"Energieeffizienz gehört auf die politische Agenda"

EU-Richtlinienumsetzung verlangt konzertierte Aktion - WKÖ baut Energiekompetenz der Wirtschaft aus

Wien (PWK734) - Ein nachhaltiges Denken an die Zukunft rückt den effizienten Einsatz der vorhandenen Energiereserven immer stärker in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Maßnahmen zur Verbesserung der Energieffizienz gehören daher auch in Österreich dringend auf die politische Agenda, fordert der Energiepolitische Experte der Wirtschaftskammer Österreich, Stephan Schwarzer.

Wie Schwarzer in einer vom Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) veranstalteten Konferenz zum Thema "Brennpunkt:
Energieeffizienz" ausführte, sei es angesichts drohender Versorgungsengpässe notwendig, den Energiehunger zu reduzieren. Gleichzeitig sei die Senkung des Energieverbrauchs der effizienteste Beitrag zur Erfüllung des Kyoto-Zieles. Neben der klimapolitischen Bedeutung spiele der Effizienz-Gedanken auch in der Technologiepolitik eine wichtige Rolle: Energieeffizienztechnologien sind ein wichtiges Segment der sehr dynamischen österreichischen Umwelttechnikindustrie. "Es ist damit zu rechnen, dass dieser Markt in den nächsten 10 Jahren konstant weiter wachsen wird", sagte Schwarzer.

Die Wirtschaftskammer fordert eine gute Vorbereitung der Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie in Koordination durch das Wirtschaftsministerium. Es sei dringend erforderlich, über Kompetenzgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten und die "Stakeholder" positiv zu involvieren. Ohne ausreichende Information, Kommunikation und Beratung sei jede Aktion auf Sand gebaut. Der Staat müsse als Promotor und Anreizgeber fungieren, um Produzenten und Verbraucher zu motivieren. Zugpferde der Energieeffizienzoffensive sollten die Energieberater und Energiemanager sein. Diese können die konkreten wirtschaftlichen Einsparungspotenziale lokalisieren und gemeinsam mit den Verbrauchern realisieren.

Eine "Nagelprobe" für den politischen Umsetzungswillen, so Schwarzer, sei der "große Brocken" der Gebäudesanierung, hier müssten die Länder die CO2-Emissionen um fünf Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren.

Mit der Ausbildung von "europäischen Energiemanagern" will die WKÖ die Energiemanagementkompetenz der Wirtschaft stärken. "Bis jetzt haben schon 76 Energiemanagerinnen und -manager das Diplom erworben. Ein Großteil der im Rahmen des Lehrgangs begonnenen Projekte wurde inzwischen auch tatsächlich verwirklicht", zeigt sich Schwarzer erfreut. Durch die verwirklichten Projekte konnten 170.000 MWh/a eingespart werden, was einer finanziellen Ersparnis von jährlich 6,7 Millionen Euro entspricht. Positiver "Nebeneffekt": Gleichzeitig fallen die jährlichen CO2-Emissionen um 49.000 Tonnen. "Sehr erfreulich ist, dass sich in den meisten Fällen die Investitionen in sehr kurzer Zeit rechnen, bei 40 Prozent der Projekte ist die Amortisationszeit kürzer als zwei Jahre", stellte Schwarzer fest.

Das Interesse der Wirtschaft am Thema Energieeffizienz nimmt stark zu. Um ihm Rechnung zu tragen, bietet die WKÖ nun bereits zwei Energiemanager-Lehrgänge parallel an. Die von den Teilnehmern ausgearbeiteten Projekte und die Gesamtergebnisse bei der Energie-und CO2-Einsparung präsentiert die jüngste Sondernummer der von der WKÖ herausgegebenen Zeitschrift "Umweltschutz der Wirtschaft".

"Feldarbeit" leistet die Wirtschaftskammerorganisation auch mit ihren zahlreichen schwerpunktmäßig für Klein- und Mittelbetriebe entwickelten Branchenprogrammen, die das WK-Unternehmerservice in Zusammenarbeit mit klima:aktiv durchführt. Branchenspezifische Folder gibt es ua für das holzgestaltende Gewerbe, für Holzindustrie, Hotellerie, Lebensmittelhandel, Musikinstrumentenerzeuger, Textilreiniger, Tischler und die Gastronomie. Daneben gewinnt die Energieberatung auch in der allgemeinen WIFI-Unternehmensberatung immer mehr an Bedeutung. (hp)

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