Internationale Kardiologen diskutieren Sicherheitsaspekte. Fazit: DES ist nicht gleich DES

Wien (OTS) - In der wissenschaftlichen Diskussion über die Erste-Generation-DES (Paclitaxel bzw. Sirolimus) steht aktuell der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Die Probleme könnten auf Überempfindlichkeit gegen Eigenschaften der antiproliferativen Wirkstoffe oder der synthetischen Polymere in der Stent-Beschichtung zurück zu führen sei, vermuten Experten. Beschichtungen mit Phosphorylcholin können möglicher Weise die Thrombenbildung an Metallstents verringern. Jedenfalls sei DES nicht gleich DES.

Seit etwa fünf Jahren steht der Kardiologie mit dem Therapiekonzept der Medikamenten-abgebenden Stents ("drug eluting stents", DES) eine bedeutsame Innovation in der Behandlung der Arterienverkalkung von Herzkranzgefäßen zur Verfügung, inzwischen wurden weltweit etwa 6 Millionen DES implantiert. Zuletzt dominierten allerdings zunehmend Bedenken bezüglich der Sicherheit von Erste-Generation-DES die wissenschaftliche Diskussion: So hat sich etwa gezeigt, dass zwar mittels DES die Wiederverengung des Gefäßes wirksam verhindert wird, jedoch das Risiko für späte Stent-Thrombosen steigen kann. Angesichts der Sicherheitsbedenken gegenüber Erste-Generation-DES, sollten Zweite-Generation-DES drei Eigenschaften kombinieren: Ein nicht-entzündliches Polymer, dass eine komplette Endothelialisierung ermöglicht; eine Beschichtung mit einem nicht-zytotoxischen Medikament; und eine Stent-Plattform die gute Medikamentenabgabe und guten "side branch access" zulässt.

"Eine prospektive Studie von Iakovou und Mitarbeitern erbrachte Daten zu 2.229 Patienten mit implantierten Sirolismus- bzw. Paclitaxel-abgebenden Stents, und stellte eine Gesamtrate an Stent-Thrombosen von 1,3 Prozent nach neun Monaten fest", zitieren Peter J. Fitzgerald, MD, PhD von der Stanford University und Martin B. Leon, MD, vom Columbia University Medical Center (TCTMD 3/3/06) aktuelle Forschungsergebnisse. "Dieses Ergebnis lag erheblich höher als die zuvor erfassten Raten in den Plazebo-kontrollierten Studien, die der Zulassung von DES vorausgingen, nämlich 0,4 Prozent für diesen Sirolismus-abgebenden Stent bzw. 0,6 Prozent für den Paclitaxel-abgebenden Stent." Dies sei schon deshalb bedeutsam, weil Stent-Thrombosen schwer wiegende Folgen haben können: "Die Todesrate bei Patienten mit Stent-Thrombosen lag in der Studie von Iakovou und Mitarbeitern bei 45 Prozent", so Fitzgerald und Leon.

ESC: Umsichtige Haltung bezüglich eines unterschiedslosen Einsatzes von Erste-Generation-DES fördern

Die möglichen Risiken der Erste-Generation-DES beherrschten auch den Europäischen Kardiologenkongress (ESC) Anfang September 2006 in Barcelona. Prof. Edoardo Camenzind (Genf) präsentierte eine Meta-Analyse der verfügbaren randomisierten DES-Studien. Nach vier Jahren betrug die Häufigkeit von Todesfällen oder Myokardinfarkt 6,3% für den Sirolismus-Stent und 3,9 Prozent für die Kontrollgruppe mit BMS. Für den Paclitaxel-Stent betrugen die Raten 2,6% bzw. 2,3 % (BMS). Camenzind betonte, dass diese Probleme in der Erste-Generation-DES - Sirolismus und Paclitaxel - vorkamen, und eventuell nicht in der zweiten Generation. Prof. Jean Marco, Chairperson des PCI Euro Heart Survey, sagte auf dem ESC, es gehe nicht darum, den Wert von DES zu schmälern, sondern darum "eine umsichtige Haltung bezüglich eines unterschiedslosen Einsatzes von Erste-Generation-DES zu fördern."

Phosphorylcholin-Beschichtung verringern Thrombenbildung an Metallstents

Einer möglichen Ursache für das erhöhte Risiko von Stent-Thrombosen geht Renu Virmani, MD, vom Bethesda Hospital nach:
"Es liegen mittlerweile eine zunehmende Zahl von Fällen vor, bei denen der Einsatz derzeit erhältlicher DES eine unvollständige Endothelialisierung nach sich gezogen hat, was auf verzögerte Heilung und/oder Überempfindlichkeitsreaktionen zurück zu führen ist", analysiert Virmani. Eine verminderte Überempfindlichkeit gegen den aktiven Wirkstoff oder die Beschichtung mit synthetischen Polymeren eines DES könnten eventuell der Endothelialisierung der Gitterverstrebungen und dem Heilungsverlauf förderlich sein, und damit das Thrombosen-Risiko verringern.

Unterschiedliche DES können hier unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. "Der Zotarolimus ABT-578-abgebende Endeavor Stent ist möglicher Weise der einzige derzeit erhältliche DES, der über eine biomimetische Polymerbeschichtung auf der Basis von Phosphorylcholin verfügt", so Virmani. Phosphorylcholin findet sich in großen Mengen in der Zellwandmembran von roten Blutkörperchen und gilt als Faktor für deren nicht-thrombogenen Charakter. Virmani: "An Tiermodellen wurde gezeigt, dass eine Phosphorylcholin-Beschichtung die Thrombenbildung an Metallstents verringern kann." Allerdings sei noch sorgfältige klinische Beobachtung erforderlich.

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