Mantel der Alternativenergien umzuhängen. Haben sich denn alle zu Gutmenschen gewandelt?

Nein, auch Stern betont, dass Klimapolitik die beste Wirtschaftspolitik ist, und lockt mit "Wir können wachsen und grün sein." Der Klimaschutz, ein Zukunftsmarkt, auf dem sich Ökonomie und Ökologie nicht mehr wie früher aus dem Weg gehen.

Noch eine Erkenntnis ist neu: Mit Umweltthemen lassen sich sogar Wahlen gewinnen. Arnold Schwarzenegger hat es in Kalifornien mit Solar-Beglückung und Treibhaus-Bremse vorgemacht. Soll es Zufall sein, dass die Amerikaner beim derzeit tagenden Weltklimagipfel in Nairobi unerwartet konstruktive Signale aussenden?

Schließlich geht es auch noch um einen Generationenvertrag. Was wir heute in die Luft jagen, wird zum Teil erst nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten seine volle Wirkung entfalten. ****

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