WirtschaftsBlatt Kommentar vom 24. 10. 2006: Nach der Pleite ist vor der Pleite - von Wolfgang Unterhuber

Bundesliga: Herzlich Willkommen im Kapital-Kommunismus

Wien (OTS) - Der Ball ist rund. Diese philosophische Erkenntnis,
die von der Trainer-Legende Sepp Herberger stammt, hat für den österreichischen Fussball freilich keine Gültigkeit. Denn da ist momentan alles eckig. Das gilt nicht nur für die sportliche Leistung, sondern auch für den betriebswirtschaftlichen Zustand der Vereine. Jüngstes Beispiel ist die Pleite von Sturm Graz.

Wobei das Schicksal des Grazer Vereins kein Einzelereignis ist. Beinahe jede Saison zerbröselt es einen Klub entweder in der Bundesliga oder in der Ersten Liga (früher Zweite Division). Noch in guter Erinnerung ist die spektakuläre Bauchlandung des FC Tirol. Am Ende war der Laden mit 16 Millionen Euro verschuldet. Selbst der SK Rapid trudelte schon einmal in den Ausgleich und überlebte nur, weil die Bank Austria eine Garantie übernahm. Neben diesen prominenten Beispielen gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe von Provinz-Vereinen, die ins wirtschaftliche Abseits gerieten. Derzeit können nur Red Bull Salzburg und Austria Magna dank zweier Herren namens Mateschitz und Stronach ruhig schlafen (aber irgendwann ist auch dort Zahltag). Der Rest wurstelt dahin.

Worin liegt eigentlich die Ursache für die flächendeckende finanzielle Misere? Ganz einfach: Die Klub-Manager verstehen nicht viel von Wirtschaft. Das Resultat ist der Kapital-Kommunismus. Eine Art dritter Weg zwischen Kapitalismus und Real-Sozialismus also.

Dem kapitalistischen Prinzip folgt, dass die Arbeitnehmer (die Fussballer) toll verdienen können. Wer in der T-Mobile-Liga 10.000 Euro monatliches Fixum erhält, zählt übrigens eher zu den armen Schluckern. Dem Kommunismus folgt wiederum, dass man dafür nichts leisten muss. Das ist Grundsicherung à la Bundesliga.

Sturm Graz ist dafür ein schönes Beispiel. Nach den Erfolgen in der Champions League wurden im Höhenrausch teure Spieler eingekauft, die dann schlichtweg herumnudelten. Dass in Folge die Zuschauer (quasi die Kunden) ausblieben, versteht sich von selbst. In der Not gehen viele Klubs dann mit Betreuern und Spielern auch noch seltsame Vertrags-Konstruktionen ein, die am Ende ein Fressen fürs Finanzamt sind.

Letztendlich ist Österreichs Fussball knapp zwei Jahre vor der Heim-EM in jeder Hinsicht ein Sanierungsfall. Und so wie die Dinge liegen, wird sich daran nichts ändern. In Anlehnung an einen anderen Herberger-Sager gilt daher: Nach der Pleite ist vor der Pleite.

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