Neues Volksblatt: "Auftrag" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 11. Oktober 2006

Linz (OTS) - Weil die SPÖ bei der Nationalratswahl am 1. Oktober mit einem Minus von rund 200.000 Stimmen weniger verloren hat als die ÖVP, bekommt Parteichef Alfred Gusenbauer heute vom Bundespräsidenten den Auftrag zur Bildung einer Regierung. Damit beginnt für Gusenbauer und Genossen der eigentliche Ernst des politischen Lebens. Das verlangt nach Realitätssinn - und der besagt, dass eine Große Koalition zwangsläufig bei der SPÖ Begeisterung auslöst, weil sie vorerst keine andere Option hat. Es ist aber nicht gesagt, dass auch die Wähler eine Große Koalition wollten, nur weil sie am 1. Oktober SPÖ und ÖVP in etwa gleich stark gemacht haben. Auch Umfragen zei-gen, dass Parteien um ihrer selbst willen und nicht mit Schielen auf eine Koalition gewählt wurden. Man sollte es daher seitens der SPÖ tunlichst vermeiden, eine Zusammenarbeit mit der ÖVP als Erfüllung des Wählerauftrages schön zu reden. Der Wählerauftrag lautet schlicht: arbeitet. Die ÖVP einzuladen, unter die rote Tuchent zu schlüpfen, ist noch kein Verhandlungsangebot. Eines vorzulegen, das diesen Namen auch verdient, ist Gusenbauers erste Herausforderung.

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