"KLeine Zeitung" Kommentar: "Ein Rauchverbot ist noch lange nicht der Untergang der Wirte" (Von Martin Link)

Ausgabe vom 13.11.2006

Graz (OTS) - Es wird gewiss nicht gleich zum Kulturkampf kommen, aber mit seiner Forderung nach einem generellen Rauchverbot in der Gastronomie wagt sich nun erstmals ein namhafter Landespolitiker aus der Deckung - wobei der steirische Gesundheitslandesrat Helmut Hirt (SPÖ) konsequent nachlegt und auch Strafen für Verstöße gegen "No smoking" als notwendig erachtet.

Damit könnte eine Kurskorrektur eingeleitet werden, denn bisher war der Umgang mit dem Reizthema hierzulande typisch österreichisch. Zwar gilt in vielen Gebäuden ein Rauchverbot, allein, es wurde kaum exekutiert - und wenn, dann mit Worten und nicht mit Sanktionen. Und mit der Gastronomie schloss die Gesundheitsministerin einen weichen Kompromiss, dass die Wirte bis Jahresende freiwillig Nichtraucherzonen einrichten müssen.

Dabei haben die Befürworter einer härteren Gangart ohnedies jede Menge guter Argumente auf ihrer Seite: Zum einen die nahezu geschlossene Schützenhilfe der Ärzteschaft, die die Vernunftgründe wie ein tibetanisches Mantra herunterbeten kann.

Zum anderen erhalten die Forderungen nach einem Komplettverbot Rückenwind freilich auch durch internationale Vorbilder: Wer hätte es sich gedacht, dass italienische Bars und irische Pubs das Rauchverbot ohne erkennbare Einbußen verkraften würden? Ja, man geht weiterin in Dublin auf ein Guiness und schlürft in Palermo auch dann seinen Espresso, wenn man auf die eingeübte Gewohnheit der Zigarette dazu verzichten muss.

Und gilt vielleicht Irland nicht gerade als ein Land der Gourmets, so sind in Italien weder Osterie noch Ristoranti konkursreif, weil man vom Antipasto bis zu den Dolce eben nicht rauchen darf. Kurzum: Auch die heimische Gastronomie darf darauf bauen, dass die Gäste weiterhin Gäste bleiben.

Und womöglich jene hinzukommen, die die Rauchschwaden vom Nachbartisch bisher abgehalten haben.

Gleichwohl, der Weg ist weit, ein Tabakverbot kann nur der Nationalrat beschließen. Und es gilt zu überlegen, wie man die Sache "verpackt", auch aus pädagogischen Gründen. Der erhobene Zeigefinger der Anti-Raucher-Fraktion, die oft von der Militanz entwöhnter Ex-Raucher geprägt ist, wird eben so wenig helfen wie das Plädoyer für eine puritanische Lebenshaltung. Wer sich zum Rauchen entschließt, trifft eine schlechte, aber dennoch eine freie Entscheidung - die man auch als überzeugter Nichtraucher zur Kenntnis nehmen sollte.

Nur eben nicht in Lokalen zur Kenntnis nehmen muss.

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