17. Gewerkschaftstag der Gewerkschaft Bau-Holz in Wien eröffnet - 2

ÖGB-Reform und politische Situation Themen der Eröffnungsreden

Wien (GBH/ÖGB) - In ihren Begrüßungsreden gingen prominente Ehrengäste bei der Eröffnung des 17. Gewerkschaftstages der Gewerkschaft Bau-Holz auf die Forderungen der Gewerkschaft Bau-Holz und auf die politische Situation in Österreich sowie auf die ÖGB-Reform ein. In Interviews der Moderatorin Dr. Andrea Schurian nahmen FunktionärInnen der Gewerkschaft Bau-Holz und Ehrengäste aus dem Bereich der Sozialpartnerschaft Stellung zu aktuellen Themen und zur Situation in der Arbeitswelt.++++

Als "Hausherr" in Wien begrüßte der 3. Präsident des Wiener Landtages Heinz Hufnagl die Delegierten und Gäste des 17. Gewerkschaftstages.

Mag. Herbert Tumpel, Präsident der Bundesarbeitskammer, ging in seiner Begrüßungsrede auf die extremen Auswirkungen der Belastungspolitik der scheidenden Bundesregierung auf die Arbeitsmarktsituation ein. Tumpel: "Ich erwarte mir von der neuen Bundesregierung, dass sie auch zu einem Blick auf die realen Probleme in unserem Land im Stande ist und daraus die richtigen Maßnahmen ableitet. Die Probleme am Arbeitsmarkt werden sich nicht von selbst lösen." Als weitere Maßnahmen, die in Zusammenhang mit der Arbeitsmarktproblematik wichtig und umzusetzen seien, nannte Tumpel den Kampf gegen den Sozialbetrug und das Nutzen der Übergangsbestimmungen für den Arbeitsmarkt.

Klaus Wiesehügel, Präsident der Bau-Holz-Internationale (BHI) und Vorsitzender der deutschen Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), setzte den Schwerpunkt seiner Begrüßungsrede im internationalen Bereich. Die BHI war erst im Dezember 2005 aus einem Zusammenschluss des IBBH (Internationaler Bund der Bau- und Holzarbeiter) und des Weltbundes der christlichen Bau- und Holzverbände hervorgegangen und vertritt rund 12 Millionen ArbeitnehmerInnen. Wiesehügel betonte den gemeinsamen Kampf der Gewerkschaften gegen soziale Ungerechtigkeit und ging deutlich darauf ein, dass die GewerkschafterInnen auf Grund ihrer Arbeit international immer noch oft mit Freiheitsentzug oder sogar dem Tod bedroht sind. Wiesehügel: "Immer, wenn es kritisch wurde in Europa, z.B. bei der EU-Dienstleistungsrichtlinie oder der Entsendeproblematik, haben unsere beiden Gewerkschaften, die IG BAU und die GBH, besonders eng und erfolgreich zusammengearbeitet. Die Übergangsfristen für die Dienstleistungsfreiheit haben wir gegen die Meinung anderer Gewerkschaften nur für unsere beiden Länder durchgesetzt. Viele bedauern es schon, dass sie nicht mitgemacht haben."

Deutlich wurde Wiesehügel beim Thema Pension. Er verglich die Probleme deutscher Gewerkschaften mit der Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre mit der Problematik der Schwerarbeitsregelung in Österreich. Wiesehügel: "Wenn jemand 40 Jahre lang schwer gearbeitet hat, dann gebührt ihm ein anständiges Hinübergleiten in die Pension und nicht ein Hinausschubsen als Dank."

Der gf. ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer ging in seiner Begrüßungsrede besonders auf die ÖGB-Reform ein. Hundstorfer verglich die österreichische Gewerkschaftsbewegung mit einem kräftigen Baum, dessen starke Wurzeln die BetriebsrätInnen und die Gewerkschaften seien. Hundstorfer: "Wir müssen in Anlehnung an das GBH-Motto mit Mut und Visionen die Zukunft gestalten. Wir müssen aus Fehlern lernen und Antworten auf die Veränderungen in der Arbeitswelt und der Gesellschaft geben. Es gibt z.B. mehr als eine Million ArbeitnehmerInnen, die keine 'normale' Arbeitszeit kennen. Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen." Als eines der wichtigsten Ziele des ÖGB nannte Hundstorfer die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Zur derzeitigen Debatte über die EU-Arbeitszeitrichtlinie betonte der ÖGB-Präsident: Wäre diese so umgesetzt worden, wie sie nun beim Arbeitsministertreffen in Helsinki beantragt worden war, wäre das für Österreich ein massiver Rückschritt in die 60er-Jahre gewesen.

In einer Grußbotschaft wünschte Bundespräsident Dr. Heinz Fischer den Bau- und HolzarbeiterInnen alles Gute und erinnerte daran, dass die Gewerkschaft Bau-Holz schon immer maßgeblich an den Entwicklungen im ÖGB beteiligt war - so kam z.B. der erste ÖGB-Präsident der Zweiten Republik, Johann Böhm, aus den Reihen der Bau- und HolzarbeiterInnen. Fischer wörtlich: "Ich vertraue auf die Kraft der Gewerkschaftsbewegung und auf die Logik der Tatsache, dass freie, starke Gewerkschaften fixer Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft sein müssen."

Die gelungene Eröffnungsfeier wurde mit dem Eröffnungsfilm "Mit Mut und Visionen in die Zukunft" und mit musikalischen Einlagen der Gruppen "Rondo Vienna" und "Drums2Drums" festlich umrahmt und stand insgesamt auch im Zeichen der Verabschiedung des langjährigen Bundesvorsitzenden Johann Driemer. Dieser erhielt mit der Johann-Böhm-Plakette in Gold die höchste Auszeichnung des ÖGB von Präsident Hundstorfer, mit der Goldenen Nadel der BHI (Bau-Holz-Internationale) von BHI-Präsident Wiesehügel eine erst selten vergebene hohe internationale Auszeichnung und mit der Goldenen Nadel des IBBH (Internationaler Bund der Bau- und Holzarbeiter, der im Dezember 2005 in der BHI aufging) die letzte Auszeichnung, die der "alte" Verband IBBH vergeben hat. Von Sozialpartnerseite wurde ebenfalls der Wertschätzung Ausdruck verliehen: Spitzenvertreter der Bundesinnung Bau übergaben Johann Driemer mit einem Bild, auf dem alle Bautätigkeiten dargestellt sind, ein sehr persönliches Geschenk. (Schluss.)

ÖGB, 9. November
2006
Nr. 739

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