AK zu privater Pflegeversicherung: Drum prüfe, wer sich ewig binde

Angebote variieren je nach Anbieter - Pflegeversicherung kann staatliche Leistungen nicht ersetzen

Wien (OTS) - In der Debatte um die Pflege wird zunehmend auch die private Pflegeversicherung als zusätzliche Alternative diskutiert. Die AK-Konsumentenschützer raten jedoch, sich nicht von der aktuellen Debatte beeindrucken zu lassen und überhastete Versicherungsabschlüsse zu tätigen. "Jeder sollte sich genau ansehen, welche Art der Vorsorge für ihn das Beste ist. Es gibt nämlich verschiedene Möglichkeiten, einen möglichen Pflegefall abzusichern", sagt Thomas Eisenmenger, Konsumetenschützer der AK Wien, "eine private Pflegeversicherung ist sicher eine davon. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass das Geld, das über die Prämie eingezahlt wird, nur im Fall der Pflegebedürftigkeit ausbezahlt wird. Für den glücklichen Fall, dass jemand nicht pflegebedürftig wird, ist die Prämie, wie eben bei jeder Risikoversicherung, verloren. Eine private Pflegeversicherung ist leider eine reine Risikoversicherung. Es gilt also: Drum prüfe, wer sich ewig bindet." Die Angebote variieren stark je nach Anbieter, und es gibt auch Alternativen. Keinesfalls kann eine private Pflegeversicherung die Leistungen der öfentlichen Hand ersetzen.

Angebote rar gesät
In Österreich bieten derzeit wenige Versicherer Pflegeversicherungen an und die Produkte sind sehr unterschiedlich. Grundsätzlich gilt, dass bei einer geringen Prämie auch die monatlichen Leistungen der Versicherung gering sind. Eine monatliche Prämie für einen 35-jährigen Mann in der Höhe von knapp über sieben Euro bringt dann eine monatliche Leistung in der Pflegestufe 7 (die höchste Pflegestufe) rund 383 Euro, in der Stufe 1 gerade noch 37 Euro. Je später eingestiegen wird, desto weniger Leistung gibt es für Pflegebedürftigkeit. Ausnahme Generali: Bei den Tarifen ist ein früher Einstieg nicht nötig, da die Tarife linear durchgerechnet sind. Aber ein Vergleich der Prämien allein ist wenig aussagekräftig, man sollte vor allem auf die dahinter stehenden Leistungen achten.

Wer zahlt wann und wieviel
Ein wichtiger und wesentlicher Unterschied ist die Definition der Pflegebedürftigkeit. Hier gibt es Versicherungen, die sich an der gesetzlichen Einteilung der Pflegestufen (Pflegestufen 1 bis 7, die sich am durchschnittlichen monatlichen Pflegebedarf ausrichten) orientieren - andere nicht. Quelle hält sich an die gesetzliche Definition, leistet aber erst ab Pflegestufe 5, Generali ab Pflegestufe 1, die Wiener Städtische je nach gewähltem Tarif ab Stufe 1 oder 4.

Wenige Versicherungen orientieren sich an eigenen Punkten zur Beurteilung der Pflegebedürftigkeit, beispielsweise ob der Versicherte bestimmte Tätigkeiten nicht mehr machen kann (an- und auskleiden, einnehmen von Mahlzeiten und Getränken etc). Wenn nach Abschluss des Vertrages der Versicherungsfall (Pflegebedürftigkeit) eintritt, zahlt die Wiener Städtische sofort, Generali nur, wenn dies durch einen Unfall hervorgerufen wurde. Ansonsten ist bei allen eine Wartefrist bis zu einem Jahr einzuhalten. Außer bei der Wiener Städtischen erhält die/der zu Pflegende die Leistung nicht, wenn sie/er ins Spital muss oder bei vorübergehender Pflegebedürftigkeit. Ausnahme: zeitlich begrenzte Leistungen, bei Generali maximal 60 Tage innerhalb von zwei Jahren und Uniqa maximal 45 Tage pro Jahr. Zumeist wird eine Rente ausbezahlt, ein Nachweis für die Verwendung ist nicht nötig - außer bei Uniqa.

Ansparen als Alternative
Es gibt daher die Möglichkeit, Geld für den Fall des Falles anzusparen, beispielsweise durch eine Erlebensversicherung, Bausparen oder Sparbuch. "Für den Fall, dass die Pflegebedürftigkeit eintritt, hat man dann den berühmten "Notgroschen". Für den Fall, dass die Pflegebedürftigkeit nicht eintritt, kann das angesparte Geld anderweitig verwendet werden", sagt Eisenmenger.

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Thomas Angerer
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