"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: " Horror mit Bombe" (Von MONIKA DAJC)

Ausgabe vom 10.Oktober, 2006

Innsbruck (OTS) - Die Schockwellen nach dem Kraftakt des nordkoreanischen Diktators gingen mit Rasanz um die Welt. Eine weitere Atommacht hat sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gebombt. Der Umgang mit dem ebenfalls auf nukleare Stärke pochenden Iran wird nicht leichter werden. Das Problem Nordkorea hat große Brisanz vor allem deshalb, weil auch der engste Verbündete China nicht weiß, was der exzentrische und gelegentlich als paranoid bezeichnete Kim Jong-Il wirklich will.

Möchte er mit der Demonstration von Bombenstärke in besserer Position an den Verhandlungstisch zurück? Geht es ihm in der Einsamkeit nach dem Untergang der UdSSR tatsächlich um glaubwürdige internationale Sicherheitsgarantien? Oder bewegen sich die Handlungen des Despoten bereits weit jenseits des Bereichs, der als Politik auf der Grundlage einigermaßen vernünftiger Grundsätze gilt?

George W. Bushs Politik gegenüber einem weiteren "Schurken" hat sich als kontraproduktiv erwiesen. Das Atomgespenst hinter dem "großen und geliebten Führer" konnte mit Warnungen und Strafen nicht gezähmt werden. China, das mit seinen Energie- und Lebensmittellieferungen einen wichtigen Hebel hätte, blieb abwartend und skeptisch. Zwei Mal in der Geschichte wurden bisher Atomwaffen eingesetzt. Schrecken und Leid, die danach folgten, steigerten auf unfassbare Weise die Attraktivität dieser Waffen als Zeichen beeindruckender Stärke. Die einstigen zwei Supermächte machten den Anfang. Mittlere Mächte folgten. Schwellenländer wie Indien Pakistan zogen nach. Sie wurden deshalb nur kurze Zeit geächtet, später sogar von Washington hofiert. Am Beginn des dritten Jahrtausends muss die internationale Gemeinschaft nun vor einem skrupellosen Habenichts schaudern, der sein Volk hungern lässt, um mit nuklearem Horror die Welt zu beeindrucken.

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