Austropapier: Steigende Holz- und Energiekosten gefährden Investitionen

Papierproduktion im ersten Halbjahr gestiegen - Emissionshandel darf geplante Investitionen nicht behindern

Wien (PWK676) - Österreichs Papierindustrie wird heuer stärker als im Vorjahr wachsen. Dies gab Austropapier, die Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie, im Rahmen eines Medienseminars am Donnerstag in Graz bekannt. Die Produktion von Papier, Karton und Pappe konnte im ersten Halbjahr um 6,8% auf 2,6 Millionen Tonnen gesteigert werden. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 7,7% an. Motor des Wachstums bleibt weiterhin der Export. Trotz der positiven Entwicklung sind geplante Investitionen der heimischen Papierindustrie gefährdet: Schon derzeit kämpft die Branche mit stark steigenden Energie- und Rohstoffpreisen. Wird die Papierindustrie bei der Zuteilung der Emissionszertifikate im Rahmen der laufenden NAP 2-Verhandlungen benachteiligt, sind geplante Großinvestitionen gefährdet . Dies wäre ein enormer Schaden für den Wirtschaftsstandort Österreich und die Wertschöpfungskette Holz, denn die Papierindustrie repräsentiert gemeinsam mit der heimischen Forst-und Holzwirtschaft rund 250.000 Arbeitsplätze in Österreich.

Austropapier-Präsident Michael Gröller, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Mayr Melnhof Karton AG, warnte im Rahmen des Medienseminars vor einem Abgehen von der konsequenten Standortpolitik und präsentierte das Forderungsprogramm an die neue Bundesregierung, "Papier.Industrie.Österreich". Es enthält 20 Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Papierindustrie. "Die Erreichung des Lissabon-Ziels muss auch für die neue Regierung eines der wichtigsten Ziele sein. Nur Unternehmen, die im globalen Standortwettbewerb die Nase vorne haben, können Wachstum und Arbeitsplätze schaffen, und gleichzeitig Umweltverantwortung übernehmen. Die Papierindustrie ist ein Paradebeispiel dafür, wie Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen", so Gröller.

Dieter Radner, Geschäftsführer der Sappi Austria Produktions-GmbH & Co KG und Austropapier-Vizepräsident, wies auf zunehmende Probleme in der Rohstoffbeschaffung hin: "Der rasant wachsende Holzbedarf für die geförderten Biomasse-Verbrennungsanlagen führt zu Engpässen bei der Holzversorgung. Die rasche Mobilisierung zusätzlicher Holzmengen und deren Verfügbarkeit zu wettbewerbsverträglichen Preisen ist unerlässlich, um den Standort Österreich für die Zellstoff- und Papierindustrie abzusichern. Schließlich sind unsere Betriebe in vielen ländlichen Regionen der größte Arbeitgeber und erwirtschaften mit der stofflichen Verwertung von Holz weit mehr Wertschöpfung als bei rein energetischer Nutzung."

Ferdinand Fuhrmann, Generaldirektor der Smurfit Kappa Nettingsdorfer und Austropapier-Energiesprecher, betonte die Bedeutung einer rechtlich korrekten Vorgangsweise beim Emissionshandel: "Einige unserer Betriebe investieren in hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Gegenüber der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme sparen diese Anlagen Brennstoffe und reduzieren die Emissionen deutlich. Beim 2. Nationalen Allokationsplan NAP 2, der die Zuteilung mit Emissionszertifikaten für die Periode 2008 bis 2012 regelt, droht nun die große Gefahr, dass es durch die nur mangelhafte Berücksichtigung dieser Anlagen zu einer krassen Benachteiligung der gesamten Branche kommt. Hier haben der Umwelt- und der Wirtschaftsminister dringenden Handlungsbedarf, um diesen Fehler zu korrigieren."

Die Situation der österreichischen Zellstoff- und Papierindustrie im globalen Wettbewerb beschrieb Wolfgang Pfarl, CEO Sappi Europe. "Die Papierindustrie ist Spitzenreiter in der Nachhaltigkeit. Einseitige Belastungen auf nationaler Ebene wie etwa die rechtlich unhaltbare Diskriminierung der Ökostromerzeugung aus Lauge sowie die überzogenen Förderungen für die Verbrennung von Holz, die für die Papierindustrie enorme Benachteiligungen schaffen, schwächen österreichische Betriebe im internationalen Standortwettbewerb und müssen rasch korrigiert werden."

Am Beispiel des Standortes Pöls beschrieb Alfred Heinzel, Industrieller, Heinzel Holding GmbH, die Herausforderungen für ein großes Investitionsprojekt zum Ausbau der Zellstoff- und Papiererzeugung in Österreich. "Unser Betrieb ist das industrielle Herzstück der Region und schafft hunderte moderne und sichere Arbeitsplätze. Damit das auch in Zukunft so bleibt, muss jetzt die Politik ihren Beitrag leisten, indem sie unsere Bemühungen und Investitionen durch optimale Rahmenbedingungen bestmöglich unterstützt". (EB)

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Austropapier - Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie
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Tel.: (++43) 58886-273
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