Österreich im Nahen Osten

Präsentation dreier Bücher in der Diplomatischen Akademie

Wien (OTS) - Am Montag, 30. Oktober 2006, 18 Uhr werden im
Festsaal der Diplomatischen Akademie drei Bücher präsentiert, die einen wenig bekannten, doch umso faszinierenderen Teil österreichischer Geschichte beleuchten: die intensiven Beziehungen des Habsburgerstaates zum Nahen Osten.

Robert-Tarek Fischer widmet sich in seinem Buch "Österreich im Nahen Osten" der politischen Ebene. Schon 1633, als das Osmanische Reich noch bis in die Nähe Wiens reichte, wurde zur Unterstützung des Katholizismus im Orient das Wiener Generalkommissariat des Heiligen Landes gegründet. Die solchermaßen eingeleitete Nahostpolitik des Kaiserstaates erreichte im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt:
Weitgehend im Einklang mit dem imperialistisch-eurozentrischen Zeitgeist handelnd, baute Österreich ein dichtes Konsularnetz in der Region auf, gewann über beträchtliche Marktanteile vor allem in Ägypten, betrieb eine intensive Schutzpolitik zugunsten religiöser Minderheiten und avancierte zu einem wichtigen Machtfaktor in der Region. 1840 verdrängte Österreich an der Seite Großbritanniens den ägyptischen Machthaber Muhammad Ali aus Syrien sowie Palästina und sorgte damit für die Wiederherstellung osmanischer Herrschaft, die bis 1914 hielt. Zudem wirkte Wien maßgeblich an der Entwicklung des Libanon-Statuts mit und spielte eine Vorreiterrolle bei der Erforschung und Erschließung des Sudan. Unterstrichen wurde das starke Interesse am Arabischen Orient durch diverse Reisen führender Mitglieder des Hauses Habsburg. In besonders spektakulärer Manier geschah dies 1869, als Kaiser Franz Joseph I. der Eröffnung des Suezkanals beiwohnte und als erster gekrönter europäischer Monarch seit über 600 Jahren das Heilige Land besuchte.

Elmar Samsinger beleuchtet in seinem Buch "Morgenland und Doppeladler" den Orient-Tourismus um 1900. Die damalige Tourismusindustrie bot den wohlhabenden Europäern in erster Linie ein exotisches Bühnenbild, das ihre Sehnsüchte nach Bildern aus 1001 Nacht befriedigen konnte. In dieser inszenierten Welt blieben Reisende aus dem Westen unter sich. Sie bestiegen im Orient Schiffe und Züge europäischer Transportunternehmen, wohnten in westlich geprägten Grand Hotels, speisten in französischen Restaurants, tranken in Bierhallen böhmisches Bier, lauschten in Opernhäusern italienischen Sängerensembles, ließen sich von deutschen Ärzten kurieren und vor einer orientalischen Kulisse von österreichischen Fotografen ablichten.

In "Orient all inclusive" führt Elmar Samsinger auf eine Orientreise um 1900. Konstantinopel, Jerusalem, der Suez-Kanal, Luxor - das sind einige Stationen der fiktiven, anhand historischer Berichte entworfenen Fahrt eines Wiener Großbürgers. Über drei Monate ist dieser mit seiner Frau unterwegs im Orient Express, auf Dampfschiffen und in Schmalspurbahnen. Bevorzugt wandelt er auf den Spuren des Vertrauten im Fremden: Seine Kartengrüße verschickt er von k. u. k. Levantepostämtern; die k. u. k. Konsulate, das Österreichische Hospiz in Jerusalem oder das St.-Georgs-Kolleg in Konstantinopel sind ihm sichere Ankerpunkte vor Ort. Die Haltung der beiden Touristen ist repräsentativ für die bargeldlosen Luxusreisenden, aber auch für die damals schon existierende Kluft zwischen dem Westen und dem Islam.

Erwin Lanc, Bundesminister a.D., wird in einleitenden Worten einen Bezug der historischen Beziehungen Österreichs zum Nahen Osten zur Gegenwart herstellen.

Robert-Tarek Fischer (www.roberttarekfischer.at):
Österreich im Nahen Osten. Die Großmachtpolitik der Habsburgermonarchie im Arabischen Orient 1633-1918, 314 Seiten, Böhlau Verlag

Elmar Samsinger:
Morgenland & Doppeladler. Eine Orientreise um 1900, 266 Seiten, Mandelbaum Verlag
Orient all inclusive. Eine Reise ins Morgenland auf den Spuren
der k. u. k. Monarchie, 216 Seiten, Folio Verlag

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Dr. Siegfried Haas
Österreichische Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall
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