Klimaschutz und Energiesystem - Kyoto-konformes Energiesystem ein Muss um drohenden Klimakollaps zu verhindern

Wien (OTS) - "Katastrophale Folgen des Klimawandels sind wahrscheinlich nicht mehr abwendbar, wenn ein weiteres Jahrzehnt vergeht, ohne dass die Emissionen reduziert werden" (Zitat aus einer Rede der britischen Außenministerin Becket anlässlich einer Rede in Berlin im Oktober 2006.)

Dieses Zitat ist ein Beispiel für viele andere, die zeigen, dass die Sorgen um die Klimaveränderung mittlerweile auch zu einem Thema der großen Politik werden.

Die künftige Entwicklung der Biomasse als Energiequelle muss daher im Einklang mit den Fragen der Klimasicherheit und des Energiesystems insgesamt gesehen werden.

Wirksamer Klimaschutz ist nur möglich mit einem CO2-armen Energiesystem. Jedes hoch entwickelte Land muss seine CO2-Emissionen reduzieren. Auch Österreich

In Österreich betrugen die Klimagasemissionen 2004 insgesamt 91,3 Millionen Tonnen, zur Erreichung der Kyoto-Vereinbarung dürfen nur 68,7 Millionen Tonnen ausgestoßen werden, weitere Reduktion um mindestens 10 % pro Jahrzehnt, gerechnet ab 1990 sind notwendig.

Vor diesem Hintergrund erarbeitet der Österreichische Biomasse-Verband seine Leitlinien zur weiteren Entwicklung der Biomasse im Rahmen eines Energiesystems, das auf die Notwendigkeiten einer vorausschauenden Klimaschutzpolitik ausgerichtet ist.

Die Eckpunkte sind:

1) Reduktion des Bruttoenergieverbrauches von 1400 PJ auf 1100 PJ also um 20 % bis zum Jahre 2020 wie dies auch in der Effizienzrichtlinie der EU vorgeschlagen wird.

2) Erhöhung des Anteil der Erneuerbaren Energie von 300 PJ derzeit auf 500 PJ im Jahre 2004

3) Daher Deckung von 45 % des gesamten Energiebedarfs aus Erneuerbaren Energien im Jahre 2020.

4) Ausweitung des Beitrages der Biomasse von derzeit 157 PJ auf 270 PJ bis 2020, wobei ein Teil der Biomasse, insbesondere zur Treibstoffproduktion importiert wird.

5) Forcieren jener Biomassetechnologien, die maximale Effizienz in der Umwandlung von Primärenergie zu Endenergie, hohe Endenergieerträge je Hektar bei geringen Energiekosten ermöglichen.

Um diese Zielsetzungen zu realisieren, sind eine Reihe von neuen Maßnahmen notwendig, da die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat, dass trotz der bisherigen Bemühungen eine wirksame Senkung der Klimagasemissionen im Vergleich zum Jahre 1990 nicht erreicht werden konnte.

Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauches

  • Verstärkte Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit über die Notwendigkeit den Energieverbrauch zu senken
  • Weiter verbesserte Fördermaßnahmen zur Senkung des Wärme- und Stromverbrauchs der Haushalte z.Bsp. durch Isolierung
  • Stromspargesetz mit dem Ziel den Verbrauchszuwachs bei Strom stark zu reduzieren
  • Eine ökologische Steuerreform, die die Nettogehälter erhöht, die Arbeitskosten durch Senkung der Lohnnebenkosten senkt und fossile Energie, insbesondere Treibstoffe und Strom höher besteuert
  • Stärkere Begünstigung für Autos mit einem Treibstoffverbrauch unter 5 Liter sowie strikte Einhaltung der Tempolimits

Maßnahmen zur Forcierung der Wärmeversorgung mit erneuerbarer Energie

  • Verpflichtender Einbau von Solarkollektoren bei neuen Häusern zur Warmwasserbereitung
  • Mehrjähriges bundeseinheitliches Förderprogramm für erneuerbare Heizsysteme auf Basis Biomasse oder Solarthermie
  • Erneuerbare Heizsysteme als Förderungsvoraussetzung für Neubauten
  • Förderung des Anschlusses an Fernwärmenetze
  • Ausreichende Dotierung der Förderprogramme im Bereich der ländlichen Entwicklung für Biomassesysteme

Maßnahmen zur Forcierung der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie

  • Weiterentwicklung des Ökostromgesetzes mit dem Ziel, Windenergie und Wasserkraft rasch auszubauen und den Einsatz kalorischer Kraftwerke aus Klimaschutzgründen zu reduzieren.
  • Anreize und Vorgaben für die Energieversorgungsunternehmen verstärkt in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen zu investieren und die Klimaschutzziele der Regierung zu unterstützen
  • Beschränkter weiterer Ausbau der Bioenergie, beschränkt auf kleine Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen auf Basis fester Biomasse und Biogas.

Maßnahmen zur Forcierung der Treibstofferzeugung

  • Umsetzung des laufenden Regierungsprogramms - 5,7 5% Biotreibstoffe bis 2008
  • Erhöhung des Anteils der Biotreibstoffe auf mindestens 15 % im Jahre 2020 durch Ausweiten der Beimischung im Rahmen der technischen Möglichkeiten und weiteres Forcieren der Verwendung purer Biotreibstoffe als Biodiesel, als E 85 (85 % Ethanol mit 15 % Benzinbeimischung aus technischen Gründen) sowie Umsetzung des Biogas-Treibstoffprogramms.

Maßnahmen zur Erhöhung der Produktion und Versorgungssicherheit

  • rasche Ausweitung des Anbaues neuer Energiekulturen
  • Entwicklung neuer Technologien zur Verwendung von bisher nicht genutzten Neben- und Restprodukten (Stroh, Agropellets)
  • Sicherung der preiswerten Versorgung mit Pellets durch Einführung einer Interventionsregelung ähnlich wie bei Erdöl.
  • Mobilisierung der bisher nicht genutzten Holzreserven aus den österreichischen Wäldern

Mit einem konsequent umgesetzten Programm zum Einsparen von Energie und zum beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energie werden Vorteile in folgenden Bereichen erzielt:

  • Einhaltung der Klimaschutzverpflichtungen und damit Einsparen von jährlich einer Milliarde Euro oder mehr, die ansonsten für den Ankauf von Emissionszertifikaten auszugeben wären
  • Erfüllen der ethischen Verpflichtungen, die sich aus der weltweiten Solidarität zum Schutz des globalen Klimas ergeben
  • Sicherung der Energieversorgung für Wirtschaft und Gesellschaft in Österreich
  • Beitrag zum Weltfrieden durch die verringerte Nachfrage nach den knappen fossilen Energieträgern
  • Schaffung eines großen Inlandsmarktes für die Umwelttechnologie und damit weitere Verbesserung der Exportchancen dieses rasch wachsenden Industriezweiges
  • Schaffung von Arbeitsplätzen in vielen Sektoren der österreichischen Wirtschaft

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DI Stephan Grausam
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