Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: Glorreich scheitern (von Claudia Grabner)

Ausgabe 12.11.2006

Wien (OTS) - Lieber glorreich scheitern als schäbig siegen. Vita Sackville-Wests Lebensphilosophie - sie sollte der SPÖ Anstoß, Ansporn, ja Auftrag sein, den rot-schwarzen Karren im Dreck stehen zu lassen - und zu gehen. Der Morast, in den hinein ihn die Sturheit von ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel geführt hat, ist zu tief, als dass es ein glorreiches Heraushieven geben könnte. Glorreich kann - jetzt, da Taktlosigkeit und Farce das Tun bestimmen - nur das Eingeständnis des Scheiterns sein: Mit der ÖVP nicht. Thats it.

Hat es tatsächlich etwas mit der Scheu, einen Toten für tot zu erklären, zu tun (wie Politologe Anton Pelinka meint), dass Rot und Schwarz das Ende ihrer Gespräche nicht offiziell verkünden? Ist es nicht vielmehr Taktik, die sie dazu treibt, ein Klima des Bemühens zu suggerieren, um Zeit zu gewinnen? Zeit, um sich klar zu werden: Wohin soll die Reise gehen ...

Die ÖVP sollte diese Zeit mehr als die SPÖ nötig haben: Kein Hinweis, der nicht darauf deutet, dass sich Schüssel massiv verpokert hat. Überheblichkeit ist nicht immer der beste Berater. Wenn sich Präpotenz gegenüber dem Wähler einmal bezahlt gemacht hat (im Jahr 2000), muss sie das nicht ein zweites Mal tun. Ein drittes Mal aber sollte die SPÖ ihr rotes Minderheitswagnis wagen:Weil es nicht schäbiges Experiment,sondern der ehrliche Versuch wäre, das politische Trauerspiel zu überwinden.

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