"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Rote Stolpersteine" (Von FRANK STAUD)

Ausgabe vom 7./8. Oktober 2006

Innsbruck (OTS) - Eine Woche lang hat die SPÖ ihren Triumph bei
der Wahl am letzten Sonntag voll ausgekostet. Verständlich, bedenkt man, welche Demütigungen die Sozialdemokraten in den letzten Jahren hinnehmen mussten.

Fast täglich wurden der Volkspartei via Medien neue, unverdaubare Happen kredenzt. 800 Euro Grundsicherung für alle, Eurofighter-Ausstieg, Aus für Studiengebühren. Höhepunkt war die Ankündigung, einen Untersuchungsausschuss zum Thema Eurofighter im Parlament einsetzen zu wollen. Einem solchen würde die ÖVP sofort mit einem Bawag-U-Ausschuss kontern. Eine große Koalition wäre vom Tisch.

Persönliche Gespräche auf höchster Ebene zwischen Alfred Gusenbauer und Wolfgang Schüssel bzw. den Klubchefs Josef Cap und Wilhelm Molterer fanden nicht statt. Erst am Freitag sendete die SPÖ erste "normale" Signale an die Volkspartei, die darauf schließen lassen, dass ernsthafte Verhandlungen geplant sind. Höchste Zeit.

In der VP sind die Parteigranden nach wie vor voll damit beschäftigt, ihre Wunden zu lecken. Dass der Generationswechsel kommt, ist fix. Elisabeth Gehrer ist bereits abgetreten, kommende Woche folgt wohl Andreas Khol. Kanzler Schüssel wird die Koalitionsverhandlungen führen und dann gehen. Auch Liese Prokop und Maria Rauch-Kallat werden ihre Hüte nehmen. Rund um die drei "P" Josef Pröll, Ursula Plassnik und Günther Platter formiert sich die künftige Mannschaft. Offen ist nur, ob Molterer oder Umweltminister Pröll Vizekanzler wird.

Sollte es allerdings keine Koalition mit der SPÖ geben, bleibt der ÖVP nur der Weg zur Neuwahl. Denn eine Regierung mit FPÖ und BZÖ schließt die schwarze Führung aus, auch wenn es durchaus positive Stimmen dazu aus den Ländern Kärnten, Steiermark und Vorarlberg gibt.

Wer schon jetzt darauf wettet, dass bald neu gewählt wird, liegt eher richtig.

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