Erni Mangold und Elisabeth Orth vergoldet

Wien (OTS) - Die Kammerschauspielerinnen Erni Mangold und
Elisabeth Orth wurden heute, Montag, im Wiener Rathaus mit dem "Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien" ausgezeichnet. Zahlreiche Kolleg/innen und Weggefährt/innen feierten mit den beiden Ausgezeichneten, darunter Erwin Steinhauer, Gertraud Jesserer, Elfriede Ott, Gerhard Bronner, Vera Borek, Udo Samel, Leon Zelman sowie die Stadträte a. D. Franz Mrkvicka und Mozart-Intendant Peter Marboe.

"Erni Mangold und Elisabeth Orth haben sich in die Herzen der Menschheit gespielt", so Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny im Rahmen der Verleihung. Beide Darstellerinnen vertreten eine feine und subtile Form einer Wiener Schauspielschule. "Darüber hinaus bewiesen sie Haltung und gesellschaftskritisches Engagement, wenn es darum ging, die Stimme auch außerhalb des Theaters zu erheben".

Die Verleihung von Ehrenzeichen habe eine selbstbestimmende, psychohygienische und Werte stabilisierende Funktion, führte Dr. Wolfgang Dür, Sozialwissenschafter, zu Beginn seiner Laudationes aus, ehe er auf die Bühnenlaufbahn beider Ehrengäste zu sprechen kam:
"Erni Mangold spielt nicht nur auf den großen Bühnen im deutschsprachigen Raum, sondern engagiert sich auch besonders für die Off-Szene. Ihre Karriere verlief blitzartig, von Beginn an war sie auch vom Film begehrt", so Wolfgang Dür, der Erni Mangold auch als Lehrende würdigte.

"Elisabeth Orth entwickelte sich in Wien zur großen Schauspielerin ihrer Zeit", so Dür. Besonders in der Zusammenarbeit mit Regisseurin Andrea Breth käme ihr schauspielerisches Können voll zum Tragen.

Biographie Erni Mangold

Erni Mangold wurde 1927 als Erna Goldmann im niederösterreichischen Großweikersdorf geboren. Nach der Volksschule besuchte sie zunächst das Gymnasium, nahm jedoch nebenbei bereits Unterricht in der Theaterschule Helmut Kraus. Ihr erstes Engagement erfüllte sie von 1946 bis 1956 im Theater in der Josefstadt, 1956 ging sie für 8 Jahre ans Hamburger Schauspielhaus unter Gustav Gründgens, danach ans Düsseldorfer Schauspielhaus unter Karlheinz Stroux. Zwischen 1965 und 1972 folgten weitere Engagements in Wien und Deutschland, bevor Mangold Lehrtätigkeiten am Salzburger Mozarteum (1972), an der Theaterschule Kraus (1972 bis 1974) sowie an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst (ab 1974) aufnahm, wo sie zwischen 1983 und 1995 als ordentliche Hochschulprofessorin tätig war.

Mangold war in über sechzig Filmen und zwanzig TV-Produktionen zu sehen, am bekanntesten war ihre Rolle als Geliebte des Sehers in dem Film Hanussen (1955) von O. W. Fischer.

Aus der großen Anzahl von Figuren, die sie im Laufe ihres langen Schauspielerlebens dargestellt hat, seien hervorgehoben: die Marthe Schwerdtlein in Goethes "Urfaust", das Fräulein Doktor in Horvaths "Figaro läßt sich scheiden", eine sphinxhafte Haushälterin in Elfriede Jelineks "Clara S.".

1972 erhielt Ernie Mangold für ihre Leistungen die Kainz-Medaille, 2000 wurde ihr der Titel Kammerschauspielerin verliehen. 2005 wurde sie mit dem Nestroy-Theaterpreis (Kategorie: "Beste Nebenrolle" für Schneewittchen in "Prinzessinnendramen" von Elfriede Jelinek am Wiener Volkstheater) geehrt.

Biographie Elisabeth Orth

Elisabeth Orth wurde 1936 in Wien als Tochter Paula Wesselys und Attila Hörbigers geboren. Ihre Berufslaufbahn begann sie als Filmcutterin, daneben studierte sie Sprachen und versuchte sich als Regieassistentin, ehe sie das Reinhardt-Seminar absolvierte. Sie übernahm als Künstlernamen den Mädchennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits: Orth. Ihrer Begabung wegen bekam sie das letzte Jahr am Reinhardt-Seminar "geschenkt". Ihre erste Rolle an einer größeren Bühne bekam sie in Ulm in Schillers "Jungfrau von Orleans" (1960/61). In Folge übernahm sie am Münchner Residenztheater die Titelrolle in "Miss Sara Sampson". Daneben kamen weitere interessante Rollen auf sie zu wie die Emilia Galotti oder die Protagonistin in O´Caseys "Der Rebell, der keiner war". Nach einem kurzen Zwischenspiel an den Kölner Städtischen Bühnen debütierte Elisabeth Orth am 21. Oktober 1965 im Wiener Burgtheater als Luise in Lindtbergs Inszenierung von ".Kabale und Liebe". 1968 wurde sie fixes Ensemblemitglied des Burgtheaters und blieb es, obwohl sie 1995 bis 1999 an der Berliner Schaubühne engagiert war, bis heute. Unter der Direktion Bachler kehrte sie ganz wieder ans Wiener Burgtheater zurück und spielte u. a. in Euripides/Raoul Schrotts "Die Bakchen", in Marlows "Der Jude von Malta", in "Onkel Wanja" von Tschechow, in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn", in Schillers "Maria Stuart" (die Elisabeth). Zur Zeit noch im Spielplan ist unter Mitwirkung Orths u. a. Tschechows "Der Kirschgarten", wo sie die in Zaubertricks verliebte, schräge Charlotte Ivanowa gibt. Ihre Vielseitigkeit hat Orth mit ihren Kommentaren über viele Jahre in der Wochenzeitschrift "Die Furche" unter Beweis gestellt. Neben zahlreichen Auszeichnungen wie den Kritikerpreis Bad Hersfeld und den Bayerischen Staatspreis erhielt Elisabeth Orth von Judith Holzmeister den Liselotte-Schreiner-Ring. Anlässlich ihres 70. Geburtstages wird ihr das Ensemble des Burgtheaters in der Vorstellung von Schillers "Maria Stuart" auf offener Bühne gratulieren.

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