Comeback ins Leben trotz Rheuma

Investitionen in die Rheumatherapie sind eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit - Österreichische Rheumatologen erfassen erstmals Kosten der Rheumatherapie

Wien (OTS) - Eine Studie österreichischer Rheumatologen belegt erstmals, welche Kosten rheumatische Erkrankungen in Österreich tatsächlich verursachen: Knapp 22.000 Euro fallen pro Jahr und Patient an. Geschickt eingesetzte Therapien könnten helfen, einen Gutteil davon einzusparen.

"Investitionen in die Therapie rheumatischer Erkrankungen sind nicht nur ethisch geboten, sondern auch eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit", zieht Prim. Univ. Prof. Dr. Josef Smolen, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation, Bilanz aus einer Patientenbefragung unter knapp 1.500 Menschen mit chronischer Polyarthritis (cP), der häufigsten chronisch-entzündlichen rheumatischen Erkrankung. Auftraggeber waren Wyeth-Lederle Pharma Österreich und ein österreichisches Expertengremium unter Smolens Leitung. Die Befragungen fanden 2003 statt, auf ihrer Basis wurden direkte und indirekte Kosten der rheumatischen Erkrankung errechnet.

22.000 Euro jährlich

"Gehen wir vom typischen österreichischen cP-Patienten aus, entstand im Jahr 2003 durch direkte medizinische und nicht medizinische Maßnahmen eine Summe von durchschnittlich 8.407 Euro pro Patient", so Smolen. Zu diesen Ausgaben für Medikamente oder Heilbehelfe kommen indirekte Kosten, die z.B. durch Arbeitsunfähigkeit entstehen. 2003 waren das pro Patient 13.361 Euro. "Insgesamt kommen wir also auf eine Summe von durchschnittlich 21.768 Euro pro Patient und Jahr. Ausgaben, die sich mit gezielt eingesetzter Therapie senken lassen, wie Daten einer Folgestudie nahe legen, die wir derzeit auswerten. Rechnet man nur mit den Daten der Erwerbstätigen, summieren sich die indirekten Kosten auf 31.473 Euro", hält der Rheumatologe fest. Geschickt eingesetzt bedeute die Behandlung der Krankheit mehr Lebensqualität und Selbstständigkeit für die Patienten.

Früher Therapiebeginn bringt deutliche Besserung des Zustands

Um dieses Ziel zu erreichen, müsse eine individuelle Behandlung schon kurz nach Auftreten der ersten Symptome beginnen, sagt Mag. Christoph Sauermann, Geschäftsführer von Wyeth-Lederle Pharma. Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung stehen seit einigen Jahren so genannte TNF-alpha-Neutralisatoren (Biologicals) zur Verfügung, die direkt im Immunsystem ansetzen und so gezielt ins Krankheitsgeschehen eingreifen. Eine Heilung sei zwar nicht möglich, "jedoch lässt sich mit Biologicals auch bei schweren Rheumaerkrankungen ein Abklingen der Entzündung und eine Besserung des Krankheitsbildes erreichen. Wird die Behandlung innerhalb der ersten Monate der Erkrankung eingesetzt, profitieren Patienten besonders davon."

Informationen wie diese seien für jeden Patienten entscheidend -egal ob behandelt oder nicht. Dieser Aufgabe will Sauermann nun mit Hilfe der neuen Patientenplattform www.comebackinsleben.at nachkommen und damit die Betroffenen umfassend dabei unterstützen, ihre Krankheit bestmöglich zu meistern. Die Initiative Comeback ins Leben wird von führenden Rheumatologen unterstützt und bietet Patienten, ihren Angehörigen und Freunden sowie allen Interessierten eine umfangreiche Informationsmöglichkeit.

Großteil der Erkrankungen nicht diagnostiziert

Die Plattform sei eine Möglichkeit, die Zahl der behandelten Patienten zu steigern, so Sauermann. "Laut einer Erhebung in rheumatologischen Ambulanzen im Jahr 2005 wurden österreichweit 11.000 bis 15.000 Patienten behandelt", sagt Dipl. Ing. Petra Winkler vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG). "Stationär und ambulant waren es insgesamt 18.000 bis 22.000 Patienten. Das entspricht 0,22 bis 0,27 Prozent der Gesamtbevölkerung. In der Literatur wird allerdings davon gesprochen, dass 0,5 bis ein Prozent der Gesamtbevölkerung an rheumatologischen Erkrankungen leidet. Demnach würde ein Großteil der Betroffenen im niedergelassenen Bereich behandelt oder die Erkrankungen gar nicht diagnostiziert."

Bis zu zehn Jahre bis zum ersten Besuch beim Rheumatologen

Einen Grund dafür sieht Daniela Loisl, Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga, im knappen Angebot an Fachleuten. In vielen Bundesländern fehle es immer noch an Rheumaambulanzen und niedergelassenen Rheumatologen. Rund 54 Prozent der Patienten leiden bis zu fünf Jahre an rheumatischen Beschwerden, bis sie erstmals kompetent behandelt werden. Fünf bis zehn Jahre dauert es bei jedem Zehnten, geht aus einer aktuellen Analyse der Spectra MarktforschungsgesmbH hervor. Pharma-Experte Dr. Walter Wintersberger befragte 165 Patienten mit chronischer Polyarthritis, Morbus Bechterew, Psoriasis Arthritis und juveniler chronischer Polyarthritis zu ihrer Lebenssituation. "51 Prozent der Befragten haben Schwierigkeiten bei alltäglichen Tätigkeiten im Beruf bzw. zu Hause", so Wintersberger. "Jeder Dritte gab an, dass er anstrengende Tätigkeiten nur stark eingeschränkt wahrnehmen kann, jeder Siebte fühlt sich bei mittelschweren Tätigkeiten eingeschränkt, jedem Zehnten fällt das Treppensteigen sehr schwer."

Knapp 80 Prozent psychisch belastet - Diagnose bringt Erleichterung

Allein bei den körperlichen Beschwerden bleibe es allerdings nicht, so Wintersberger: "78 Prozent der Rheuma-Patienten erleben durch die körperlichen Probleme auch eine mehr oder minder starke psychische Belastung, 19 Prozent erleiden sogar eine massive Beeinträchtigung des Gemütszustandes." Nach der Diagnosestellung dagegen sei jeder Dritte zuversichtlich, jeder Vierte meine "es geht bergauf".

Rheumaliga fordert finanzielle Unterstützung vom Staat

Angesichts dieser Zahlen komme bei der Österreichischen Rheumaliga vor allem der psychischen Hilfe eine entscheidende Aufgabe zu, sagt Loisl. Der gemeinnützige Verein unterstützt Patienten mit Gesprächen, stellt Kontakt zu Selbsthilfegruppen her und hilft bei der Suche nach Fachärzten. Dafür und für den Ausbau der medizinischen Versorgung brauche es Geld, so Loisl. "Wir fordern daher auch finanzielle Unterstützung für die Österreichische Rheumaliga vom Staat, so wie es in der Schweiz schon seit Jahren gesetzlich verankert ist."

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