Kindernothilfe Österreich alarmiert: Immer mehr Kinderarbeit in Bolivien

Wien (OTS) - Steigende Erzpreise am Weltmarkt sorgen für einen Anstieg gefährlicher Kinderarbeit beim Abbau der Mineralien unter Tag. Die Kindernothilfe Österreich ist angesichts der Situation tausender Kinder in der Bergwerkstadt Potosí in Bolivien alarmiert. In dem bis auf 4.300 Metern Seehöhe gelegenen Ort zwingt extreme Armut oft schon 12-jährige zur Arbeit in den ungesicherten Stollen des fast 500 Jahre alten Bergbaukomplexes "Cerro Rico". Der stetige Anstieg der Erzpreise hat nach Beobachtung der Kindernothilfepartner in Bolivien eine verstärkte Landflucht in den Hochandengebieten ausgelöst. Viele Familien ziehen nach Potosí, an den Cerro Rico der nach Jahrhunderte langem Abbau nur noch wenig Ertrag abwirft. Der heutige Profit geht großteils an die Aufkäufer der Erze, die von den "Cooperativas Mineras" beliefert werden. Diese Genossenschaften haben vom Staat zeitlich befristete Abbaukonzessionen erworben. Der Verdienst der Minenarbeiter reicht hingegen kaum zum Überleben. Die Risiken der Arbeit in den Minen sind zahlreich, viele "Mineros" sterben mit durchschnittlich 35 Jahren an der Silikose, der Staublunge. Zurück bleiben ihre unversorgten Witwen und Kinder. Vor allem aus diesen Familien kommen die Kinder, die durch die Arbeit in den Stollen zum Überleben der Geschwister und der Mutter beitragen müssen. Ihre täglichen Arbeitszeiten betragen zwischen 10 und 12 Stunden. Kinder sind besonders gefährdet, unter derart prekären Arbeitsbedingungen Unfälle zu erleiden und irreparable gesundheitliche Schäden davon zu tragen.

Kinderarbeit ist in Bolivien gesetzlich verboten, aber angesichts der Armut ist das Gesetz zahnlos. Verstöße werden nicht geahndet. Frühere bolivianische Regierungen haben es verabsäumt, Kinderrechten Priorität einzuräumen. Ob Präsident Morales eine andere Richtung einschlagen wird, ist derzeit nicht absehbar. Das Kinderhilfswerk hat vor Ort eine Anlaufstelle für die "kleinen Mineros" errichtet, die ihnen vor allem eine Ausbildung ermöglicht. Luzia Wibiral, Geschäftsführerin der Kindernothilfe Österreich: "Armut und Kinderarbeit hängen ganz ursächlich zusammen. Für die Projekte der Kindernothilfe nimmt Bildung einen hohen Stellenwert ein. Mit einer Schulausbildung sind viele Kinder erstmals in der Lage, ihre Situation mitzubestimmen und neue Chancen wahrzunehmen."

Seit 2003 gibt es für über 200 Kinderarbeiter ein von der Kindernothilfe finanziertes Kinderzentrum in Potosí, direkt am Berg. In der Tagesstätte bekommen sie eine warme Mahlzeit am Tag, ärztliche Betreuung, aber vor allem Unterstützung beim Schulbesuch und die Möglichkeit zu einer Berufsausbildung, um Alternativen zur gefährlichen Arbeit unter Tag zu finden. Gleichzeitig werden die Mütter bei ihren Anstrengungen, die Situation der Familie durch kleine Geschäftsinitiativen zu verbessern, durch ein Mikrokreditprogramm unterstützt. Eine zweite Tagesstätte für weitere 150 Kinder wird derzeit renoviert. Die Anforderung an das Zentrum orientieren sich stark an den Bedürfnissen der Familien. So wird Kindern, die tagsüber arbeiten müssen, der Besuch einer Abendschule ermöglicht.

Insgesamt will die Kindernothilfe in den kommenden acht Jahren die Zahl der unterstützten Kinder und Jugendliche am Cerro Rico in Potosí auf 800 steigern. Zur Fertigstellung des neuen Kinderzentrums in Potosí bittet die Kindernothilfe Österreich um Unterstützung. Spenden bitte unter dem Stichwort: "Bergarbeiterkinder Bolivien" auf folgendes Konto:

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