WirtschaftsBlatt Kommentar vom 27. 10. 2006: Die Beamten schwächen den ÖGB - von Peter Muzik

Die Betriebsräte an der Front sollten aufgewertet werden

Wien (OTS) - Bringen wir es doch auf den Punkt: Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst verfolgt offenbar das Ziel, den angeschlagenen ÖGB endgültig zu sprengen. Wenngleich dessen Präsident Rudolf Hundstorfer auf den Beschluss der GÖD, mehr finanzielle Eigenständigkeit zu fordern, gelassen reagiert, könnte dieser Wunsch für den Gewerkschaftsbund in seiner jetzigen Form der Anfang vom Ende sein. Und obzwar es juristisch völlig klar ist, dass die Beamtengewerkschaft keine eigene Rechtspersönlichkeit ist und daher nicht so ohne weiters zu einem selbstständigen Verein mutieren könnte, müssten in der ÖGB-Zentrale alle Alarmsignale heulen. Die Zersplitterung der Gewerkschaft hat jedenfalls begonnen.

Die logische Konsequenz: Ein dezentral organisierter ÖGB würde - auch wenn er ohnedies praktisch nur noch aus drei grossen Blöcken (GPA, GÖD und Metaller & Co.) besteht - die jetzige Krisensituation kaum überleben. Daran ändert der schmeichelweiche Ton, den die stellvertretende GÖD-Vorsitzende Christine Gubitzer nach der Krisensitzung am Mittwoch anschlug, wenig: "Niemand will sich auflösen, niemand will sich herausnehmen", sagte sie am Mittwoch treuherzig.

Für all jene, die einen starken ÖGB für notwendig erachten, liegt es jedenfalls auf der Hand, dass man die Fachgewerkschaften schleunigst in die Wüste schicken und auf eine zentrale Organisation setzen müsste - so wie das GPA-Chef Wolfgang Katzian bisher immer gefordert hat. Auf diese Weise könnten beträchtliche Verwaltungskosten eingespart, diverse Doppelgleisigkeiten vermieden und die gewohnten Diadochenkämpfe zwischen den machtbewussten Einzelgewerkschaftsbossen beendet werden - sie haben den ÖGB schon bisher gelähmt.

Die Folgen wären nicht besonders gravierend: Denn so gut wie alle wichtigen Aufgaben der Fachgewerkschaften - z. B. das Aushandeln der Kollektivverträge - könnten künftig genauso gut von einer (auch finanziell) gestärkten Zentrale, in der ohnedies sämtliche Branchen präsent wären, erledigt werden. Freilich: Noch besser, zumindest aus Sicht der Wirtschaft, wäre es, so manche Agenden gleich auf die betriebliche Ebene zu verlagern. Eine spürbare Aufwertung der Betriebsräte, die letztlich an der Front die Arbeit erledigen, brächte beispielsweise automatisch mehr Flexibilität mit sich - was jenen Betriebe zugute käme, denen es nicht gerade bestens geht. Das wird's aber leider nicht spielen, weil ein starker Gewerkschaftsbund wohl niemals bereit wäre, etwas von seiner Macht abzugeben.

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