Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Man darf wieder hoffen

Gleich mit zwei Hoffnung spendenen Signalen werden wir ins Wochenende entlassen. Das eine kommt aus der Innenpolitik: Es ist die Entschuldigung der SPÖ für Wahlkampf-Untergriffe. Ob das auch Besserung für künftige Kampagnen verspricht? Nun: Die Demokratie lebt, solange man zumindest hoffen kann.

Jetzt müssen "nur" noch die leichtfertigen Versprechen des Wahlkampfes entsorgt und jene großen Projekte gefunden werden, die einer großen Koalition erst Sinn geben. Die Österreich wettbewerbsfähig machen; die der Wirtschaft die Job-Schaffung ermöglichen; die den Abgabendruck senken; die die Verwaltung vereinfachen; die für kreative Eliten und eine bessere Bildung sorgen. Und die nicht wie viele "große" Projekte vor allem große Schulden verursachen. Ob die Wohlfühl-Wahlkämpfer und die Notstands-Erfinder auch zu dieser Einsicht bereit sind?

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Zweifellos mehr als nur ein hoffnungsvolles Zeichen ist die Verleihung des Friedensnobelpreises. Schon deshalb, weil er diesmal nicht an einen Politiker oder Diplomaten geht. Denn Kandidaten solcher Art haben bereits mehrfach ihre Preiswürdigkeit bald wieder verloren. Auch die zuvor auf dem Gerüchtemarkt gehandelten Popsänger, die viel von Frieden und Entwicklung reden, wären eine schlechte Lösung gewesen; setzen Entertainer doch ihr öffentliches Engagement für gut klingende Zwecke vielfach primär der eigenen PR zuliebe. Und nur manche von ihnen wie der Rocksänger Bono lernen dabei allmählich, wo die wirklichen Probleme für Frieden und Entwicklung liegen (jedenfalls nicht beim Mangel an lauter Musik und edler Rhetorik).

Die Preisentscheidung ist vor allem deshalb so wichtig, weil sie erstmals die entscheidende Rolle der wirtschaftlichen Entwicklung begreift. Weil es auch bei ganz kleinen Projekten auf das - von Gutrednern christlicher und anderer Provenienz so gern verteufelte -Kapital in den Händen unternehmerischer Menschen ankommt (nicht auf verbale Bekenntnisse, Armutskonferenzen oder gar auf Staatsbürokratien). Und weil man insbesondere in islamischen Ländern den Frauen mehr finanzielle Mittel und damit zumindest ein erstes Stück Selbstbestimmung in die Hand geben muss.

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