WirtschaftsBlatt Kommentar vom 11. 10. 2006: Die französische Konsequenz - von Arne Johannsen

Die Brüskierung der EU ist Grund für eine Neuordnung des Glücksspielsektors

Wien (OTS) - Zwölf - so lautet die magische Zahl. So viele Casinos sind in Österreich zugelassen, so viele Konzessionen gibt es. Alle hält der Monopolist Casinos Austria. Dem will die EU jetzt an den Kragen gehen, weil Brüssel grundsätzlich kein Freund von Monopolen ist. Bisher wurde das Problem durch das Zudrücken aller Augen gelöst - bis in Frankreich die beiden Bwin-Chefs Manfred Bodner und Norbert Teufelberger vor laufender Kamera verhaftet wurden. Diesen Vorgang konnten auch die geduldigsten EU-Beamten nur als Brüskierung empfinden. Das jetzt aus Brüssel abgeschickte Mahnschreiben ist die Konsequenz des französischen Blackouts.

Schon geht ein Aufschrei durchs Land: Schützt die Jugendlichen, schützt die Spielsüchtigen. Die Warnung ist berechtigt - und zugleich verlogen. Die Casinos Austria gehören seit Jahren zu den fleissigsten Werbetreibenden und haben ihr Angebot sukzessive ausgebaut, von "Toi, toi, toi" bis zur Internet-Plattform "win2day". So sieht also die Eindämmung der Spielsucht unter staatlicher Obhut aus.

14 Millionen Euro haben die Casinos im vergangenen Jahr in ihren österreichischen Jeton-Tempeln verloren, weil Innovationsdruck durch die Konkurrenz fehlt. Gewinne macht das Unternehmen ausschliesslich mit seinen über 70 internationalen Spielstätten. Während die Casinos zu Hause also auf das Monopol pochen, nutzen sie im Ausland die Freiheit des Marktes. Betriebswirtschaftlich ist das sinnvoll, moralisch allerdings nur schwer zu argumentieren.

Und was sagt der Mitbewerb? Novomatic hat sich längst mit den Casinos Austria arrangiert. Wenn einer Spielautomaten herstellt und der andere einer der grössten Abnehmer ist, gibt es viele Chancen für eine lange Freundschaft. Geteilt ist die Freude bei Bwin. Die Regierung wird für eine Neuordnung des Glücksspielsektors nur dann grünes Licht geben, wenn die Anbieter im Inland steuerpflichtig sind. Sonst entgeht dem Finanzminister zu viel Geld - zum Beispiel das der von Gibraltar aus operierenden Bwin.

"Glücksspiel" ist ein Reizwort, über das sich voller Emotionen streiten lässt. Ist das erst einmal erledigt, wird der Blick frei für praktikable Lösungen: Das Monopol fällt, der Staat wird Lizenzen vergeben (und damit Kontrolle haben), um die sich aber auch private Anbieter bewerben können, der Finanzminister wird mehr einnehmen als vorher. Ganz anders als im Casino könnte es beim Spiel um das Casino also mehr Gewinner als Verlierer geben.

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