"profil": Historiker Oliver Hilmes bezweifelt die Entscheidung des Restitutionsbeirats zur Rückgabe des Munch-Gemäldes "Sommernacht am Strand"

"Habe den Eindruck, dass der Beirat nicht alle verfügbaren Quellen eingesehen hat"

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, meldet der Historiker und Alma Mahler-Werfel-Biograf Oliver Hilmes massive Zweifel an der einstimmigen Munch-Restitutionsentscheidung des Beirats des Bildungsministeriums an.

Edvard Munchs Gemälde "Sommernacht am Strand" (derzeit im Wiener Belvedere), vergangene Woche zur Rückgabe empfohlen, war von Carl Moll, dem Stiefvater der 1938 aus Wien geflohenen Künstlermuse Alma Mahler Werfel, 1940 an das Belvedere verkauft worden - angeblich ohne deren Einverständnis.

Das Gegenteil sei der Fall, meint nun der Historiker Oliver Hilmes. Vergangenen Freitag sandte er ein Fax an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer mit der Bitte, "der Empfehlung auf Restitution vorerst nicht zu entsprechen und eine erneute umfassende Überprüfung anzuordnen". Der Nationalsozialist Moll habe nämlich mit Mahler-Werfels Billigung gehandelt - er habe, so Hilmes, mit dem Erlös "dringende Reparaturen an Almas Ferienhaus finanziert". So könne "von einer persönlichen Bereicherung Molls keine Rede sein".

Mahler-Werfel versuchte bis zu ihrem Tod 1964, das Bild zurückzuerhalten. Dafür hätte sie nachweisen müssen, dass sie mit ihren Verwandten "nicht im guten Einvernehmen" lebte, wie ihr 1949 laut Hilmes der Senatspräsident des Wiener Verwaltungsgerichtshofs mitteilte. Hilmes: "Sie musste beweisen, was sich nicht beweisen ließ." Mahler-Werfel sei sowohl mit Moll als auch ihrer Halbschwester nach 1938 "in regem Kontakt" gestanden. All das hat Hilmes bereits in seiner 2004 erschienenen Alma-Biografie "Witwe im Wahn" dargelegt, für die er den Nachlass der Salondame akribisch durchforstet hatte. "Ich habe den Eindruck, dass der Beirat nicht alle verfügbaren Quellen eingesehen hat", so Hilmes im "profil"-Gespräch: "Sonst hätte er zu einer anderen Bewertung kommen müssen."

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