"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Wiedervereinigung der FPÖ kann nur einer überleben" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 07.10.2006

Graz (OTS) - Wer geglaubt hatte, das dritte Lager habe sich durch die Irrungen und Wirrungen als Regierungspartei an der Seite der ÖVP in den letzten sechs Jahren als politische Kraft selbst entmannt, wurde am Wahlabend überrascht.

Sowohl FPÖ als auch BZÖ kamen ins Parlament und zusammen erreichten sie fast 16 Prozent der Stimmen. Die Spaltung in zwei Parteien im vorigen Jahr erwies sich dabei als Glück. Als Regierungspartei allein wäre die FPÖ am Sonntag sicher unter die Zehn-Prozent-Marke von 2002 gefallen.

Was ist überhaupt das dritte Lager? Wenn man von den Vorläufern, die bis 1848, ja in den Vormärz, zurückreichen, absieht, ist damit jene politische Kraft gemeint, die sich nach dem Krieg jenseits von Christlichen Demokraten und Sozialdemokratie aus den Resten des großdeutschen Lagers der Zwischenkriegszeit formierte.

Zunächst hieß es Verband der Unabhängigen, VDU, und wurde später die FPÖ. Im Kern der Partei standen deutsch-nationale Burschenschafter. Sie war aber nicht allein ein Sammelbecken "Ehemaliger".

Eine liberale Partei wie die deutsche FDP war die FPÖ nie, auch nicht in Zeiten der Koalition mit der SPÖ, als man den Vorsitzenden Norbert Steger als Liberalen ausgab. Was sich als Liberales Forum von der FPÖ abspaltete, verschwand bald wieder und dem BZÖ einen liberalen Anstrich zu geben, scheiterte auch.

Die politische Stärke der FPÖ erreichte ihren Tiefpunkt 1983 mit nur 4,8 Prozent bei der Nationalratswahl, ihren Höhepunkt bei der Wahl 1999 mit den legendären 26,9 Prozent und dem zweiten Platz noch vor der ÖVP. Das war aber schon eine andere FPÖ, eine neue populistische Oppositionsbewegung mit einer Wählerschaft, die "weit über das traditionelle dritte Lager hinausging", wie es Jörg Haider zutreffend formulierte.

Jetzt stehen sie wieder da, waren beide relativ erfolgreich, wissen aber nicht, was sie mit sich und noch weniger, was sie miteinander anfangen sollen. Eine natürliche Tendenz zieht sie zueinander, der Ehrgeiz und das Kalkül der beiden Chefs Peter Westenthaler und Heinz-Christian Strache treiben sie aber auseinander.

In eine Regierung wollen beide. Der "Sündenfall" Regieren hat auch Strache angesteckt, auch wenn er so tut, als wolle er nicht. Eine Chance bekommen FP/BZ aber nur nach einer Wiedervereinigung, wie Strache richtig erkannt hat. Die Gräben sind tief und politisch überleben kann dabei nur einer. Daher das erbitterte Ringen, das sich noch länger hinziehen wird.****

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