- 25.10.2006, 18:38:57
- /
- OTS0276 OTW0276
WirtschaftsBlatt Kommentar vom 27. 10. 2006: Die Beamten schwächen den ÖGB - von Peter Muzik
Die Betriebsräte an der Front sollten aufgewertet werden
Wien (OTS) - Bringen wir es doch auf den Punkt: Die Gewerkschaft
Öffentlicher Dienst verfolgt offenbar das Ziel, den angeschlagenen
ÖGB endgültig zu sprengen. Wenngleich dessen Präsident Rudolf
Hundstorfer auf den Beschluss der GÖD, mehr finanzielle
Eigenständigkeit zu fordern, gelassen reagiert, könnte dieser Wunsch
für den Gewerkschaftsbund in seiner jetzigen Form der Anfang vom Ende
sein. Und obzwar es juristisch völlig klar ist, dass die
Beamtengewerkschaft keine eigene Rechtspersönlichkeit ist und daher
nicht so ohne weiters zu einem selbstständigen Verein mutieren
könnte, müssten in der ÖGB-Zentrale alle Alarmsignale heulen. Die
Zersplitterung der Gewerkschaft hat jedenfalls begonnen.
Die logische Konsequenz: Ein dezentral organisierter ÖGB würde - auch
wenn er ohnedies praktisch nur noch aus drei grossen Blöcken (GPA,
GÖD und Metaller & Co.) besteht - die jetzige Krisensituation kaum
überleben. Daran ändert der schmeichelweiche Ton, den die
stellvertretende GÖD-Vorsitzende Christine Gubitzer nach der
Krisensitzung am Mittwoch anschlug, wenig: "Niemand will sich
auflösen, niemand will sich herausnehmen", sagte sie am Mittwoch
treuherzig.
Für all jene, die einen starken ÖGB für notwendig erachten, liegt es
jedenfalls auf der Hand, dass man die Fachgewerkschaften schleunigst
in die Wüste schicken und auf eine zentrale Organisation setzen
müsste - so wie das GPA-Chef Wolfgang Katzian bisher immer gefordert
hat. Auf diese Weise könnten beträchtliche Verwaltungskosten
eingespart, diverse Doppelgleisigkeiten vermieden und die gewohnten
Diadochenkämpfe zwischen den machtbewussten Einzelgewerkschaftsbossen
beendet werden - sie haben den ÖGB schon bisher gelähmt.
Die Folgen wären nicht besonders gravierend: Denn so gut wie alle
wichtigen Aufgaben der Fachgewerkschaften - z. B. das Aushandeln der
Kollektivverträge - könnten künftig genauso gut von einer (auch
finanziell) gestärkten Zentrale, in der ohnedies sämtliche Branchen
präsent wären, erledigt werden. Freilich: Noch besser, zumindest aus
Sicht der Wirtschaft, wäre es, so manche Agenden gleich auf die
betriebliche Ebene zu verlagern. Eine spürbare Aufwertung der
Betriebsräte, die letztlich an der Front die Arbeit erledigen,
brächte beispielsweise automatisch mehr Flexibilität mit sich - was
jenen Betriebe zugute käme, denen es nicht gerade bestens geht. Das
wird's aber leider nicht spielen, weil ein starker Gewerkschaftsbund
wohl niemals bereit wäre, etwas von seiner Macht abzugeben.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






