Kirchmayer: Was sich PraktikerInnen vom neuen Bildungsministerium erwarten!

Wien (OTS) - "Es ist immer wieder interessant, in den Medien über Bildungsanalysen, Bildungsstatistiken und Meinungen von BildungsexpertInnen zu lesen", so Martin Kirchmayer, geschäftsführender Vorsitzender des Zentralvereins der Wiener LehrerInnen. "Vielleicht wäre es auch interessant, über die Meinung der PraktikerInnen, den BildungsexpertInnen vor Ort, sprich den LehrerInnen, zu berichten", betonte Kirchmayer und stellt wesentliche Erwartungen der LehrerInnen an das neue Bildungsministerium.****

Personelle Unterstützung

Ganz oben auf der Liste der pädagogischen Vorstellungen stehe ein Bildungsministerium, das mit den LehrerInnen zusammenarbeite. Dies sei besonders in den letzten Jahren stark vermisst worden. "Unsere LehrerInnen sind mit großem Engagement, jenseits der 40-Stunden-Woche, mit Herz und Seele tätig", stellte Kirchmayer fest. Immer öfter würden sich PädagogInnen die berechtigte Frage stellen, womit das Bildungsministerium dazu beitrage. Eine Lehrerin bringt es auf den Punkt: "In der Klasse lehre ich den Kindern wie man die Schuhe bindet, fördere die Schwachen und Begabten, verfasse dazu Förderkonzepte, bin die Seelentrösterin, organisiere Lehrausgänge, führe Elterngespräche, inklusive Schullaufbahnberatung - mit einem Wort, die Liste ist kunterbunt und endlos. All das mache ich mit Begeisterung, aber es ist eine One-Woman-Show." Kirchmayer meint, dass die Aufgaben für LehrerInnen immer mehr geworden seien, die Zahl der LehrerInnen selbst aber immer weniger: "Im Rahmen der viel gepriesenen Autonomie scheint das Motto "Mach mehr mit weniger" zu lauten. Und das frustriert", so Kirchmayer.

Ausbau der Ganztagsschulen

Gerade die Ganztagsschule schaffe die Möglichkeit, im Laufe des Tages zwischen Lernen und Freizeit zu wechseln. Dadurch entstehe ein ausgewogenes Programm, das vor allem auf die Leistungskurve der SchülerInnen Rücksicht nehme. Die Ganztagsschule biete außerdem die Gelegenheit, dass LehrerInnen und SchülerInnen einander jenseits des klassischen Unterrichts begegnen. Wesentlich für das Konzept der Ganztagsschule seien jedoch entsprechende Raumangebote und die notwendige Infrastruktur. "Eine Ganztagsschule, die einer Legebatterie mit Aufsicht gleich kommt, ist abzulehnen", betonte Kirchmayer.

Gemeinsame universitäre PädagogInnenausbildung

"Man muss sich vorstellen, es gibt eine Altersgruppe von SchülerInnen, einen wortidenten Lehrplan, aber zwei unterschiedliche LehrerInnen. Jene von der Hochschule und jene von der Universität", erörterte Kirchmayer. Es sei unverständlich, warum immer noch eine derartige Ausbildungsschneise existiere. Durch die Schaffung der Pädagogischen Hochschule habe man diese Skurrilität unnötig verlängert. Dabei wäre nach Kirchmayer die gemeinsame Ausbildung durchaus vorstellbar und skizziert: "Alle PädagogInnen, vom Kindergarten bis hin zu den höheren Schulen, absolvieren an der Universität eine Basisausbildung. Im Anschluss daran gibt es Schwerpunktrichtungen, die zum Arbeiten mit einer bestimmten Altersgruppe von Kindern berechtigt." Ermöglicht würde dadurch die Gleichstellung aller PädagogInnen, zudem könne man später eine weitere Schwerpunktrichtung nachholen und somit die Altersgruppe wechseln. Dies wäre auch der bis jetzt leider so erfolgreich verhinderte Grundstein zur Schaffung der Gemeinschaftsschule.

Schaffung einer Gemeinschaftsschule der 6-15-Jährigen

Fast die gesamte Volksschulzeit seien die Eltern ohne größere Sorge und beobachten die Lernfortschritte ihres Schützlings mit Spannung und Begeisterung. Bis zur vierten Klasse: "Es ist unbeschreiblich wie viel Stress die frühe Entscheidung über den weiteren Bildungsweg verursacht", berichtet Kirchmayer und weist darauf hin, dass es wissenschaftlich mehr als erwiesen sei, dass sowohl der Zeitpunkt als auch die Faktoren für eine allfällige Entscheidung alles andere als pädagogisch und seriös sind. In Folge sitzen immer mehr über- und unterforderte Kinder in unseren Schulen. Die Gemeinschaftsschule, ausgestattet mit dem dafür zahlenmäßig notwendigen LehrerInnenpersonal, biete allen Kindern die entsprechende Zuwendung und Förderung - ohne systembedingte Sackgassen.

Diese Forderungen zeigen eines ganz deutlich, so Kirchmayer, der die abschließende Botschaft an das zukünftige Bildungsministerium richtet: "Von den vergangenen kosmetischen Alibireformen haben die LehrerInnen eindeutig genug. Es ist Zeit, dass sich wirklich etwas tut!" (Schluss)

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