Berufsförderungsinstitute fordern Staatssekretariat für Weiterbildung

Wien (OTS) - Wenn sich Politik und Medien in Österreich Bildungsthemen annehmen, kreisen diese in erster Linie um Mängel in der Erstausbildung. So wichtig es auch ist, diese zu beseitigen, so wichtig ist es, darauf hinzuweisen, dass die Weiterbildung zwar den größten Bildungssektor darstellt, aber in der öffentlichen Verantwortung und Wahrnehmung noch immer ein Schattendasein führt. Bei den dringend notwendigen Reformen im Bildungssystem wird es für die neue Bundesregierung eine ebenso große Herausforderung sein, endlich geeignete Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass lebensbegleitendes Lernen in Zukunft für alle BürgerInnen - in Beschäftigung oder ohne - möglich wird. Damit der Staat dieser komplexen Aufgabe gerecht werden kann, fordern die Berufsförderungsinstitute ein Staatssekretariat für Weiterbildung.

Für die Zukunft unserer Gesellschaft ist die Auseinandersetzung mit bildungspolitischen Fragen unerlässlich. Die Diskussion über Reformen darf aber nicht auf die Erstausbildung (Schule, Lehre und Universitäten) beschränkt bleiben. Denn die meisten Menschen haben diese bereits hinter sich. Die Weiterbildung nimmt - quantitativ betrachtet - den größten Sektor des Bildungssystems ein und wird in der öffentlichen Debatte und Finanzierung (weniger als 0,2 % des gesamten Bildungsbudgets des Bundes!) gleichermaßen vernachlässigt. Dabei ist die Notwendigkeit zur persönlichen und beruflichen Weiterbildung angesichts des rasanten technologischen Fortschritts und gesellschaftlichen Wandels evident. Alle müssen in Zukunft länger arbeiten, allen wird mehr Flexibilität und Mobilität abverlangt, alle sollen ständig weiterlernen, um den geänderten Qualifikationsanforderungen zu entsprechen.

Doch halt! Wer kümmert sich um die Rahmenbedingungen dafür? Wer bringt Zeit und Geld für die allseits geforderte Weiterbildung auf? Während andere Staaten in der EU schon längst den Schwerpunkt in der Bildungspolitik von der Erstausbildung in die Weiterbildung verlagert haben (Vorbild Skandinavien), sind in Österreich nach wie vor ganz elementare Fragen offen wie z. B.:

  • Wer soll von staatlicher Seite überhaupt für Weiterbildung zuständig sein (Bund, Länder, Gemeinden)?
  • Wer soll in welchem Ausmaß für die Kosten aufkommen (Staat, ArbeitgeberInnen, ArbeitnehmerInnen)?
  • Wann sollen Möglichkeiten zur Weiterbildung bestehen (in der Arbeits- oder Freizeit)?

- Wo soll und kann Weiterbildung stattfinden (im Betrieb, in öffentlichen oder privaten Bildungseinrichtungen)?

Um sich dieser ressortübergreifenden Querschnittsmaterie entsprechend annehmen zu können, bedarf es der Einrichtung eines eigenen Staatssekretariats. Dieses soll die Aktivitäten der einzelnen Ministerien, in den Ländern und in den unterschiedlichen Bildungssektoren koordinieren, um die von der EU seit Jahren geforderte kohärente Strategie zur Förderung des Lebenslangen Lernens (LLL) umzusetzen und vor allem die dafür notwendigen (gesetzlichen) Rahmenbedingungen zu schaffen. Bis dato war die österreichische Bundesregierung nicht in der Lage, eine LLL-Strategie zur Erreichung der Ziele von Lissabon im Jahr 2010 vorzulegen. Die BFI-GeschäftsführerInnen fordern daher von der künftigen Bundesregierung ein deutliches Signal, sich dem eher stiefmütterlich behandelten Teil des Bildungssystems ernsthaft anzunehmen und ein eigenes Staatssekretariat für Weiterbildung einzurichten.

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