Broukal antwortet in Offenem Brief Studienvertretern der WU

Wien (SK) - Studienvertreter der WU haben sich in einem Offenen Brief mit einem Hilferuf an die SPÖ und ihren Vorsitzenden Alfred Gusenbauer gewandt. SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal antwortet nun seinerseits mit einem Offenen Brief der ÖH der Wirtschaftsuniversität Wien. Hier das Schreiben im Wortlaut. ****

"Offener Brief an die ÖH der Wirtschaftsuniversität Wien, Herrn Vorsitzenden Markus Rettenbacher

Sehr geehrter Herr Rettenbacher!

Ihr Hilferuf ist bei der SPÖ angekommen. Ich kann Ihnen versichern, dass wir alles tun werden, damit Platzmangel, Lehrendenmangel und Ausstattungsmangel so rasch wie möglich ein Ende finden.
Wir lehnen auch alle Versuche ab, den Zugang zu Master- und Doktoratsstudien zu beschränken, wie das Ihr Rektor Badelt offenbar plant. Wir wollen das UG 2002 so ändern, dass eigenwillige Interpretationen der Gesetze nicht länger möglich sind.
Was die Studiengebühren betrifft, so bitte ich Sie, nicht SPÖ und ÖVP in einen Topf zu werfen. Wir wollen sie abschaffen, die ÖVP will das bisher nicht. Verhandelt wurde darüber noch nicht. Helfen Sie mit, die ÖVP umzustimmen. Schreiben Sie ihren Abgeordneten! Wenden Sie sich an die Medien! Suchen Sie nach sichtbarer Unterstützung durch ihre KollegInnen.
Was die Studienbeihilfen betrifft, so steht leider außer Zweifel, dass diese seit 1999 weder der Höhe noch den Anspruchsvoraussetzungen nach an die Geldentwertung von etwa 20 Prozent angepasst wurden. Wir wollen das so rasch wie möglich nachholen.

Das Teilzeitstudium und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Studium stehen seit langem auf der Vorhabensliste der SPÖ-Wissenschaftspolitik. Ministerin Gehrer hat es immer wieder abgelehnt, darüber auch nur zu reden. Erst im Wahlkampf hat die ÖVP-Wissenschaftssprecherin Zustimmung angedeutet. Warum nicht schon lange?

Selbstverständlich haben Sie Recht, wenn Sie die generelle Unterfinanzierung der Universitäten beklagen. Die Verantwortung dafür bitte ich Sie aber bei der ÖVP einzumahnen. Wir fordern seit Jahren eine ausreichende Finanzierung und akzeptable Studienbedingung. Ganz nach dem Motto: 'Fairness und Qualität'.

Ich jedenfalls hatte vor, in die jetzt von der ÖVP abgesagten Regierungsverhandlungen eine Reihe wichtiger Punkte einzubringen.

Ich möchte zunächst den Studierenden helfen, die jetzt gerade mitten im Studium nicht weiterkommen. Etwa den 133 Medizin-StudentInnen in Graz, die im zweiten Studienabschnitt stecken bleiben dürften. Hier muss es rasch kreative Lösungen geben, wir stehlen diesen jungen Leuten Lebenszeit.
Die Unis haben ihre Geldwünsche für die nächsten drei Jahre angemeldet. Wir müssen rasch wissen: Wie viel davon will Elisabeth Gehrer im Rahmen der noch von ihr ausverhandelten "Leistungsvereinbarung" den Unis geben? Wie viel bleibt über? Brauchen wir mehr Geld, um allen Studierenden gute Chancen zu geben? Die Studiengebühren rasch abschaffen. Immer mehr Studierende müssen arbeiten, um (auch) die Studiengebühren zu verdienen. Ich würde ihnen diese Zeit gerne fürs Studieren lassen. Den ÄrztInnen an den Med-Unis sind die seit fünf Jahren versprochenen Überstundengelder endlich auszahlen.

Dann aber die langfristige Perspektive:

Ausbau statt Zugangsbeschränkungen. Ein Drittel aller Studierenden geht vorzeitig und ohne fertige Ausbildung von den Unis ab. Das müssen wir ändern. Wir brauchen zunächst Information: Wo genau sind die Bruchstellen? Warum werfen die jungen Leute mittendrin das Handtuch? Und dann Reaktion: Es soll zum vordringlichen Ziel der Unis werden, die Drop-Out-Raten rasch zu senken.

Mehr akademische LehrerInnen. Das hebt die Qualität der Lehre, motiviert die Studierenden und schafft Arbeitsplätze für Junge. Die Zahlen sind beschämend: In der Schweiz und in Deutschland kommt auf 40 Studierende eine Professor oder eine Professorin, in Österreich auf 120!

Mehr Frauen. Wir müssen rasch wissen, warum aus 36 Prozent Assistentinnen 13 Prozent Professorinnen und 0 Prozent Rektorinnen werden - und es dann rasch ändern.

Mehr Mitbestimmung. Im Unirat sollen wissenschaftliches und allgemeines Personal je einen fixen Platz mit Stimmrecht bekommen. Außerdem wollen wir den Uni-Rat als Kontroll- und Beratungsgremium. Entschieden werden soll wieder mehr an der Uni selbst - in einem 'demokratisierten' Senat. Die teilweise unerhört hohen Aufwandsentschädigungen der Uni-Räte gehören auf ein begründbares Maß zurechtgestutzt.

Alles Professor. Die Unis leben von der Leistung des sogenannten 'Mittelbaus': Der AssistentInnen, DozentInnen, 'außerordentlichen' ProfessorInnen. Die ÖVP hat im UG2002 der kleinen Gruppe der 'ordentlichen' Professoren Vertretungs-Privilegien eingeräumt, die wir aufbrechen wollen. Es ist eine Schande, fünfzigjährigen 'außerordentlichen' Herzchirurgen die volle Mitsprache in Uni-Dingen zu verweigern. Es ist eine Schande, vierzigjährige AssistentInnen in materieller und personeller Abhängigkeit zu halten. Wer zumindest das Doktorat hat, soll gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen haben.

Die ÖVP hat dem Mittelbau die Standesvertretung ('BUKO') genommen. Wir wollen dem Mittelbau wieder eine gemeinsame österreichweite Stimme geben.

Kündigungsschutz bei Bewährung. Wir wollen etwa der Hälfte der akademischen LehrerInnen und ForscherInnen eine lebenslange Berufsperspektive bieten - keine Pragmatisierung, aber das Versprechen, bei überprüften guten Leistungen nicht gekündigt zu werden. Das ist übrigens auch ein Konzept der ÖVP-geführten Hochschullehrer-Sektion der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst.

Alles Gute, Josef Broukal
SPÖ-Wissenschaftssprecher im Nationalrat"

(Schluss) cs

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