Große Geschwindigkeit, kleiner Abstand

25% der österreichischen Pkw-Lenker halten auf Autobahnen einen Abstand von weniger als 0,8 Sekunden. Das KfV hat das Abstandsverhalten von mehr als 4.000 Autofahrern beobachtet.

Wien (OTS) - Acht Zehntelsekunden - das ist der Abstand, den rund ein Viertel der österreichischen Pkw-Lenker auf Autobahnen bei einem Tempolimit von 130 km/h auf der ersten - also äußerst rechten Spur -unterschreitet. "Muss der vorausfahrende Fahrzeuglenker eine Vollbremsung einleiten, prallt so ein Drängler unweigerlich auf den Vordermann - mit einer Restgeschwindigkeit von rund 40 km/ h", rechnet Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) vor. "Durch Monotonie und Müdigkeit sind auf Autobahnen auch Reaktionszeiten von zwei Sekunden nicht ungewöhnlich, in diesem Fall würde die Aufprallgeschwindigkeit bereits bei fast 100 km/h liegen - und das endet in den meisten Fällen tödlich."

Mut zur Lücke

Gerade jetzt, wenn die Sicht- und Straßenverhältnisse wieder schwieriger werden, sollte man daher Mut zur Lücke beweisen und bei Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h einen Abstand von mindestens drei Sekunden halten. Wie das KfV beobachten konnte, halten die Autofahrer insgesamt auf Autobahnen einen Zeitabstand von durchschnittlich 1,33 Sekunden ein. Am diszipliniertesten sind die Steirer: Dort ließen die Autofahrer im Schnitt einen Abstand von 1,68 Sekunden bei erlaubten 130 km/h zu. Das krasse Gegenteil ist hingegen in Salzburg der Fall. Mehr als 54 Prozent der auf Salzburger Autobahnen beobachteten Pkw-Fahrer gingen in den Nahkampf und klebten mit einem Abstand von maximal 0,8 Sekunden am Heck des Vordermanns. Resultat dieses Distanzmangels ist oft ein Auffahrunfall. "Wer permanent auf extreme Tuchfühlung geht, reißt im Ernstfall nicht nur sich selbst ins Verderben", appelliert Thann an die Hochrisikolenker. "Diese Autofahrer machen das Leben der Insassen im vorausfahrenden Fahrzeug von ihrer Drängelei abhängig und auch das Leben der Nachkommenden, die bei einer Karambolage nicht mehr rechtzeitig ausweichen können." Von Jänner bis Juli 2006 wurden auf Österreichs Straßen 4.995 Auffahrunfälle mit 6.994 Verletzten gezählt, was etwa einem Viertel aller Unfälle mit Personenschaden und Verletzten in diesem Zeitraum entspricht. 32 Menschen wurden dabei getötet. Besonders deutlich wird das unglückliche Zusammenspiel von geringem Abstand und hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn: Rund 43 Prozent der von Jänner bis Juli 2006 gezählten 1.208 Unfälle auf Autobahnen waren Auffahrunfälle, 15 der 51 auf Autobahnen getöteten Menschen waren darin verwickelt.

Der zeitliche Abstand verkleinert sich mit höherer Geschwindigkeit

Es ist unlogisch, aber eine Tatsache: Je schneller Autofahrer unterwegs sind, desto geringer wird der Sekunden-Abstand, den sie zum Vordermann halten. Den 1,33 Sekunden auf der Autobahn steht ein durchschnittlicher Abstand von 1,64 Sekunden bei Tempolimit 100 im Freiland gegenüber. Den empfohlenen Mindestabständen kommen die österreichischen Pkw-Lenker erst im Ortsgebiet nahe, wo dem vorausfahrenden Fahrzeug im Schnitt ein Vorsprung von 1,83 Sekunden gegönnt wird. Gleichzeitig ist im Ortsgebiet auch der Anteil der extremen Drängler - also der Fahrer, die maximal 0,8 Sekunden Abstand halten - mit rund fünf Prozent am geringsten.

Vormerkdelikt: Unzureichender Sicherheitsabstand von 0,2-0,39 Sekunden

In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist die Pflicht zum Einhalten eines Sicherheitsabstandes verankert: Der Lenker muss stets so viel Abstand zu seinem Vordermann halten, dass er jederzeit anhalten kann, auch wenn das Kfz plötzlich abbremst.
Wurde mit technischen Messgeräten ein unzureichender Sicherheitsabstand von 0,2 bis 0,39 Sekunden festgestellt, gibt es eine Vormerkung im Führerscheinregister (Anm.: 0,2 Sekunden entsprechen bei 130 km/h etwa 7,2 Meter oder eineinhalb Autolängen). Zusätzlich müssen diese Drängler mit einer Strafe von bis zu 2.180 Euro rechnen. Ein Sicherheitsabstand von weniger als 0,2 Sekunden ist ein "Entzugsdelikt", der Führerschein wird für mindestens drei Monate entzogen.

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Kuratorium für Verkehrssicherheit
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