Greenpeace: Lebende Wale sind für Island die bessere Wahl

Islands Walfang gefährdet Ökotourismus

Wien (OTS) - Reykjavik/Wien - Nach 17 Jahren Pause ist Island
wieder in den kommerziellen Walfang eingestiegen. "Das Töten von bedrohten Walarten macht weder wirtschaftlich noch wissenschaftlich Sinn. In Island gibt es - ebenso wenig wie in Norwegen und Japan -kaum Nachfrage für Walfleisch." kritisiert Antje Helms, Greenpeace Meeresexpertin. "Die Zukunft für Island und für die bedrohten Walarten liegt in der Walbeobachtung - nicht in der Waljagd!"

Tourismus-Verbände und Vertreter der Walbeobachter in Island warnen vor großem Schaden für den Ruf des Landes wie auch vor einem Einbruch im Tourismus. Jährlich kommen über 70.000 Menschen nach Island, um Wale zu beobachten. Doch seit Beginn der Waljagd sagen zahlreiche Touristen aus Protest ihre Reise ab.

Greenpeace hat bereits vor drei Jahren bei Wiederaufnahme des isländischen Forschungs-Walfangs die Zusage von über 60.000 Menschen gesammelt, die eine Ökoreise nach Island unternehmen würden, allerdings nur, wenn Island keine weiteren Wale tötet. Für die isländische Tourismus-Industrie haben diese Zusagen einen Gegenwert von mehr als 70 Millionen Euro. Demgegenüber hat der kommerzielle Walfang auch zu seinen Hochzeiten in den 1980er Jahren Island nicht mehr als 3 Millionen Euro jährlich eingebracht.

Nun ist es Aufgabe der internationalen Staatengemeinschaft, Island scharf zu verurteilen und dafür Sorge zu tragen, dass das Thema Walschutz auf politischer Ebene Vorrang erhält. "Wir fordern Umweltminister Pröll auf, sich beim morgigen EU Umweltminister-Rat gegen den Isländischen Walfang einzusetzen", appelliert Helms.

Finnwale stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten des Weltnaturschutzdachverbandes IUCN. Sie sind ebenfalls durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt, das den internationalen Handel mit Finnwal-Produkten verbietet. Ein Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) aus dem Jahr 1986 verbietet die kommerzielle Waljagd, erlaubt aber Walfang für die Wissenschaft. Island ist unter Vorbehalten der IWC beigetreten und sieht sich daher - wie auch Norwegen - nicht an das Walfangverbot gebunden.

Allein im vergangenen Jahrhundert wurden rund 2,7 Millionen Wale durch Walfang erlegt. Heutzutage sind die Tiere zusätzlich einer weit größeren Bedrohung ausgesetzt: Die zunehmende Verschmutzung und Überfischung der Meere. Diese und weitere Gefahren haben es verhindert, dass sich die meisten Walarten bis heute erholt haben. "Die Situation der Walbestände ist nach wie vor kritisch. Islands Argument, die Zwergwal-Population im Nordatlantik würde Islands Fischbestände bedrohen, ist schlichtweg falsch", erläutert Helms, "Schuld an den rückläufigen Fängen sind eindeutig die Menschen, die es geschafft haben, mit zerstörerischen Fangmethoden und durch maßlose Überfischung die Meere zu leeren."

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