ÖGB: Anhebung des Pensionsantrittsalters nicht notwendig

Leitender Sekretär Dr. Richard Leutner: "Nicht immer die gleiche Sau durch das Dorf treiben"

Wien (ÖGB) - Gegen den Vorschlag von Sozialforscher Bernd Marin,
in Österreich das Pensionsantrittsalter von derzeit 65 Jahre weiter anzuheben, spricht sich der ÖGB aus. "Es macht wenig Sinn, ständig die gleiche Sau durch das zu Dorf treiben", erklärt Dr. Richard Leutner, Leitender Sekretär im ÖGB. Statt die Forderung nach Anhebung des Pensionsalters in den Raum zu stellen, ist es viel wichtiger, konkrete Maßnahmen zu setzen, damit ältere ArbeitnehmerInnen die Chance haben, länger in Beschäftigung bleiben zu können, so Leutner.++++

Statt den Menschen einreden zu wollen, dass bei einer längeren Lebenszeit auch länger gearbeitet werden muss, sollte Marin auf dem Boden der Realität bleiben. Tatsache ist, dass schon jetzt Menschen mit 40 Jahren bereits allergrößte Probleme haben, noch am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Daher kann mit der Forderung nach Anheben des Pensionsantrittsalters das Problem nicht gelöst werden. "Was wir brauchen, sind Beschäftigungschancen für ältere ArbeitnehmerInnen", fordert Leutner und verweist auf die aktuelle Situation: "Viele ältere ArbeitnehmerInnen verlieren bereits Jahre vor der Pension ihren Arbeitsplatz und haben keine Chance auf einen Wiedereinstieg." Dazu kommt, dass die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-jährigen ArbeitnehmerInnen in Österreich extrem niedrig ist. Während der EU-15-Durchschnitt im Vorjahr bei 44,1 Prozent lag, kann Österreich lediglich einen Wert von 31,8 Prozent ausweisen.

Österreich hat großen Aufholbedarf

Österreich hat bei den älteren ArbeitnehmerInnen großen Nachholbedarf, um ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Leutner:
"Inklusive SchulungsteilnehmerInnen, BezieherInnen von Pensionsvorschuss und Übergangsgeld hat sich die Zahl der Betroffenen im Alter ab 50 in den vergangenen fünf Jahren um ca. 16.700 Personen oder um 30 Prozent massiv erhöht. Gab es im Jahre 2000 noch rund 55.000 Betroffene, so waren dies im Jahre 2005 bereits ca. 72.000 Personen. Ein beträchtlicher Teil der älteren ArbeitnehmerInnen befindet sich damit im Status der Arbeitslosigkeit. Dies wird auch durch die hohe Quote der Langzeitarbeitslosigkeit bei Älteren verdeutlicht. Bei den über 45-Jährigen lag diese Quote im Jahre 2005 bei 24,7 Prozent. Im Vergleich dazu lag diese Quote im Durchschnitt aller Altersgruppen bei 18,9 Prozent.

Nationales Aktionsprogramm für ältere ArbeitnehmerInnen

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren keine nennenswerten Initiativen gesetzt, um die Arbeitsmarktlage älterer ArbeitnehmerInnen zu verbessern. Es mangelt an öffentlichen, aber auch an betrieblichen Maßnahmen, die einen längeren Verbleib im Erwerbsleben fördern würden. Eine massive Verbesserung der Erwerbschancen Älterer muss in Anbetracht dieser Zahlen daher eines der zentralen Ziele der Politik der nächsten Jahre sein. "Der ÖGB fordert daher die rasche Erstellung eines nationalen Aktionsprogramms für ältere ArbeitnehmerInnen im Rahmen der Koalitionsverhandlungen", verlangt Leutner abschließend. (ew)

ÖGB, 25. Oktober 2006 Nr. 698

Rückfragen & Kontakt:

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Ernst Weber
Tel.: (++43-1) 534 44/361 DW
Fax: (++43-1) 533 52 93
http://www.oegb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0001