ÖAMTC-Crashtest Pkw gegen Lkw zeigt: Kaum Überlebenschance bei einem Auffahrunfall mit 56 km/h (+Foto, +TV-Material, +Audio)

Ab 2007 gilt neue Norm für Lkw-Unterfahrschutz - Wirkung im Crashtest gleich Null. ÖAMTC fordert Nachbesserungen

Wien (OTS) - Unfälle Pkw gegen Lkw enden oft sehr tragisch - meist tödlich für den Schwächeren. Seit Mitte der 70er Jahre müssen Lkw in Österreich mit einem Unterfahrschutz ausgestattet sein. Dieser soll bei einem Auffahrunfall verhindern, dass der Pkw unter das Heck des Lkw gequetscht wird. Ab September kommenden Jahres gilt eine neue EU-Norm, die Insassen eines Pkw im Fall eines Heckaufpralls auf einen Lastwagen besser schützen soll. Ein ÖAMTC-Crashtest zeigt nun, dass diese gut gemeinten Änderungen nicht greifen.

"Der Schutz für die Insassen verbessert sich durch die Normveränderung im Vergleich zu früher nicht. Das Überleben der Pkw-Insassen hängt bei einem Crash vom Zufall ab", kommentiert ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl das schockierende Ergebnis. Im Test versagt der Unterfahrschutz, der Pkw fährt weit unter den Lastwagen und wird bis zu den hinteren Türen komplett zerstört. Selbst die Airbags können nicht verhindern, dass die Insassen mit dem Kopf gegen das Heck des Lkw schlagen und dadurch höchst wahrscheinlich tödliche Verletzungen erleiden.

Gesetzlich vorgeschriebene Unterfahrschutzsysteme für Lkw sind beinahe wirkungslos

Bei den Testszenarien wurde zunächst die Wirksamkeit eines Unterfahrschutzes, der der neuen EU-Norm entspricht, geprüft. Dabei ließen die Tester einen gängigen Kompaktwagen mit 56 km/h gegen ein Lkw-Heck mit Unterfahrschutz prallen. Bereits kurz nach dem Anprall des Fahrzeuges versagte der Unterfahrschutz völlig. "Das größte Problem ist, dass der gesamte Heckunterfahrschutz den auftretenden Belastungen nicht stand hält und beim Unfall nach vorne klappt", so Kerbl.

ÖAMTC und ADAC präsentieren eine Lösungsmöglichkeit

Ein deutlich besseres Ergebnis brachte der zweite Crashtest mit einem optimierten Unterfahrschutz. Die Energie bei einem Unfall wird ausschließlich in der Knautschzone des Pkw abgebaut. Die Fahrgastzelle bleibt erhalten. Die Sicherheitsgurte und die Airbags sorgen dafür, dass die Belastungen der Insassen auf relativ niedrigem Niveau bleiben. Dem Fahrer und dem Beifahrer drohen keine lebensgefährlichen Verletzungen. Bei dem optimierten Unterfahrschutz wurden zusätzliche schräge Abstützungen an den Lkw-Rahmen montiert. Außerdem verringerten die Tester den Abstand zwischen Unterkante des Unterfahrschutzes und dem Boden von 550 auf 450 Millimeter. "Dieser Test hat gezeigt, dass es mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln möglich ist, die Sicherheit für Pkw-Insassen deutlich zu verbessern", erläutert der ÖAMTC-Experte.

Das fordert der ÖAMTC

* Die Grenzwerte in der neuen Zulassungsnorm für Unterfahrschutz-Systeme sind deutlich zu gering. Die Belastungskräfte sind so niedrig gewählt, dass sie in der Realität von einem Pkw bei einem Unfall schnell überschritten werden. Eine Verbesserung wird laut Club nur bei einer Erhöhung der vorgeschriebenen Belastungskräfte erreicht. Der Unterfahrschutz müsste in Folge stabiler ausgelegt werden.

* Der neuen Norm entsprechend darf der Unterfahrschutz bis zu 400 Millimeter vor der Bordwand des Lkw stehen. Bei kurzen Fahrzeugen wird so dringend benötigter Verformungsweg verschenkt. Der Unterfahrschutz muss stets so nah wie möglich am Heck des Lkw montiert werden.

* Außerdem muss die zulässige Höhe des Unterfahrschutzes reduziert und auf typische Höhe von Pkw-Stoßstangen angepasst werden. Ein auffahrendes Fahrzeug kann mehr Energie abbauen, je voller es getroffen wird.

"Der Gesetzgeber ist gefordert, die geplanten Normänderungen aufgrund der erzielten Erkenntnisse im Sinne der Fahrsicherheit anzupassen", verlangt der ÖAMTC-Experte abschließend.

Aviso an die Redaktionen: Fotos zum Crashtest stehen in der ÖAMTC-Fotodatenbank auf der Homepage des Clubs unter www.oeamtc.at/presse zur Verfügung. TV-Material kann bei der ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit angefordert werden.

(Schluss)

Thomas Schweighofer

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